Präsident kritisiert Afrika-Politik der EU

24. Juni 2009, 23:37
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Abdoulaye Wade: EU gerät gegenüber China und Indien ins Hintertreffen

Brüssel - Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade hat die europäische Afrika-Politik scharf kritisiert. Mit der vor einem Jahr gegründeten Mittelmeerunion drohe sich das wirtschaftliche Gefälle zwischen den Ländern nördlich und südlich der Sahara zu verschärfen, erklärte Wade am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Er warf der Europäischen Union vor, die südafrikanischen Länder zu vernachlässigen und warnte zugleich: "Europa wird für Afrika immer weniger attraktiv."

Schwellenländer wie Indien und China böten den afrikanischen Staaten finanzielle Hilfen "zu weit günstigeren Konditionen" als Europa, sagte der senegalesische Präsident. Der EU warf er mangelndes Engagement vor. "Wenn das südliche Afrika kaum Straßen oder Eisenbahnschienen hat, dann liegt das am mangelnden politischen Willen." Für den Ausbau der Infrastruktur in nordafrikanischen Ländern wie Marokko und Ägypten habe die EU nach der Gründung der Mittelmeerunion Geld bereitgestellt. "Wir wollen nicht, dass die Mittelmeerunion zu einem weiteren Element der Trennung zwischen Europa und Schwarzafrika wird", sagte Wade.

"Reflexionsprozess"

Die EU-Kommission stellt für den Ausbau der Infrastruktur in Afrika über den Zeitraum 2007 bis 2013 insgesamt rund sechs Milliarden Euro zur Verfügung. Ein Teil davon ist allerdings für Nordafrika reserviert.

Wade äußerte seine Kritik ausgerechnet zum Abschluss einer Pressekonferenz, auf der EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani seine Pläne für eine verstärkte Zusammenarbeit mit den afrikanischen Ländern vorgestellt hatte. Konkrete Projekte sind darin allerdings nicht vorgesehen. Die Mitteilung solle "einen Reflexionsprozess im Hinblick auf eine Ausweitung der transeuropäischen Netze nach Afrika" auslösen, teilte die Kommission mit.

Investitionen in die afrikanische Infrastruktur könnten auch "dazu beitragen, die Abwanderung einzudämmen", erklärte der italienische EU-Kommissar Tajani mit Blick auf den Ansturm afrikanischer Flüchtlinge auf Südeuropa. Wade kritisierte: "Der Schengen-Raum schottet sich gegen Afrika ab." (APA/AP)

 

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