EdF zieht sich aus Österreich zurück

24. Juni 2009, 17:35
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Eigentümerwechsel bei der steirischen Estag

Graz/Wien - In Paris wird am Freitag ein vertraulicher Deal unterzeichnet, der den Anstoß für eine nachhaltige Veränderung der ös-terreichischen E-Wirtschaft geben könnte. Standard-Informationen zufolge, wird der französische Energieriese EdF (Électricité de France) mit diesem Pakt den Partner GdF (Gaz de France) aus der gemeinsamen Österreich-Tochter SIA, die am steirischen E-Konzern mit 25 Prozent plus einer Aktie beteiligt ist, auskaufen.

Zum Buchwert von 80 Mio. Euro gehen die GdF-Anteile an die EdF. Dies wird von Insidern als erster Schritt für einen gänzlichen Rückzug der Franzosen aus dem österreichischen Markt interpretiert.

Die Edf dürfte demnächst das Gesamtpaket an der Energie Steiermark AG (früher Estag) zum Verkauf anbieten. Erster Interessent: der Verbund, der seit Jahren bei den Steirern um breite Beteiligung an der Estag anklopft und dabei auch ein Auge auf weitere 24 Prozent Landesanteile geworfen hat.

Betroffen vom Rückzug der Franzosen könnte auch die EVN sein. Die EdF ist über die Energie Baden Württemberg (EnBW) bei der niederösterreichischen EVN mit rund 37 Prozent beteiligt. Auch hier könnte der Verbund einsteigen und die Edf /EnbW-Anteile übernehmen und somit mit der EVN eine Kreuzbeteiligung eingehen, heißt es. Die EVN hält am Verbund derzeit zehn Prozent.

Noch vor zwei Jahren sah die Welt in der steirischen E-Wirtschaft völlig anders aus. Die französischen Konzerne EdF und GdF (die seit dem Merger mit Suez zum großen Konkurrenten von EdF aufstiegen) wollten 2008 über das gemeinsame Unternehmen SIA (Société d'Investissement en Autriche) um 400 Mio. Euro weitere 24 Prozent an der Energie Steiermark erwerben und damit ihren Anteil auf 49 Prozent aufstocken. Eine Koalitionsmehrheit aus ÖVP, KPÖ und Grüne verhinderten diesen Deal - von "Verscherbeln von Familiensilber" war die Rede.

Seitdem herrscht Funkstille aus Paris, ein weiteres Engagement der Franzosen war kein Thema mehr. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2009)

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