Diskussionen über Sarkozys Anti-Burka-Politik

25. Juni 2009, 11:05
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Arabische Welt über Standpunkt des französischen Präsidenten: Er wisse zu wenig, als dass er sich in diese Frage einschalten könne

Kairo - Mit seiner Erklärung, die Burka verletze die Menschenwürde ihrer Trägerinnen und sei auf französischem Staatsgebiet nicht willkommen, sorgt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Persischen Golf für Diskussionen. Zwar gibt es auch in diesen islamisch-konservativen Staaten Debatten darüber, ob Frauen ihre Gesichter hinter schwarzen Tüchern verbergen sollten oder nicht. Doch sind vor allem die Männer am Golf der Meinung, dass es dem Präsidenten des säkularen Staates Frankreich nicht zustehe, sich in diese Debatte einzumischen.

In arabischen Internet-Foren schrecken einige UserInnen auch nicht davor zurück, ihre Kritik an Sarkozys Äußerungen mit beleidigenden Kommentaren über das "unmoralische" Auftreten seiner Ehefrau Carla Bruni zu garnieren.

"Jedes Land hat eigene Gesetze"

Doch manche Kommentatoren aus Saudi-Arabien wissen, dass sie sich mit ihrer Kritik an dieser "Einschränkung der Freiheitsrechte der muslimischen Frauen in Frankreich" auf einem sehr schmalen Grat bewegen. Denn in ihrer eigenen Heimat, dem islamischen Königreich Saudi-Arabien, gelten strenge Kleidervorschriften. Nicht nur die einheimischen Musliminnen, sondern auch Ausländerinnen und Andersgläubige sind verpflichtet, ein weites bodenlanges schwarzes Gewand (Abaja) und ein schwarzes Kopftuch (Hedschab) zu tragen. Wer gegen diese Regel verstößt, riskiert Ärger mit den langbärtigen Religionspolizisten. Das Tragen des in Saudi-Arabien weit verbreiteten Gesichtsschleiers (Nikab) ist dagegen nicht vorgeschrieben.

Der Scheich des einflussreichen Islam-Institutes Al-Azhar in Kairo, Mohammed Said Tantawi, warnt seine Landsleute davor, in diese Debatte überhaupt einzusteigen. Auf die Frage eines ägyptischen Journalisten, was er denn von Sarkozys Äußerungen halte, sagte er: "Was habe ich damit zu tun?" Dies sei eine innerfranzösische Angelegenheit, in die man sich nicht einmischen solle, "weil schließlich jedes Land seine eigenen Gesetze hat". Außerdem könne eine Muslimin sehr wohl fromm sein, ohne einen Gesichtsschleier zu tragen. "Ob sie ihn anzieht oder nicht, ist ihre persönliche Entscheidung, keine religiöse Pflicht", betont der Scheich.

Versuch, MuslimInnen aus Frankreich zu vertreiben

Sarkozy wisse viel zu wenig über den Islam und die Beweggründe der Frauen, die sich für den Ganzkörperschleier entscheiden, kritisiert dagegen ein Kolumnist der bahrainische Zeitung "Al-Waqt". Ein Kommentator der überregionalen Zeitung "Al-Hayat" sieht in der Attacke auf die in Afghanistan verbreitete Burka und die arabische Abaja einen subtilen Versuch, die MuslimInnen aus Frankreich zu vertreiben. Er behauptet: "Die Franzosen versuchen, die Muslime einzukesseln, damit sie aus Frankreich weggehen, aber sie tun dies auf eine indirekte und bösartige Art und Weise." (APA/dpa)

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