Unruhen in Zentralchina

24. Juni 2009, 14:25
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In der Provinz Hubei kam es nach einem mysteriösen Todesfall zu mehrtägigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei

Am Wochenende kam es in der zentralchinesischen Provinz Hubei in der Stadt Shishou zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der chinesischen Polizei. Augenzeugen schätzte die Zahl der Demonstranten auf zumindest 10.000. Andere Schätzungen belaufen sich auf höhere Zahlen.

Mysteriöser Tod eines Hotelkochs

Auslöser für die Unruhen war der Tod eines Hotelkochs. Der 24-jährige Tu Yuangao wurde am Mittwoch vergangener Woche tot vor dem Eingang des Hotels „Yonglong" gefunden. Daraufhin veröffentlichte die Polizei laut „China Daily" einen Abschiedsbrief, der beweisen sollte, dass Tu Yuangao „pessimistisch" war und „die Welt hasste".

Als Protest gegen die Selbstmordversion hatte der Vater den Leichnam seines Sohnes in die Hotellobby gebracht und mit einem Benzinkanister in der Hand Aufklärung gefordert, berichtete die „South China Morning Post". Auch die Demonstranten glaubten die offizielle Version nicht und besetzten das Hotel, um Beweise zu sichern.

Versteck für Drogensüchtige

Unter den 600.000 Bewohnern Shishous hat das Hotel, das in staatlichem Besitz steht, einen schlechten Ruf. „Das Yonglong-Hotel ist ein Versteck für Drogensüchtige", sagte ein Einheimischer, der der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua gebrauchte Spritzen im Müll als Beweis zeigte.

Quelle: YouTube

Die Version der Demonstranten über den Hergang des Todes lautet anders als die offizielle: Als Tu Yuangao die Wahrheit herausfand, wollte er kündigen und sein restliches Geld bekommen. Daraufhin wurde er vom Hotelpersonal oder örtlichen Gangstern zu Tode geprügelt und vom Balkon geworfen. Auch der Hoteldirektor soll in den Mord involviert gewesen sein. Der ist Gerüchten zu Folge der Bruder des Bürgermeisters.

Entschädigung für Angehörige

Seit Freitag besetzten die Demonstranten das Hotel. Laut Medienberichten zündeten sie Teile des Gebäudes und Polizeiautos an. Die Demonstranten warfen Steine auf Polizisten, die sich hinter ihren Schilden verstecken mussten. Erst als die Polizei Unterstützung durch gepanzerte Fahrzeuge erhielt, konnte sie die Proteste auflösen.

Am Montag wurde Yuangaos Leiche von Tu einem Bestattungsunternehmen übergeben, wo eine Autopsie durchgeführt wird. Ergebnisse werden laut „China daily" erst in 20 Tagen übergeben. Derzeit verhandelt die Familie mit den Behörden über den Zeitpunkt der Verbrennung des Leichnams. Die ‚Angehörigen wollen damit bis nach der Veröffentlichung der Ergebnisse warten, die Behörden wollen die Leiche unmittelbar nach der Autopsie verbrennen. Als Entschädigung für den Tod boten die lokalen Behörden den Hinterbliebenen 300.000 Yuan, rund 31.400 Euro.

Generelle Unzufriedenheit

Für Beobachter steckt hinter den Demonstrationen ein Zeichen für generelle Unzufriedenheit im chinesischen Hinterland, die sich bei solchen Anlässen ventiliert. Schon vergangenes Jahr gingen in der südchinesischen Provinz Guizhou nach dem Tod eines 16-jähriges Mädchen 30.000 Menschen auf die Straße, nachdem Gerüchte aufkamen, das Mädchen sei vergewaltigt und ermordet worden (derStandard.at berichtete). (red, derStandard.at, 24. 06. 2009)

 

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