Musikrundschau mit bemühten Gitarren

25. Juni 2009, 17:12
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Neue Alben von den Eels, von Elvis Costello, von Kasabian

EELS
Hombre Lobo
(Universal)
Zwei Monate nachdem seine tragikkomische Autobiografie Things the Grandchildren Should Know als Glückstage in der Hölle auf Deutsch erschienen ist, veröffentlicht Mark Everett mit seiner Band Eels Hombre Lobo - 12 Songs of Desire. Der Untertitel spricht Bände. "E", wie man unseren von heftigem Bartwuchs befallenen Antihelden vertraut rufen darf, schmachtet und holzt sich durch grundsätzlich widrige Lebensumstände, die entsprechend oft nach einem Blues-Idiom verlangen und dieses auch bekommen. Das zeitigt sehnsuchtsvolle Kleinode und entrische Kracher wie Fresh Blood, die beste Nummer auf dem Album.

ELVIS COSTELLO
Secret, Profane & Sugarcane
(Universal)
Es ging ihm zwar nicht um eine Würdigung der frühen Radio Days, als noch ganze Familien um das Radio zusammensaßen und das Ohr an die große weite und vor allem unbekannte Welt hielten. Mit dem formal aber eben in jene Zeit zurückreichenden Secret, Profane & Sugarcane bekommt man diese Hommage von Elvis Costello quasi gratis mitgeliefert. Herrlich greinende und groovende Roots-Music, die Hans Christian Andersen würdigt und einen Song präsentiert, den dieser Hornbrillen-Elvis einst für Johnny Cash geschrieben hat - den dieser aber nicht mehr aufnehmen sollte: Complicated Shadow. Auch der gute Rest des Albums bleibt anrührend und berührend und wurde von T-Bone Burnett kongenial produziert.

KASABIAN
West Ryder Pauper Lunatic Asylum
(Sony)
Ein Destillat aus den letzten 15 bis 20 Jahren Insel-Pop bietet Kasabian aus Leicester auf ihrem dritten Album: Von Oasis bis zum Happy-Mondays-Spätwerk, über TripHop und abgebremsten Big Beat zum Post-Rave wird hier alles ein Mal mehr, ein anderes Mal weniger überzeugend in Form eines Konzeptalbums gebracht. West Ryder Pauper Lunatic Asylum hieß das erste britische psychiatrische Krankenhaus für, ähm, na ja, Normalbürger. Das Konzept meint, die Band würde für jeden Song in den Kopf eines anderen Patienten blicken und dessen persönlichen Irrsinn berichten. Richtige oder falsche Diagnose - egal. Vielleicht versuchen es Kasabian beim nächsten Mal dann wieder mit eigenen Ideen. Das hier wirkt auf voller Länge trotz einiger gefälliger Ergebnisse doch reichlich überbemüht. (flu / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2009)

 

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