Pro Zentralmatura

Imagekorrektur

24. Juni 2009, 15:53

Warum werden tausende Argumente gegen die Zentralmatura gesucht, wenn es triftigere dafür gibt? - Von Marijana Miljkovic

Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass etwas nicht abgelehnt wird, weil es etwa schwierig durchzuführen ist oder zu wenige Leute erreicht. Nein, manchmal wird etwas abgelehnt, weil es neu ist.
So zum Beispiel die Zentralmatura. Immer gibt es etwas, was vorher noch erledigt werden muss, bevor man das neue System auf Schüler und Lehrer loslassen kann: Bildungsstandards erreichen, die Finanzen zur Verfügung stellen, das Werkl zum Laufen bringen. Aber: Das sind Dinge, die man nicht nur während der Einführung machen kann, sondern gerade dann machen muss. Denn wie sonst soll man draufkommen, ob es funktioniert?

Erste Tests an Schulen, die das Projekt Zentralmatura einmal ausprobieren, haben schon zu Ergebnissen geführt. Teilweise waren sogar Lehrer, die die Maturaaufgaben im Selbstversuch lösten, von der Fülle der Fragen überfordert. Doch teilweise trat genau das ein, was auch sonst bei der normalen Matura, wo Lehrer selbst über das Prüfungsgebiet entscheiden, passiert: Es gab gute und schlechte Ergebnisse.

Ein Vorteil dieser Matura ist, dass das Bildungssystem fairer wird und die Schüler danach wirklich ein Maturazeugnis in Händen halten, das auch etwas wert ist. Denn als Reifegeprüfter gehörte man bisher entweder zu denen, die die Fragen im Vornhinein wussten oder zu jenen, die in der Vorbereitungszeit Blut und Wasser geschwitzt haben - wo, bitte, ist hier die Vergleichbarkeit?

Doch wie wäre es mit einem anderen Zugang: Für einzelne Schulen wäre die Zentralmatura auch eine Möglichkeit, aus alten Vorurteilen und Mustern auszubrechen. Denn dann zeigt sich möglicherweise auch, dass verrufene Einrichtungen und deren Schülerinnen und Schüler zu guten Ergebnissen kommen können. Und um mal ein bisschen sozialutopisch zu sein: So mancher Zuwanderer der zweiten oder dritten Generation, der auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen hatte, kann nun beweisen, dass er genauso viel draufhat, wie Jugendliche aus privilegierten Familien und Schulen.

Die Lehrer übrigens könnten sich auch eines Vorurteils entledigen - den des bösen Prüfers. Sie könnten nun als Trainer gesehen werden - das wäre auch einmal ein neues Image. (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 24. Juni 2009)

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1116er
01
Sie könnten nun als Trainer gesehen werden

uije, üblicherweise werden trainer gefeuert, wenn die mannschaft nicht so recht auf touren kommt.

Papageninho
01
25.6.2009, 19:14
Zentralisieren, kontrollieren, nivellieren, reduzieren......uniformieren

Das sind die Hauptaufgaben in einem totalitären Sozialgebilde.

Statt sich am Reichtum der Vielfalt von Kenntnissen, Anschauungen, Interessen zu erfreuen, soll nun jeder auf die geeichte Waage, deren Skala von bereits zentralisierten Apparatschiks nach jeweiliger "correctness" eingeteilt wird.

Deutsch, Mathes, Englisch, Fächer aus dem auslaufenden Zeitalter des Rationalismus. Die Obergescheiten haben ja nix Besseres gelernt.

Warum nicht Tschechisch, Mandarin oder Tupi Guarani?
Warum nicht Klarinette, Maultrommel, oder Marimba?
Warum nicht Datenbakentheorie, Thermodynamik oder 3D-CAD?

Sollen wir uns die mögliche Vielfalt (keiner muss- aber jeder kann) durch die emsigen Baumeister der geistigen Konzentrationslager wegnehmen lassen?

Toni Meister
01
25.6.2009, 18:06
Für die Zentralmatura...

.....spricht auch die Unterbindung des derzeitigen Missbrauches, dass man mit Geld und den richtigen Nachzügler-Institute mindergute / mindergeeignete Schüler mit Matura versorgt.

klausenpown
00
25.6.2009, 16:18
Das wird schlimm für die Lehrer...

...die nichts machen, sich nicht auskennen und überhaupt inkompetent sind. Derzeit - BHS Lehrer bekommt erste Klasse und macht nix. Szenario 1: Er hat die Klasse 5 Jahre lang und bringt ihnen minimal zB Englisch bei (was die Leute aber unbedingt lernen sollten). Bei der mündlichen Mature sagt er jedem Schüler das Thema, das er bekommt, dieser lernt es auswendig und bekommt je nach Aussprache Note 1-3. Szenario 2: Nach 3 Jahren gibts einen Lehrerwechsel und ein engagierter Junglehrer hat 2 Jahre massiv was zu tun um die Unzulänglichkeiten bei den Schülern auszugleichen und sie durch die Matura zu bringen.

Tja, diese Lehrer müssten sich ein bisserl anstrengen, um die Durchfallquote unter 50% zu halten.

Franz Bim
 
00
25.6.2009, 18:53
Denken wir uns das einmal durch

Die Einführung der Zentralmatura beginnt frühestens mit dem Jahrgang, der im Schuljahr 2010/2011 beginnt. Die tatsächliche Matura findet dann im Sommer 2015 statt. Selbst wenn alle Schülerinnen und Schüler durchfallen (was ich mir nicht vorstellen kann) ist das sicher kein Grund für eine Kündigung, die auch vor Österreichischen Gerichten standhält. Wenn sich das Problem aber in den darauffolgenden Jahren wiederholt, wird vielleicht im Jahr 2016 oder aber auch 2017 oder 2018 die Direktorin oder der Direktor einmal eine verpflichtende Weiterbildung anordnen. Wenn man dann im Jahr 2021 draufkommt, dass auch diese Weiterbildung nicht geholfen hat, wird man vielleicht im Jahr 2022 die Lehrerin oder den Lehrer in die Schulverwaltung versetzen.

G. Lavant
00
25.6.2009, 15:49
Wozu Matura?

Eine Matura sollte doch wohl dazu dienen, sich öffentlich zu präsentieren, zu zeigen, was in den vergangenen Jahren an Wissen erworben wurde und wie mit diesem Wissen umgegangen werden kann.
Im Grunde ist es eher ein gesellschaftliches Ereignis. Wenn man will, ein Initiationsritus des Intellekts.
Wozu also das teure Theater einer Zentralmatura?
Wenn man einen Numerus Clausus will, dann sollen die Universitäten ihre Eingangsprüfungen abhalten.
Aber die gesamte Oberstufe auf ein paar, im Kern unwesentliche Fragen, abzustellen ist, mit Verlaub, unsinnig.

Tim Eodanaos
00
25.6.2009, 16:23
Initiationsritus des Intellekts .....

rituelle Beschneidung????

Kapitalismus Luege
00
25.6.2009, 15:20
verbale Beurteilung

der Schueler kann schon lesen, ein bisschen Rechnen, kommt bei "World of Warcraft" auf Level 576 und kann sich selbstaendig ein click.a.paper.com herunterladen und mit einer gecrackten Credit-Karte bezahlen.

Drago Mlanovic
00

wenn er den letzten punkt deiner aufzählung beherrscht, ohne in schwierigkeiten zu geraten, hat er wahrscheinlich mehr drauf als du!

G. Lavant
00
25.6.2009, 14:21
<i Warum reduziert man die Oberstufe

nicht einfach auf eine Prüfung im Computer wie beim Führerschein. Kann von mir aus Matura heißen.
Es gibt 1000 standardisierte Fragen, die bekannt sind, ebenso die gewünschten Aufgaben. Schüler können vorab die Fragen trainieren und treten an, wenn sie das der Meinung sind, sie würden 79 Prozent der Aufgaben beherrschen.
Damit wäre man endlich den gesamten unnötigen Bildungsballast los und hätten eine äußerst kostengünstige Variante.
Beim Autofahren brauche ich auch keinen Goethe und nur ganz ein bisschen Schiller. /i>

Kapitalismus Luege
03
25.6.2009, 15:17
also ich brauch beim Autofahren viel Goethe

Umerziehungs Resistent
 
00
25.6.2009, 18:55
:-)) eher Bushido ?

fjfjksf
00
25.11.2009, 12:16

HANSEBANGER!!!!!!

RebelAngel
 
00
25.6.2009, 12:49
eh klar...

am einen Ende der Schullaufbahn ist es völlig egal, ob manche Schüler den Lehrer halb oder großteils (sprachlich) nicht verstehen und am anderen Ende macht man sich Gedanken darüber, daß zu lasche Prüfungen schuld sind...da hat's was!

Fleisch
13
25.6.2009, 11:10

ich bin dagegen.
es unterbindet die eigeninitiative der lehrer, weil der rahmen des lehrplanes logischerweise wesentlich enger gesetzt werden muss. und am interessantesten war der unterricht immer, wenn lehrer eigeninitiativen gesetzt haben, persönliche kontakte zu unternehmen, schriftstellern etc. genutzt haben und danach ihre schwerpunkte selbst setzten konnten. ich fürchte, dass das mit einer zentralmatura inkompatibel ist.

gspu
01
26.6.2009, 14:02
Die Kirche im Dorf lassen.

Die Zentralmatura tut doch nicht jede Exkursion, jeden Gastvortrag und jede Kreativstunde töten. Ruhig Blut!

Tim Eodanaos
10
25.6.2009, 16:31
Da ist sehr viel Raum für Eigeninitiative der Lehrer/innen.

Es geht um Kompetenzerwerb! Kompetenzen trainieren kann man mittels einer sehr breiten Palette von Inhalten und Methoden, und der pädagogischen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Allerdings kann man als Lehrer nicht mehr ein Thema "zu Tode reiten" & die Schüler/innen damit 8 Wochen bis auf's Blut fadisieren, weil man selber z. B. die Geschichte & soziale Situation der Afro-Amerikaner für rasend wichtig & interessant hält & auf diesem Gebiet ein kleiner Experte ist.
Ich vertrete die Meinung, dass Unterricht dadurch abwechslungsreicher werden kann.

PyroTFD
00
25.6.2009, 12:45
Kontra...

Es erweitert sogar dessen Möglichkeiten - klingt vielleicht auf den ersten Blick paradox, doch im Moment ist es so (ich nehme nur Deutsch als Beispiel)
Prüfer kommt zur Matura und ist Deutschlehrer vom Beruf. Themen von der Matura liegen ihm nicht, da er zB: Kafka nicht mag und nie ganz verstand. Maturanten bekommen verhältnismäßig schlechte Noten durch boshafte Fragen.
Umgekehrt kann es auch sein, dass zB: ein Mathelehrer die Prüfungen beaufsichtigt. Der hat nicht mal irgendwie eine Ahnung dazu...
Bei zentral gesteuerten Maturen kann man die Fragen vorab haben. Somit ist es fairer und einfacher für mehrere Seiten...

coldturkey
24
25.6.2009, 11:59

Das Mantra des Österreichers: "Ich bin dagegen"

coder24
02
25.6.2009, 13:25

Da fehlt noch was: "Das hamma immer scho so g'macht!" und "'zo was brauch ma des?"

:-)

klausenpown
14
25.6.2009, 10:20
Ein Maturazeugnis

ist mitunter nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt ist (ein Abschlusszeugnis letzte Klasse schon eher). Hat schon einen Grund, warum jede bessere Firma, die Maturanten anheuert selber Eignungstests macht, um zu sehen woran sie sind. Insofern ist die Zentralmatura eh nicht nötig (um jetzt etwas ironisch zu sein), weils jetzt schon keinen interessiert. Die, die studieren werden eh nach ihrem Studium und nicht nach der Matura beurteilt. Alle anderen müssen sich ohnehin wieder durch einen Eignungstest oder zumindest ein intensives Bewerbungsverfahren in einer Firma quetschen.

Daher - kontra Zentralmatura sondern Maturazeugnis auswürfeln um die Unvergleichbarkeit flächendeckend zu gewährleisten.

Corello
 
00
25.6.2009, 09:08
die Zentralmatura kann natürlich nur einen "Mindeststandard" abbilden.

Wie die Führerscheinprüfung.

Da wird auchnicht geprüft, wer der beste Autofahrer ist, sondern ob man die Mindesterfordernisse für den Strassenverkehr erfülle.

Bin ich besser schadt's aber nix.

Deshaöb kann ich das nur unterstützen.

TheNepomuk
00
25.6.2009, 00:22

Als Ex-Schüler bin ich dafür.

Aber wenn ich noch Schüler wäre, wäre ich dagegen.

Aus dem einfachen Grund weil man beim alten System wusste, dass die Lehrer einen durchbringen wollten und wenn man ein bisschen was gelernt hat ist die Matura für jeden schaffbar.

Beim neuen System wäre der Druck (der jetzt schon enorm ist) noch viel höher.

Des Weiteren muss ich immer wieder betonen, dass Einzelleistungen stark überbewertet werden.
Es mag schon sein, dass Schulnoten etwas über effizientes Arbeiten, Fleiß und Intelligenz aussagen. Aber wenn Mensch Qualitäten fehlen, die nicht geprüft werden (Teamfähigkeit, Umgangston, Eloquenz, Charakter wasweisich) merkt man das überhauptnicht und ein jeder andre Schüler ist am Arbeitsmarkt "wertvoller".

asinus
01
25.6.2009, 07:15

Diese angesprochenen Fähigkeiten werden bei der Zentralmatura aber auch nicht "geprüft" werden können.

FatFaceRicky
00
24.6.2009, 22:23

Das Ganze ist eine virtuelle Diskussion- die ÖVP wird da sicher nicht mitgehen bzw. das den Entwurf soweit verwässern, das wieder irgendeine unwirksame Schas-Regelung herauskommt. Halt wie immer.

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