Gegen den Strom in die Anderswelt

24. Juni 2009, 18:32
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Zehn Kilometer oberhalb von Linz lädt man zum fantastischen "Kulturbaden"

Schon auf dem Weg von Linz nach Ottensheim stimmen Schauspieler auf die Anderswelt ein. Ein Admiral auf dem Schiff, die Fahradführerin und der Schaffner in der Mühlkreisbahn. Wer glaubt, er könne sich via Donaufähre in die Szenerie schmuggeln, irrt. Zöllner lauern mit mobilen Schranken, wünschen "wunderbare Welle" und "fröhliches Ertrinken" . Ein ganzer Ort ist in Aufruhr, könnte man sagen. Nach monatelanger Vorbereitung findet an fünf Wochenenden das Kulturbaden statt, ein dreiteiliges Unterfangen, das mit Stationentheater, inszenierten Lesungen und kollektivem Donauschwimmen aufwartet. All das eingebettet in die Erfindung der Anderswelt, die mit einer eigenen Philosophie, Sprache und einem eigenen Verhaltenskodex aufwartet. Inszeniert von einem Regieteam rund um Joachim Rathke, steuern Andreas Jungwirth, Stephan Roiss und Rudolf Habringer dazu die Texte bei. Belebt wird die H2O-lastige Umgebung von Amateur- und Profischauspielern.

Den Einstieg in die Anderswelt liefert das Stationentheater Kehrwasser. Von der Fähranlegestelle startend begegnet man stromaufwärts allerhand skurrilem Personal: den Buchstabenfischern, der Wasserpolizei, den Schuhplattlerinnen im Badekleid oder den Wäscherinnen, die Buchstaben aus Büchern waschen. Mit dem Besuchertross wandern zudem der Nichtschwimmer und die Schwimmerin mit, zwei Sturschädel, die über die (Ir-)Relevanz des Wassers streiten.

In der Papierschiffswerft kann man große und kleine Schiffe falten, die vor der Tür in die Donau entlassen werden. Es wäre aber nicht die Anderswelt, wenn nicht auch hier das Fantastische mitschwingen würde: Mittels Luftdruckkanone kann man seine Flaschenpost an die Wassergeister im weiten Bogen in die Donau feuern lassen. Lustig!

Weiter geht's in Richtung Rodlhalbinsel, wo entrückte Geschöpfe warten, der Rattenfänger in die Fluten lockt, Bademeistermachos kalauern und eine Auwaldcombo die sagenumwobene Undine und den Seemann musikalisch herbeizitieren. Hier findet am Abend auch der zweite Teil, das Ertrinken statt: Nasse Geschichten werden erzählt. Tags darauf kann man in die Fluten tauchen. Da steht das Linzschwimmen samt Flößen und am Ufer positionierter Zweikilometermusik auf dem Programm. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2009)

 

4./5. 7., 11./12. 7., 25./26. 7. und 1./2. 8. Tel.: 0680/311 69 98

www.kulturbaden.ottensheim.at

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