Berlin droht Taliban mit mehr Härte

24. Juni 2009 21:36

Deutscher Verteidigungsminister nach Tod dreier Soldaten unter Druck – Treffen der G-8-Außenminister

Berlin/Kabul/Wien - "Wer uns angreift, wird auch bekämpft. Die Bundeswehr hat dafür die notwendigen Antworten." Derart entschlossen zeigte sich der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) am Mittwoch schon im deutschen Frühstücksfernsehen. Das Signal seines Auftritts: Deutschland lässt sich nicht einschüchtern, auch nicht durch den Tod dreier Bundeswehrsoldaten in Afghanistan am Tag zuvor.

Die drei jungen Männer waren in der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus aus dem Hinterhalt beschossen und nach einem missglückten Ausweichmanövers ihres "Fuchs" -Panzers in einem Wassergraben ertrunken. Später bekannten sich die radikal-islamischen Taliban zu dem Angriff.

Jung brachte, ohne sich festzulegen, auch eine Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents ins Gespräch. Die Truppe habe für die Kämpfe "auch die notwendigen Reserven, hier Verstärkung vorzunehmen." Deutsche Soldaten, derzeit insgesamt 3500, sind seit 2002 in Afghanistan im Einsatz. 35 von ihnen sind dort bei Kämpfen und Unfällen ums Leben gekommen.

Angesichts der stetig wachsenden Zahl von toten Soldaten, fordert der Wehrbeauftragte der deutschen Regierung Reinhold Robbe (SPD), die Situation am Hindukusch nicht länger schönzureden. Über den Einsatz der deutschen Soldaten sagt er: "Das hat nichts mit Brunnenbohren und Brückenbauen zu tun. Das ist Krieg." Man müsse die Dinge auf den Punkt bringen, so Robbe. Seine Warnung: "Jeder, der versucht, da herumzureden, suggeriert zumindest gegenüber den Soldaten, dass er etwas verharmlost oder dass er etwas kleinredet."

Jung bezeichnet zwar die jüngst getöteten Männer aus Thüringen ausdrücklich als "Gefallene" . Von einem "Krieg" aber will er nicht sprechen: "Wir sind dort keine Besatzer, sondern wir sind da, um die Sicherheit auch der Bundesrepublik Deutschland zu festigen und zu wahren, indem wir dort dem Terrorismus entgegentreten." Das Wort "Krieg" kommt Jung nur in der Verneinung über die Lippen. Erstens ist eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Die Ablehnung würde noch wachsen, wenn man offen von einem "Krieg" spricht, heißt es in der Koalition.

Zweitens verweist das deutsche Verteidigungsministerium darauf, dass es sich juristisch nicht um einen Konflikt zwischen zwei Staaten handelt. Im Gegenteil: Die deutschen Soldaten sind auf Bitten der legitimen afghanischen Regierung im Land. Die Präsidentenwahl in Afghanistan am 20. August ist nach Jungs Meinung auch der Grund für die verstärkten Angriffe der Taliban. Doch auch die Öffentlichkeit in Deutschland solle vor der Bundestagswahl (27. September) beeinflusst werden.

Bombenanschläge vereitelt

Bei mutmaßlichen US-Luftangriffen im pakistanischen Stammesgebiet Süd-Waziristan starben am Mittwoch mehr als 50 Menschen. Laut Medienberichten haben die pakistanischen Behörden eine Serie von Bombenanschlägen auf mehrere Botschaften europäischer Staaten sowie auf die südafrikanische Botschaft vereitelt.

In Triest treffen sich heute, Donnerstag, die Außenminister der G8-Staaten. Dabei sollte es vor allem um eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen die Taliban und Al-Kaida in Afghanistan und Pakistan gehen. Afghanistans Außenminister Rangin Dadfar Spanta reist zum Treffen der G8 von Wien an. Er nahm am Mittwoch zusammen mit Außenminister Michael Spindelegger an einer Afghanistankonferenz teil. Österreich gab seit 2002 neun Millionen Euro für den Wiederaufbau in Afghanistan aus. (bau, mab, red/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2009)

 

Kommentar posten
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meanAngus
02.07.2009 11:22

An alle Össis mit Gedächtnisschwund, die hier Deutschland als Kriegshetzer darstellen:

Ihr wart damals mit Feuereifer dabei! Ammon Göth war Österreicher.

NONE
27.06.2009 14:59

Jung soll aufhören sich an einer Besatzung zu beteiligen und es so darzustellen als ob Afghanistan nun Deutschland gehört.

Es ist ein Krieg, und da hilft weder ein rhetorischer Angriff, noch eine Aufstockung der Truppen.

social unrest
27.06.2009 03:00
deutschland setzt akte der aggression gegen afgahnistan

im klartext: die führen krieg gegen afgahnistan
wann kriegen die eine diplomatische note von der demokratischen westlichen welt ?
wann gehen wir für die rechte der afgahnen auf die strasse ?
unsere PC-schafe gehen ausschließlich dann auf die straße wenn der große bruder amerika es befiehlt.
über die rolle der presse dabei trau ich mir hier nichts schreiben.

p c2
25.06.2009 22:55
"Wer uns angreift, wird auch bekämpft. Die Bundeswehr hat dafür die notwendigen Antworten."

hört sich ganz wie bush an.

brav junge, brav...

Christian S
25.06.2009 15:19
Franz-Josef Jung will sich nicht einschüchtern lassen

An seiner Stelle hätte ich auch die Härte von Kruppstahl kombiniert mit dem Mut eines Herkules.

Immerhin sitzt er bequem und sicher an seinem Schreibtisch, den Kopf hinhalten dürfen andere.

"the pathological weakness of the financial memory"
25.06.2009 14:08
Orwell hatte also Recht: Krieg ist Frieden!

Hurra Deutschland!
25.06.2009 13:58
Besonders mies argumentieren jene, die einerseits sagen, ein Partisanenkrieg sei nicht zu gewinnen, andererseits aber dafür plädieren, schnellstmöglich afghanische Sicherheitskräfte in die Lage zu versetzen, die Taliban erfolgreich zu bekämpfen.


Wenn Partisanenkriege nicht zu gewinnen sind, kann es die afghanische Armee auch nicht. Es ist eine billige Ausrede, um das afghanische Volk im Stich lassen zu können und eine Kapitulation vor Diktatur und Völkermord, so wie im Sudan.

Man sollte in der Tat die Truppen noch weiter verstärken und Pakistan ermutigen, in Waziristan konsequent vorzugehen und die Mörderbanden in die Zange zu nehmen. Die SPD fordert jetzt, dass die Bundeswehr Kampfhubschrauber einsetzt, das halte ich für richtig. Man kann nicht ewig nur auf Selbstschutz aus sein, während der Gegner Krieg führt.

http://www.nachtwei.de/index.php... ticles/779

soseies
26.06.2009 12:46
tschuldigung....aber genau wegen solch k.ranker menschen wie sie wird es immer tot, leid und krieg auf dieser erde geben...

menschen ihrer gesinnung gibt es in allen bevölkerungsschichten..umso "höher" man geht..desto radikaler werden zum teil die ansichten..da man in diesen schichten nicht mehr selbst den kopf hinhalten muss sondern die da unten schicken kann..

menschen ihrer gesinnung wollen anderen menschen, oberflächlich gesehen, eine version verkaufen..vor der orwell schon gewarnt hat..

kein frieden ohne krieg..oder besser gleich..krieg ist frieden..

aber kein sch.wein fragt mehr nach den gründen..warum wir z. z. in der verfahrenen situation (global) sind...das wäre auch zu einfach...nachher gebe es lösungmöglichkeiten ohne weltweit das militär loszujagen..mit den entsprechenden kosten dafür, die letztendlich wieder der "kleine mann" zu tragen hat.

isidor vom billa
27.06.2009 16:35
"aber kein sch.wein fragt mehr nach den gründen"

Tschuldigung, aber in Tirol heißt das offiziell "....aber kein SCHWEIGEN fragt mehr nach den Gründen.."

Eleazar
25.06.2009 13:38

Berlin droht Taliban.

dieses "Berlin-droht" ist ja wirklich schon ein abgedroschener Hut.

Fallt denen gar nichts neues ein?

natoll
25.06.2009 14:21

das "droht" ist ein wort der presse. damit dumpfbacken sich darüber aufregen können.

MCU
25.06.2009 12:47
Drohung an die Taliban? Absolut lächerlich!

Mit Personal, daß sich auf den Stützpunkten einigelt und wie zuletzt in einen Wassergraben fährt und dabei ertrinkt!

Die sollen nicht drohen, sondern zusammen mit den anderen Truppen dieses Taliban-Pack, welches die Bevölkerung terrorisiert, endlich in die Schranken weisen bzw. aus dem Land jagen. Seit 7 Jahren in Afghanistan und außerhalb von Kabul keine erkennbaren Fortschritte und der Drogenanbau blüht.

Im 19Jht schafften es die Engländer die halbe Welt zu kontrolliert - heute scheitern modernst ausgestatte Truppen aus mehreren Staaten mit Afghanistan.

soseies
26.06.2009 12:50

"Im 19Jht schafften es die Engländer die halbe Welt zu kontrolliert - heute scheitern modernst ausgestatte Truppen aus mehreren Staaten mit Afghanistan."

schaun`s mal in ein geschichtsbuch...sie wissen, das ist so ein ding aus papier, mit vielen seiten, auf denen viele buchstaben stehen... mit welchen mitteln die engländer das geschafft haben...

dagegen sind die taliban geradezu zivilisiert..

natoll
25.06.2009 14:22

na servas, selten dümmeres gelesen. hast du eine ahnung mit welchen methoden die engländer "kontrollierten" (wobei sie in vielen fällen ja nichtmal annähernd sowas wie kontrolle hatten).

wennst wen in die schranken weisen willst, fahr hin und mach es besser. dauerraunzer.

das ist fix
25.06.2009 12:45

Afghanistan ist ein "lost-country", es wird nicht möglich sein dort die europäischen Werte-Vorstellungen durchzusetzen.

Black Adder
25.06.2009 11:20

Süß, wie in Standard-Postings die Taliban hofiert werden. Immerhin wollen die nur friedlich leben und eigentlich nur spielen.
Und das ist auch so weit weg, da kann uns eh nichts passieren. Falls doch, dann sollen uns eben wieder einmal andere helfen. Am besten dann die Amis, dafür waren sie in den vierzigern auch gut genug.

p c2
25.06.2009 22:59
Falls doch, dann sollen uns eben wieder einmal andere helfen.

was soll uns denn passieren - von den talibans?

G e o r g
25.06.2009 12:38

Man kann es sich eben leicht machen und jede Kritik am dt. Kriegseinsatz und an der Haltung das dt. Kriegsministers als Einsatz für die Taliban auslegen. Das Motto ist doch bekannt: Wer nicht für uns ist, ist für die Terroristen. Wofür Differenzierung? Benötigt nur Zeit zum Nachdenken und Recherchieren, und wer hat die schon.

Du Jane, ich Bumsti
25.06.2009 12:05
Aber, aber!

Der durchschnittliche Standardposter vermutet ja hinter jeder Waffe gleich einen Kriegshetzer und/oder Na+ziagenten
Siehe den "Simplicius Simplicissimus" weiter unten.
Die Taliban wollen ja eh nur ein bisschen beten und tun der Bevölkerung eh nur gutes.

Darkk
25.06.2009 12:03
ich gebs zu ich beziehe meine infos rein aus den medien ;)

und hab seit jahren den eindruck dass die lage dort immer schlimmer wird.

bin im prinzip für eine intervention, aber anscheinend läuft da was wirklich falsch.

DieBo
25.06.2009 14:09
seit wann dürfen die Medien in und über Afghanistan frei berichten???

Darkk
25.06.2009 11:06
was genau machen

die deutschen eigentlich da?^^

Jürgen Rembremerding
 
25.06.2009 12:37
Du Jane, ich Bumsti
25.06.2009 10:53
Warum nicht unter dem Titel:

"Wir beschützen dir afghanischen Zivilisten vor einer erneuten brutalen Unterdrückung durch die Taliban"

Das hat nix mit Besatzern zu tun.
Diese Taliban sind der letze Dreck und ich finde es sollte die Pflicht sein, die armen Menschen vor diesen Tieren zu beschützen.
Dass das nicht umsonst geht, ist klar.
Wir sitzen hier in unseren sicheren Demokratien, können sagen was wir wollen, essen was wir wollen und die Menschen dort haben nichts ausser die Gefahr, dass die die Taliban wieder mit gewalt und Terror herrschen.

DieBo
25.06.2009 14:12
fragen sie mal die Afghanen oder die Hilfsorganisationen dort. Die wollen in erster Linie dass die Nato verschwindet. Im übrigen war die Suche nach Ossama Bin Laden der Grund, nicht die Taliban.

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