Synthetische Drogen boomen in armen Ländern

24. Juni 2009, 18:07
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Die Handelsrouten für illegale Substanzen befinden sich im Umbruch - In Südostasien werden vor allem Crystal Meth und Metamphetamin-Tabletten hergestellt

Während der Markt für Kokain, Opiate und Cannabis immer kleiner wird, entstehen in Entwicklungsländern große Fabriken zur Herstellung synthetischer Drogen - wie der UN-Weltdrogenbericht 2009 zeigt - Von Gudrun Springer

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Washington/Wien - Während die Märkte für Kokain, Opiate und Cannabis weltweit stagnieren oder schrumpfen, hat sich in den Entwicklungs- und Schwellenländern sukzessive aus einem Kleingewerbe ein großes Geschäft mit synthetischen Drogen entwickelt. Das ist aus dem Weltdrogenbericht 2009 ersichtlich, der am Mittwoch im Hinblick auf den Weltdrogentag am 26. Juni in Washington präsentiert wurde.

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) stellt darin fest, dass sich der Konsum von synthetischen Drogen wie Amphetaminen, Metamphetaminen und Ecstasy in den Industrieländern zwar stabilisiert hat, man aufgrund der Daten aus den Entwicklungsländern aber Grund zur Besorgnis habe, dass dort sowohl Produktion als auch Konsum steigen könnten. In Südostasien etwa befänden sich Labors in Fabriksgröße, in denen Crystal Meth oder Metamphetamintabletten - illegale Substanzen, die aufputschend wirken - hergestellt werden. 

Cannabis wird weiterhin am häufigsten konsumiert

Cannabis bleibt laut Weltdrogenbericht die am häufigsten angebaute und konsumierte Droge weltweit: UNODC schätzt, dass zwischen 143 und 190 Millionen Menschen weltweit mindestens einmal innerhalb des Jahres 2007 Cannabis konsumiert haben (siehe Grafik). Die erhobenen Daten zeigten, dass der durchschnittliche Gehalt des schädlichen Tetrahydrocannabinol (THC) in aus Nordamerika stammendem Marihuana sich fast verdoppelt hat, was weitreichende Folgen für die Gesundheit habe.

Kokainmarkt im Umbruch

Die Handelsrouten für illegale Substanzen befinden sich laut UNODC im Umbruch. Der Kokainmarkt erlebe „Veränderungen seismischen Ausmaßes", sagte UNODC-Direktor Antonio Costa. Zu wissen, dass bei Kokain der Reinheitsgrad sinke, die Preise stiegen und sich das Konsummuster wandle, könne vielleicht den „erschreckenden Anstieg von Gewalt in Ländern wie Mexiko" erklären, sagt Costa. Im Kampf gegen Opium plant die UNODC, den Informationsaustausch zwischen Afghanistan, Iran und Pakistan zu verbessern und länderübergreifende Aktionen durchzuführen. In Afghanistan erfolgen 93 Prozent der weltweiten Opiumernte.

Als Maßnahmen zur Verbesserung der Drogenkontrolle empfiehlt der UNODC-Direktor, Drogentherapien weltweit zugänglich zu machen und die Situation in Stadtvierteln, die außer Kontrolle geraten sind, zu verbessern.(Gudrun Sprinegr, DER STANDARD Printausgabe 25.6.2009)

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    In Afghanistan erfolgen 93 Prozent der weltweiten Opiumernte

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