EZB flutet Markt mit 442 Milliarden Euro

24. Juni 2009, 17:28
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Die USA setzen weiterhin auf ihre Nullzinspolitik

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert mit einer drastischen Maßnahme auf die Finanzkrise und spült fast eine halbe Billion Euro in den Markt. Die USA setzen weiterhin auf ihre Nullzinspolitik.

 

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Wien - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Kampf gegen die Krise mit einem neuen Finanzinstrument so viel Geld in den Markt gepumpt wie nie zuvor. Ihr Angebot an die Banken und Sparkassen, sich erstmals für ein Jahr bei der Notenbank unbegrenzt Geld zu einem Prozent zu leihen, fand am Mittwoch reißenden Absatz: 1121 Banken aus der Euro-Zone nahmen das Angebot an.

Die EZB teilte mit 442 Mrd. Euro fast eine halbe Billion Euro zum Festzins von 1,0 Prozent zu. Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften forderten, dass die Banken die Liquidität auch an Unternehmen und Verbraucher weitergeben. Vor allem die hohe Zahl der Bieter - normal beteiligen sich Händlern zufolge rund 700 Banken an einem Tender - zeige das hohe Interesse der Kreditwirtschaft an der Geldspritze, sagte ein Analyst.

Grundproblem bleibt

Börsianer zeigten sich skeptisch und gehen davon aus, dass die Märkte es nun für einige Zeit mit einem hohen Überschuss an Liquidität zu tun haben werden. "Wir ersaufen im Geld" , fasst es ein Händler zusammen.

"Das Grundproblem kann diese Liquiditätszufuhr nicht lösen" , warnte Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Die Hoffnung, dass Banken sich wieder mehr Geld borgen, werde nicht aufgehen. "Man traut bestimmten Adressen nicht." Auch Händler zweifeln, dass die Banken nunmehr mit der Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher großzügiger werden.

Was die Leitzinsen im Euroraum betrifft, wird die EZB bei ihrer Sitzung am 2. Juli über weitere Schritte entscheiden. Die US-Notenbank Fed wird - trotz Signale für eine Stabilisierung der US-Konjunktur - ihrem Kurs der Niedrigzinspolitik (die Zinsspanne liegt zwischen 0,0 und 0,25 Prozent) treu bleiben. Volkswirte erwarten bei der Mittwochabend anstehenden Zinssitzung keine Verschärfung der Geldpolitik. Wegen der zu erwartenden blutleeren konjunkturellen Aufwärtsbewegung erwarten Experten, dass die Fed erst Ende 2010 eine Zinswende vollziehen wird.

Gehaltserhöhung statt Bonus

Eine Reaktion auf die Finanzkrise der etwas anderen Art bietet nun die Citigroup. Weil das großzügige Bonussystem im Finanzbereich seit Ausbruch der Krise am Pranger steht, haben bereits mehrere Banken auf Boni verzichtet. Um die Mitarbeiter bei Laune zu halten, will die Citigroup als Ausgleich nun die Grundgehälter in diesem Jahr um bis zu 50 Prozent erhöhen, berichtete die New York Times. Auch Millionen von Aktienoptionen seien geplant.

Die Citigroup erklärte, die Änderungen bei den Gehältern spiegelten die Ansicht der Wall Street wider, dass Boni eine Form von zeitversetztem Gehalt seien und nicht nur Einmalzahlungen. Durch die Änderung solle die Gesamtsumme der Bezüge nicht erhöht werden. Lediglich die Balance zwischen festen und variablen Bestandteilen werde korrigiert, erklärte das Institut. Für den Erfolg der Bank sei es jedenfalls entscheidend, die größten Talente anlocken zu können.

In der Liste der stärksten Geldhäuser der Welt (gemessen an der Kapitalausstattung), die das Magazin The Banker erstellt, schafft es die Citi jedenfalls nur auf Platz drei. Das stärkste Geldhaus ist laut dem Ranking JPMorgan, gefolgt von der Bank of America. Die britische Bank HSBC landete auf dem fünften Platz und war damit unter jenen Instituten, die bislang ohne Staatshilfe ausgekommen sind, am besten platziert. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6.2009)

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