Die Lehren aus dem Jahr 2002

24. Juni 2009, 20:33
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Für viele Schutzmaßnahmen kommt das Wasser zu früh - Erst ein Drittel der beschlossenen Maßnahmen sind fertiggestellt

Als Konsequenz aus dem Jahrhunderthochwasser 2002 - der Schaden betrug damals knapp drei Milliarden Euro - einigten sich das Verkehrsministerium und die Länder Wien, Nieder- und Oberösterreich auf eine gemeinsame Finanzierung des Hochwasserschutzes entlang der Donau. Im Dezember 2006 unterzeichneten die Landeshauptleute eine entsprechende 15a-Vereinbarung. Bis zum Jahr 2015 investieren die Länder 420 Millionen Euro, die Hälfte des Betrages wird vom Bund refundiert.

Errichtung von Schutzbauten

Die daraufhin begonnene Errichtung von Schutzbauten in Oberösterreich kostet rund 165 Millionen Euro. Zu den Maßnahmen zählen mobile Hochwasserschutzeinrichtungen in Linz-Urfahr und eine neue Dammanlage im Mühlviertler Machland. Der Machland-Damm, Österreichs größte Hochwasserschutzprojekt, ist in acht Baulose gegliedert, das erste (bei Mauthausen) wird heuer fertig. Zum Lückenschluss in Mauthausen fehlen derzeit knapp 150 Meter. Durch diese offene Stelle drückt das Donau-Hochwasser auf die Bundesstraße, die seit Mittwoch gesperrt ist. Drei weitere Baulose sollen noch in diesem Jahr begonnen werden, 2012 soll der Damm fertig sein.

400 Schutzprojekte

Zudem hat das Land nach 2005 ein umfassendes Hochwasserschutzprogramm beschlossen. Bis 2015 werden in 400 Schutzprojekten weitere 360 Millionen Euro investiert. Ein Drittel dieser Maßnahmen sind laut zuständigem Umweltlandesrat Rudi Anschober fertiggestellt, darunter der Hochwasserschutz an der Krems in Ansfelden, einem der Orte, die 2002 im Wasser versunken sind.

In Niederösterreich werden neben den Schutzwällen für die Donau durch die Wachau bis 2011 die Dämme entlang der March und der unteren Thaya auf einer Länge von 70 Kilometern saniert. Die nach dem Jahrhunderthochwasser durchweichten Dämme entlang der March hatten dem Hochwasser 2006 an zwei Stellen nicht mehr standgehalten. Die Sanierung durch die Wasserstraßengesellschaft Via Donau kostet 120 Millionen Euro.

Bewährungsprobe

Das niederösterreichische Militärkommando hat seit 2002 mit Raiffeisen und Strabag Partnerschaften geschlossen, um im Katastrophenfall auf zivile Baumaschinen zugreifen zu können. Ein Panzerpionierbataillon hat am Mittwoch mögliche Assistenzleistungen im Raum Ybbs vorbereitet. Beim Heer wird allerdings bis auf weiteres der normale Dienstbetrieb fortgeführt - die 3. Panzergrenadierbrigade aus Mautern übt derzeit in Allensteig. Insgesamt stünden 12.000 Mann (wie 2002) bereit, "wenn wir alles zusammenkratzen", wie ein Offizier dem Standard erklärte. Die Einsatzbereitschaft war in den letzten Wochen in Zweifel gezogen worden, jetzt wäre ein Bewährungsprobe. Allerdings sei die Lage heuer entspannter: Bisher mussten nur 200 Soldaten in die Einsatzräume verlegt werden. (cs, ker, DER STANDARD Printausgabe 25.6.2009)

 

 

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