Lage entspannt sich weiter

25. Juni 2009, 20:48
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Donauinselfest findet regulär statt - Situation im Burgenland am kritischsten - Am Wochenende lokale Überflutungen und Murenabgänge möglich

Wien - Die Hochwasser-Situation in Österreich hat sich weiter entspannt. In der Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich, Wien und dem Burgenland gingen die Pegel der Flüsse zurück, mit Aufräumarbeiten wurde begonnen. Das Wiener Donauinselfest soll wie geplant stattfinden. 650 Mann des Bundesheer wurden für den weiteren Kriseneinsatz bereitgestellt.

Oberösterreich entspannt

Nach dem Hochwasser der vergangenen Tage kehrt Oberösterreich wieder zum Normalzustand zurück. Die Vorwarngrenzen an den Flüssen werden überall außer in Grein (Bezirk Perg) wieder unterschritten. Einige Straßen im Seengebiet bleiben vorerst wegen Vermurungen gesperrt, generell entspannt sich die Lage aber zusehends. Am Freitagvormittag waren nur mehr drei Feuerwehren im Einsatz, um Keller auszupumpen. Weil der Grundwasserspiegel sehr hoch ist, kommt es immer wieder zu Wassereintritten. "Wir gehen aber davon aus, dass wir bald einen Punkt setzen können hinter das Thema", hieß es beim Landesfeuerwehrkommando.

Das Hochwasser könnte in Oberösterreich bis zu fünf Millionen Euro Schaden angerichtet haben. 150 Gebäude wurden beschädigt, 600 Hektar landwirtschaftlicher Flächen geflutet. Der Ernteverlust wird auf knapp eine Million Euro geschätzt. Diese Zwischenbilanz zog Landeshauptmann Josef Pühringer (V) am Freitag am Rande einer Pressekonferenz.

700 Feuerwehren mit 9.000 Leuten waren im im Einsatz, das sind drei Viertel aller Feuerwehren in Oberösterreich. 30.000 Sandsäcke wurden gefüllt und gelegt. Durch den präventiven Einsatz der Helfer habe man den Schaden begrenzen können, dankte Pühringer allen Beteiligten. Die Hauptschadensgebiete befinden sich entlang der Flüsse Krems, Traun und Donau. Pühringer verwies auf den Katastrophenfonds des Landes, der 30 bis 50 Prozent der anerkannten Reparaturkosten refundiere.

Angespannte Situation im Burgenland

Weiterhin angespannt war die Lage am Donnerstag im Burgenland: Dort haben die Wassermassen die Feuerwehren vor allem in Trausdorf (Bezirk Eisenstadt) auf Trab gehalten: Die Wulka war über die Ufer getreten und hatte zahlreiche Keller überflutet. Erstmals wurde das Bundesheer zur Assistenzleistung angefordert. Gemeinsam mit den Kräften von sechs Feuerwehren waren 43 Soldaten mit Pumparbeiten beschäftigt. Besonders betroffen von Überschwemmungen war der Raum Güssing sowie Strem im Süden. Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) versprach Hilfe in Form eines zinsenlosen Kredits über 10.000 Euro zur Überbrückung der schlimmsten Schäden.

Donauinselfest findet statt

Ungeachtet des aktuellen Hochwassers findet das Wiener Donauinselfest regulär statt. Dies war in den vergangenen beiden Tagen unklar, weil die Treppelwege überspült waren. Diese werde man jedoch bis zum Auftakt freibekommen, zeigten sich die Organisatoren überzeugt. So wurde vermieden, in der 26-jährigen Geschichte der Veranstaltung erstmals einen Tag abzusagen.

Die nahe am Ufer gelegenen Treppelwege sind laut Veranstalter, der Wiener SPÖ, notwendig, um Einsatzfahrzeugen wie Rettung, Feuerwehr und Polizei die Zufahrt zu ermöglichen. "Dieser gesamte Bereich zur Neuen Donau hin wird für die Besucher abgesperrt", unterstrich nun eine Sprecherin. Zusätzliche Sicherheitskräfte würden die Absperrungen überwachen.

Man geht davon aus, dass diese Wege dank des sinkenden Pegelstandes am Freitag nicht mehr unter Wasser stehen werden. So sei voraussichtlich die gesamte Insel bespielbar. Lediglich die Jet-Ski-Veranstaltungen müssen abgesagt werden. Auch die Bühne der Sozialistischen Jugend kann am Freitag vermutlich noch nicht bespielt werden, da diese derzeit im Wasser steht.

Die auf der Donauinsel angesiedelten Freizeitareale "Copa Cagrana" und "Sunken City" nahe der Reichsbrücke sind weiterhin überflutet. An der Neuen Donau ist aus hygienerechtlichen Gründen ein Badeverbot erlassen worden. Rote Flaggen vor Ort weisen auf das Verbot hin.

Zahlreiche Einsätze in Niederösterreich

In Niederösterreich waren am Donnerstag etwa 2.000 Mitglieder von 187 Feuerwehren und 550 Soldaten des Bundesheeres im Hochwassereinsatz. Es mussten weiterhin Keller ausgepumpt und Straßen freigemacht werden. Entwarnung gab es in Niederösterreich noch nicht, die Pegel der Flüsse waren aber an sämtlichen Messstellen deutlich gesunken. In Walpersbach (Bezirk Wiener Neustadt) waren am späten Mittwochabend zehn von Hangrutschungen bedrohte Wohnhäuser evakuiert worden. In ein Gebäude war das Erdreich bis in die Küche vorgedrungen.

Aufräumarbeiten in der Steiermark

Nach heftigen Regenfällen und stellenweise Überflutungen waren die Einsatzkräfte in der Steiermark vor allem im Süden und Osten mit dem Auspumpen von Objekten und dem Wegräumen von Schlamm beschäftigt. 110 Feuerwehren mit rund 700 Mann sowie rund 90 Bundesheersoldaten waren vor allem in den Bezirken Feldbach, Radkersburg, Leibnitz und Weiz im Einsatz. Die meisten gesperrten Straßen waren ab Donnerstagmittag wieder passierbar.

Gewaltige Regenmenge

Wie stark der Niederschlag in den vergangenen Tagen gewesen ist, unterstrich der Gerhard Hohenwarter von der ZAMG auf der Hohen Warte. In den vergangenen 72 Stunden hat es eineinhalb bis dreimal so viel geregnet wie sonst im ganzen Juni. "Dort, wo es extrem geschüttet hat, sind Mengen gefallen, die es normal in zwei Monaten gibt", sagte der Experte von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Weiterhin häufig Regenschauer aber auch Sonne

Der Dauerregen ist nun in ganz Österreich vorbei. Da die feuchten Böden keinen weiteren Regen mehr aufnehmen können, sind auch am Freitag und am Wochenende lokale Überflutungen und Murenabgänge möglich. "In der über Österreich lagernden feucht-schwülen Luft bilden sich vor allem in der Osthälfte des Landes häufig Regenschauer und örtlich auch kräftige Gewitter. Dazwischen zeigt sich aber die Sonne und die Temperaturen steigen auf sommerliches Niveau", so Manfred Spatzierer, Leiter und Chefmeteorloge der Unwetterzentrale Österreich. Diese Wetterlage wird sich bis in die nächste Woche hinein halten. (APA)

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    Aufräumarbeiten in der Wachau

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    Bewohner von Weissenkirchen in der Wachau

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    Ein Mann kämpft sich durch die Wassermassen der überfluteten oststeirischen Ortschaft Hatzendorf

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    Hatzendorf unter Wasser

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    Steyr am Mittwochnachmittag

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    Aufräumarbeiten heute am Donnerstag in Steyr

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    Schlammbeseitigung heute Donnerstag in Steyr

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