Entwicklungsländer fordern Rettungspaket

25. Juni 2009, 06:10
posten

Dramatische Appelle auf Konferenz der Vereinten Nationen

New York - Zum Auftakt einer Konferenz der Vereinten Nationen über die globalen Folgen der Finanzkrise haben die Entwicklungsländer aus Afrika, Asien und der Karibik von den reichen Staaten ein Rettungspaket gefordert. Um soziale Unruhen zu verhindern und die wachsende Armut zu stoppen, seien dringend mehr Mittel erforderlich, erklärten Regierungschefs und Minister dieser Staatengruppe am Mittwoch in New York.

Die Krise gehe vor allem auf Kosten der Armen, sagte die Außenministerin von Bangladesch, Dipu Moni. "Wenn wir es nicht schaffen, die wirtschaftliche Rezession umzukehren, könnte es zu einer sozialen Rezession kommen, die weit schwerer einzudämmen sein wird."

Der Ministerpräsident von Belize, Dean Barrow, sagte im Namen der Karibischen Gemeinschaft, die wirtschaftlichen Bedingungen in der Region seien seit der Unabhängigkeit noch nie so schlecht gewesen wie jetzt. Die Rohstoffpreise seien weiter im Keller, die Exporteinnahmen aus der Landwirtschaft und dem Tourismus gingen zurück, und die Auslandsinvestitionen seien auf dem Rückzug. Um eine weitere Zuspitzung der Lage zu vermeiden, müssten sofort Finanzhilfen überwiesen werden, entweder in Form von Darlehen oder als Kredite zu Vorzugsbedingungen. "Es ist einfach keine Zeit mehr da", sagte Barrow. Die Zusage der G-20 vom April in London, die armen Länder mit 1,1 Billionen Dollar (784 Mio. Euro) zu unterstützen, reiche in keiner Weise aus.

"Wenn Fortschritt, Entwicklung und Stabilität aus dem Fenster zu entweichen scheinen, werden Armut, Instabilität und Bedrohungen für Frieden, Menschenrechte und Entwicklung unvermeidlich", sagte die südafrikanische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Maite Nkoana-Mashabane. Alle Redner aus Entwicklungsländern sprachen sich für eine größere Rolle der Vereinten Nationen im Kampf gegen die Finanzkrise aus.

Abschlussabkommen zeichnet deprimierendes Bild

Der Entwurf des Abschlussabkommens für die am Freitag zu Ende gehende Konferenz zeichnet ein deprimierendes Bild vom gegenwärtigen Zustand der Weltwirtschaft: Millionen von Menschen verlieren Arbeitsplatz, Ersparnisse und Wohnung. Die Zahl der in äußerster Armut lebenden Menschen steigt um mehr als 50 Millionen. Die Zahl der hungernden und unterernährten Menschen steigt auf den bisher höchsten Wert von mehr als einer Milliarde.

Die Geschäftsführerin der Weltbank, Ngozi Okonjo-Iweala, sagte, dass das Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer nach jüngsten Berechnungen des Instituts in diesem Jahr nur noch 1,2 Prozent erreichen wird - nach 7,7 Prozent im Jahr 2007. Modellrechnungen zeigten, dass 84 von 109 Entwicklungsländern mit Finanzlücken rechnen müssen, die in den meisten Fällen nicht von Reserven gedeckt werden können. Okonjo-Iweala sagte, die Weltbank habe ihre Kreditvergabe ausgeweitet, "um die brennenden Feuer der Finanzkrise zu löschen".

Die USA, die EU und andere Wirtschaftsmächte kündigten auf der Konferenz eine Verstärkung der Hilfen für Entwicklungsländer an, nannten aber keine konkreten Zahlen. Die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice, sagte vor den Ministern und Diplomaten aus 142 Staaten: "Die Vereinigten Staaten erkennen an, dass wir zusammen mit anderen einen Teil der Verantwortung für die gegenwärtige Krise tragen." Es gebe daher eine wirtschaftliche, sicherheitspolitische und moralische Verpflichtung, denjenigen Ländern die Hand zu reichen, die besonders hohe Risiken trügen. Die US-Regierung wolle ihre eigene Entwicklungshilfe ungeachtet der großen Herausforderungen weiter ausbauen.

EU entschlossen, den ärmsten Ländern beizustehen

Die tschechische Außenministerin Helena Bambasova sagte im Namen der EU, Europa sei entschlossen, den ärmsten und am meisten verletzlichen Ländern beizustehen. Der im britischen Außenministerium für Afrika, Asien und die UNO zuständige Diplomat Mark Malloch Brown sagte, die Hilfe für die Entwicklungsländer werde wahrscheinlich auch auf der Tagesordnung des G-8-Gipfels ab 8. Juli in der italienischen Stadt L'Aquila stehen.

Die Finanzkrise dürfe den Staatslenkern der führenden Wirtschaftsmächte nicht als Entschuldigung dienen, von ihren Versprechen abzurücken, den Armen zu helfen, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Wenn die Welt mehr als 18 Billionen Dollar zur Wiederbelebung der Finanzbranche mobilisieren könne, könne sie auch weitere 18 Billionen Dollar für Afrika aufbringen. (APA/AP)

 

Share if you care.