Neue (Aus-)Sicht für Medici

24. Juni 2009, 17:31
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Umbenennung auf "20.20 Medici AG" - neuer Vorstand

Wien - Die Bank Medici, der die Finanzmarktaufsicht im Mai die Lizenz entzogen hat, hat ihre Satzung geändert und sich einen neuen Namen gegeben. Einen mit Zukunft.

Die Aktionäre der Gesellschaft - also Sonja Kohn (75 Prozent minus einer Aktie) und Bank Austria (Sperrminorität) - haben vorigen Freitag eine Hauptversammlung abgehalten. Eines der Ergebnisse ist, dass das Unternehmen nun "20.20 Medici AG" heißt. Die Zahlen im Firmenwortlaut sollen erstens auf die Zukunftschancen der Gesellschaft hindeuten; zweitens steht 20/20 in den USA für "optimale Sehfähigkeit" .

Die Bank Medici war ja nicht gerade vom Glück verfolgt; sie ist über ihre Fonds in die Affäre Madoff verwickelt - Milliarden sind beim mutmaßlichen Betrüger gelandet und verschwunden; ein Strafverfahren läuft auch in Wien (es gilt die Unschuldsvermutung).

Die 20.20 Medici AG wird sich mit Dienstleistungen im Finanzbereich beschäftigen, für die keine Lizenz gebraucht wird; etwa mit der Organisation oder Beschaffung von Kapital für Projekte in der Energiebranche oder bei Immobilien. Es gehe darum, die internationalen Kontakte Kohns zu nützen, die unter der Affäre Madoff "nicht gelitten haben" , wie ein Vertrauter sagt.

Die beiden amtierenden Bankchefs, John Holliwell und Werner Tripolt, scheiden aus dem Unternehmen aus; in den Vorstand zieht der Wiener Anwalt Johann Stöhr ein; er war einst schon Medici-Aufsichtsrat.

Die Bank Austria bleibt Aktionärin: Kohn will die Anteile, die in der BA mit 1,5 Mio. Euro zu Buche stehen, nicht kaufen. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2009)

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