Finanzkrise bedroht visionäres Stadtteil-Projekt

24. Juni 2009, 18:02
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Auf ehemaligen Brauereigründen sollte ein Stadtteil der Zukunft entstehen - Viel Geld und Ideen flossen in das Projekt - Nun wird der Verkauf des Areals befürchtet

In Graz sollte auf den ehemaligen Brauereigründen Reininghaus auf 500.000 Quadratmetern ein moderner Stadtteil entstehen. Doch das visionäre Projekt der Entwicklungsgesellschaft Asset One droht Opfer der Finanzkrise zu werden. Der Vorstandsvorsitzende Roland Koppensteiner ist "wegen Meinungsunterschieden" zurückgetreten und wird vom Immobilien-Profi Gerhard Engelsberger ersetzt. In Graz wird nun ein scheibchenweiser Verkauf des Areals befürchtet. Die Stadt will um das Projekt kämpfen - Von Colette M. Schmidt

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Graz - Geld spielte keine Rolle in der größten Sandkiste Europas, wie Architekten die ehemaligen Brauereigründe Reininghaus nannten. Auf dem Areal von 500.000 m2 sollte ein Stadtteil für moderne Arbeits- und Lebensformen und sanfte Mobilität entstehen. Ein zweiter Stadtkern neben der etwa gleich großen Altstadt. In Planungen und Ideensammlungen mit Opinion Leaders, Architekten und Stadtentwicklern flossen Millionen.

Auch die von Ernst Scholdan gegründete Immobilienentwicklungs AG Asset One spürt nun die Finanzkrise - auch in Salzburg, wo das Projekt Sternbrauerei schockgefroren wurde, weil Investoren fehlen. Scholdan kaufte um 238 Mio. Euro Gründe der Brau Union.

Abschied von Träumen

Offiziell gab man sich während der vergangenen Wochen gelassen und sprach von "Flexibilität" . Etwas deutlicher wurde Aufsichtsratschef Alexander Doepel Anfang der Woche im Falter-Interview: "Was man nicht bezahlen kann, kann man nicht bestellen" , sagte er, und, dass man sich nach dem, "was mit Lehman Brothers passierte" , von manchen Träumen verabschieden müsse.

Scheibchenweiser Verkauftbefürchtet

Dass das Areal nun scheibchenweise verkauft wird und vom großen Wurf nicht viel übrig bleibt, wollte einer sicher nicht: Vorstandschef Roland Koppensteiner, der bis zuletzt an der Ursprungsidee festhalten wollte. Dienstagabend hieß es, Koppensteiner habe "mit Rücksicht auf sich abzeichnende Meinungsunterschiede hinsichtlich der Schwerpunktsetzung die Zurücklegung seines Mandates angeboten" .

Von einem "Hinauswurf" Koppensteiners, der durch Immo-Profi Gerhard Engelsberger, Exvorstand der Wienerberger Immobilien AG, ersetzt wird, spricht hingegen Elke Kahr, KP-Wohnungsstadträtin. Für sie droht nun ein "Ausverkauf" der Brauereigründe. VP-Bürgermeister Siegfried Nagl kalmierte am Mittwoch, dass "der eingeschlagene Weg fortgesetzt wird. Eine Zerstückelung des Grundstücks wäre das Aus für die Stadtteilidee." Seitens der Asset One war niemand zu einer Stellungnahme bereit.  (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2009)

  • Die Pläne und Träume für einen Herzeigestadtteil landen in der harten Realität der Krise.
    foto: foto: asset one

    Die Pläne und Träume für einen Herzeigestadtteil landen in der harten Realität der Krise.

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