"Es lag an der Glaubwürdigkeit"

24. Juni 2009, 21:35
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Grüne betreiben Vergangenheitsbewältigung mit Voggenhuber, der wieder austeilt

Wien - Johannes Voggenhuber teilt weiter aus - und zwar kräftig: Die Grünen "gehen in Richtung Kaderpartei", es werde mit "Wordings und mit Checklisten" gearbeitet und sie seien einmal eine Partei gewesen, "wo nicht jeder Funktionär sofort einen Ausschlag kriegt, wenn jemand sagt, er möchte gerne mitbestimmen". Sein Fazit: "Auf Bundesebene ist in den letzten Jahren kein großes politisches Projekt durchgesetzt worden."

Für den scheidenden grünen EU-Abgeordneten war der Titel der Veranstaltung am Mittwochabend offenbar Programm. "Grüne auf Talfahrt" hieß die "Im Klartext" -Diskussion im ORF-Radiokulturhaus in Wien. Die Öko-Partei hatte quasi als Gegenpart zur parteiinternen Vergangenheitsbewältigung gleich drei prominente Grüne aufgeboten: Oberösterreichs Landesrat Rudi Anschober, Volksanwältin Terezija Stoisits und die Wiener Klubchefin Maria Vassilakou. Letztere trat auch gleich die Gegenoffensive an. "Ich teile den Befund nicht und ich weiß auch nicht, was unter einer Kaderpartei gemeint sein soll", sagte Vassilakou. Anschober etwa "kommt in Oberösterreich durch. Er setzt es sogar um". Im Streit um seine Kandidatur, besser Nicht-Kandidatur, seien Fehler gemacht worden, räumte sie ein, aber "von beiden Seiten".

Keine einvernehmliche Lösung

"Ich hätte mich um eine einvernehmliche Lösung bemüht", erklärte Anschober: "Es war ein Fehler. Punkt. Jetzt müssen wir nach vorne schauen." Als eine Lehre aus der EU-Wahlschlappe nannte Stoisits, dass es offensichtlich ein"Vermittlungsproblem" bei den Wahlthemen gebe - eine Einschätzung, die durchaus von Voggenhuber geteilt wurde, schließlich sei man mit den gleichen Konzepten angetreten, wie "in anderen Staaten, wo die Grünen gewonnen haben. Es lag an der Umsetzung und der Glaubwürdigkeit", folgerte er.

Ein schlechtes Ergebnis bei der Nationalratswahl 2008, enttäuschende Landtagswahlergebnisse und der verunglückte EU-Wahl - stecken die Grünen in der Krise? Nein, sagen Stoisits, Anschober und Vassilakou. "Es hat in der Geschichte der Grünen noch nie so viele aktive Grüne gegeben wie heute", zeigte sich etwa Stoisits überzeugt. Als "Gegenpol zum Rechtstrend" sei man "sehr gut" , analysierte Anschober, "was mehr kommen muss, ist, positive Zukunftsperspektive darzustellen".

Mit Eva Glawischnig als Chefin? Da forderte Stoisits Fairness in der Bewertung der paar Monate Arbeit Glawischnigs ein. "Die Fehler waren auch keine Einzelentscheidungen", schloss sich Anschober an. Nur Voggenhuber sah das anders: "Wir bewerten Führungspersonen so wie die Altparteien." (pm/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2009)

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