Zuhause bei einer Nobelpreisträgerin

25. Juni 2009, 18:37
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Die deutsche Biologin Christiane Nüsslein-Volhard über ihr Interesse an den Naturwissenschaften und Chancengleichheit für Frauen - TV-Doku am Samstag auf arte

"Ich habe mit Fliegen angefangen ..." beginnt das Porträt der Frau, die als erste deutsche Naturwissenschafterin den Nobelpreis erhalten hat: Die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard wurde 1995 gemeinsam mit ihrem Kollegen Eric F. Wieschaus (mit dem es in der Doku ein Wiedersehen gibt) und Edward B. Lewis für ihre Forschungen über die genetische Steuerung der Embryonalentwicklung ausgezeichnet. Forschungen, die sich als übertragbar auf andere Tiere und auch den Menschen erwiesen. "Das war auch der Grund, warum wir dann den Nobelpreis gewonnen haben, denn für Fliegen interessiert sich eigentlich ja keiner", räumt Nüsslein-Volhard trocken ein, die sich im dreiviertelstündigen Porträt von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach als ebenso sympathische wie bodenständige Frau erweist.

... und nicht zuletzt als selbstbewusste: Dass sie seit langen Jahren Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen ist, kommt nicht von ungefähr - "dafür muss man öfter auch mal Recht gehabt haben". Und auch hart gearbeitet haben, denn für eine in den 40er Jahren geborene Frau war es keineswegs selbstverständlich, eine Karriere in den Naturwissenschaften anzustreben. Nüsslein-Volhard erinnert sich an ihr frühes Interesse für Biologie - und dass es keineswegs von Anfang an sicher war, dass sie eine entsprechende Laufbahn einschlagen können würde. Andere Frauen ihrer Generation mussten zu Gunsten der Familie wie selbstverständlich auf eine Karriere verzichten - sie, die kinderlos geblieben ist, wählte anders. Von "opfern" will sie dennoch nichts hören, jede(r) sei für seine/ihre Entscheidungen selbst verantwortlich.

Jainski und Kalmbach begleiten die Biologin unter anderem bei einem Besuch in deren alter Schule - damals, erinnert sich Nüsslein-Volhard durchaus dankbar, noch eine reine Mädchenschule, denn so blieb sie von "Rollenspielen", die Mädchen allzuoft von den Naturwissenschaften abschrecken, unbehelligt. - Und wir sehen sie zuhause: Singend zu Klavierbegleitung und die Bilder ihrer Großmutter präsentierend, deren Vorbild sie früh beeinflusst hat: "Die erste Frau, die was konnte, nicht nur Hausfrau war wie all die anderen".

Zu erfüllende Maßstäbe und Leistung sind eindeutig zentrale Begriffe für die Forscherin - doch Leistung erfordet auch entsprechende Startvoraussetzungen: Um Chancengleichheit zu ermöglichen, gründete die heute 66-Jährige die Christiane Nüsslein-Volhard Stiftung, um jungen Forscherinnen mit Kind zu helfen, ihre Karriere fortzusetzen, und damit Talente für die Zukunft zu erhalten. (red)

"Mein Leben - Christiane Nüsslein-Volhard": Samstag, 17.20 bis 18.05 | arte

  • Christiane Nüsslein-Volhard auf der Dachterrasse des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen.
    foto: zdf / © sabine jainski

    Christiane Nüsslein-Volhard auf der Dachterrasse des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen.

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