Israel unter Druck

24. Juni 2009, 20:10

Netanjahus wackelige Koalitions­regierung erweckt kaum Vertrauen in Washington oder Brüssel

Nicht nur in Wien und Warschau, Berlin und Budapest, sondern sogar in Jerusalem wurde dieser Tage bei einer internationalen Konferenz eine Bilanz der europäischen Integration und der Ost-West-Beziehungen seit dem Fall des Eisernen Vorhanges gezogen. Im streng bewachten Konferenzzentrum der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Hebräischen Universität von Jerusalem diskutierten Wissenschafter und Experten (unter ihnen auch mehrere österreichische Diplomaten und Forscher) über die politischen und wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Aspekte des europäischen Einigungsprozesses.

Unsere unter den besonderen Verhältnissen Israels fast weltfremd anmutenden Debatten wurden allerdings von einem mit großer Spannung erwarteten Ereignis überschattet. An diesem Sonntag sollte nämlich Premier Netanjahu mit einer programmatischen Rede auf die Nahost-Initiative des US-Präsidenten Barak Obama antworten. Die meisten Israelis saßen an diesem Abend vor ihren TV-Geräten.

Der mit allen Wassern gewaschene Politprofi des rechten Lagers sprach zwar erstmals von der Option eines palästinensischen Staates, knüpfte daran aber so viele Bedingungen, dass damit laut einhelliger Meinung der arabischen, aber auch vieler europäischer Beobachter ein souveräner palästinensischer Staat nicht lebensfähig wäre.

Zugleich sagten auch kritische israelische Kommentatoren, Netanjahu habe trotz allem den Rubikon überschritten und für seine Verhältnisse einen entscheidenden Schritt getan. Laut ersten Umfragen begrüßten 71 Prozent der Israelis die Rede, und die Popularität des umstrittenen Politikers verzeichnete einen Sprung von 28 auf 44 Prozent.

Trotzdem verlässt man Israel nach diesem ersten Besuch seit mehreren Jahren mit gemischten Gefühlen. In Israel geht nämlich vor allem die Angst um: Angst vor den Folgen der globalen Wirtschaftskrise, vor dem Verlust der bisher totalen US-Unterstützung (2,8 bis 3 Milliarden Dollar jährlich) und vor der Bedrohung durch das unaufhaltsam fortschreitende Atomprogramm Irans.

Zugleich erweckt Netanjahus wackelige und heterogene Koalitionsregierung kaum Vertrauen in Washington oder Brüssel. Mit der Ernennung des zwielichtigen russischen Emigranten Avigdor Lieberman zum Außenminister hat Israel den durch seine Vorgängerin Zipi Livni mühsam erworbenen Goodwill fast völlig verloren. Statt des auch von Hillary Clinton lautstark geforderten völligen Einfrierens der Siedlungsaktivitäten wächst die Zahl der Siedler - aktueller Stand in der Westbank: 300.000 - dreimal so rasch wie die der Bevölkerung.

Der Druck auf Israel nimmt von allen Seiten zu. Der bekannte holländisch-jüdische Schriftsteller Leon de Winter griff kürzlich in der Jerusalem Post Präsident Obama und das liberale amerikanische Judentum wegen der fehlenden Unterstützung für Israel stark an. Da von den 5,7 Millionen Israelis eine Million russische Wurzeln haben, sollte Israel laut de Winter eine neue Partnerschaft mit Russland anstreben!

Besonnene Beobachter gehen freilich trotz des tiefverwurzelten Misstrauens gegenüber Präsident Obama nicht so weit und erwarten eher eine Periode der stabilisierten Instabilität. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2009)

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Kommentar posten
14 Postings
ron kreitler
00
25.6.2009, 15:20
blodsinn

Diskussionen zwischen Israel und die Vereinigten Staaten sind Propaganda pur. Obama will sich Profilieren. Er muss zeigen dass er kein Klon von Bush ist. Und auch Netanyahu muss seine Harte zeigen. Das ist alles wie in der innenpolitik. Manchmal tut sich Proll schwer und manchmal unterstutzt er Faymann aber zwichen die beide ist alles fix und fertig.

Igor Gassner
00
25.6.2009, 11:56
Solange sich AIPAC und

ADL Mitglieder sich nicht aus Verzweiflung in den Potomac stürzen kann ich mir nur vorstellen dass die Israel unter Druck kommen könnte.

NONE
00
25.6.2009, 11:24

Was ich nicht verstehe ist diese verklärte Einstellung zu einer ultrarechten Regierungskoalition. Was erwartet sich das Ausland? Wenn Siedlungen ausgebaut und erweitert werden ist dies deutlich klarer als jede Ansprache eines Politikers.

parapente
10
25.6.2009, 09:59
Solange die Juden (trotz gegenteiliger Verträge)

wild drauf losbauen - wird sich in dieser Gegend nichts ändern.
Die Israelis beschweren sich, dass die Palästinenser ihren Staat nicht anerkennen: Gibt es einen souveränen pälastinensischen Staat, der anzuerkennen wäre?
Ach!

drKannibalFekter
 
11
25.6.2009, 09:56
Lieber Standard ...

... ich glaube es wird Zeit Herrn Lendvai seine Altersruhe zu gönnen.
Ich achte seine Leistungen der Vergangenheit, die Gegenwart schadet ihm aber mehr als es ihm nützt!

die dummen streiche der bobos
00
25.6.2009, 08:58
goldener chinesischer reissackaward

israel unter druck - das ist ja was ganz neues

Stifter
21
25.6.2009, 00:04

Und was sagt uns dieser Kommentar? Lendvai ist entweder Diplomat oder Forscher - denn solche waren aus Österreich zu dieser internationalen Konferenz des deutschen (CDU)-Konrad-Adenauer-Stiftung in der "streng bewachten" Universität von Jerusalem geladen.

Die Hauptbotschaft: Lendvai war dabei!

robert rittersmann
00
25.6.2009, 11:57

oder Journalist?

Peter Sichrovsky
05
24.6.2009, 23:58
faaad

nichts ist langweiliger als das wiederkauen einer persönlichen meinung, deren vielfalt der einfalt eines schreibers entspricht, der glaubt, laut zu denken sei auch schon ein kommentar

robert rittersmann
11
25.6.2009, 11:58

na immerhin ist es für Sie nicht so fad, weil Fadesse zu kommentieren wäre ja noch öder, oder?

drKannibalFekter
 
00
24.6.2009, 21:36
was bitte will uns Lendvai sagen?

bitte um vorschläge ....

der Rabe
00
25.6.2009, 13:02
dass er noch lebt

Vaclav Vlc
33
24.6.2009, 20:22
herr professor, was wollen sie uns damit sagen?

das wird alles nix?

ich glaub das auch.

ich hab in den 80iger jahren bei einer rundreise von eilat bis zum golan -mietauto- ein ruhiges freundliches land erleben dürfen.

da gabs keine probleme. wir sind in der eine woche ohne kontrolle vom ganz im süden bis ganz an den norden gefahren.

ich hab den eindruck, dass das ganze mit viel geld vom westen (usa) bis zum osten (iran) geschürt wird,

und das über jahrzehnte.

wie wärs - utopie! - wenn man ost und west einfach das geld wegnehmen könnte?

ich glaub, palästinenser und juden würden sich vertragen.


robert rittersmann
00
25.6.2009, 11:59

Sie meinen so, wie wenn man dem Irak kein Öl mehr abkauft.
Dann ist dort Ruhe?

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