Keine "Großmutter-Krankheit"

24. Juni 2009, 16:46
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Krankheit häufige Ursache für Frühpensionen und Krankenstände - Webinitiative "Rheuma-Job-Coach" soll Betroffene im Berufsleben unterstützen

Wien - Muskuloskeletale Erkrankungen wie Rheuma zählen in Österreich zur häufigsten Ursache für Berufsunfähigkeits- und Invaliditätspensionen. Außerdem sind sie für 22 Prozent aller Krankenstandstage verantwortlich. Der in Wien präsentierte "Fit for Work-Report", der von der Work Foundation in 25 Ländern durchgeführt wurde, zeigte nun, dass die Förderung von chronisch kranken Arbeitskräften nicht nur die Produktivität steigert, sondern auch deren subjektives Gefühl verbessert. 

Problem Arbeitsunfähigkeit

Muskuloskeletale Erkrankungen (Musculoskeletal disorders = MSDs) ist ein Überbegriff für über 200 Erkrankungen des Muskel- und Skelettapparates wie z.B. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Rückenschmerzen, Gelenk-, Muskel- oder Sehnenschäden. "Die Auswirkungen der muskuloskeletalen Erkrankungen sind ganz einfach enorm", sagte Anna Vavrovsky, die derzeit an der paneuropäischen Version der Studie arbeitet, die im Herbst erscheinen wird. "Die Bedeutung ist so groß, dass einige Experten von einer schlecht verstandenen Pandemie sprechen", führte sie weiter aus. Je länger die Krankheit andauere, desto größer sei die Erwerbsunfähigkeit unter den Betroffenen, nach zehn Jahren Krankheit betrage sie nach konservativen Schätzungen etwa 39 Prozent. Die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit müsse daher ein wesentliches Behandlungsziel sein. 

Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Krankheit sei enorm, berichtete Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Auch die Zahl der krankheitsbedingten Frühpensionierungen sei problematisch: "In Zukunft werden wir nicht so wie bisher mitten in den Fünfzigern unser Arbeitsleben beenden können", so Gleitsmann. Daher sei es wichtig, dass die Menschen bis ins hohe Alter gesund bleiben und danach ihre Pension fit antreten. 

Junge Menschen betroffen

Etwa ein Prozent der Österreicher ist laut Ludwig Erlacher, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologe am SMZ Süd, von muskuloskeletalen Erkrankungen betroffen. "Rheumatische Erkrankungen sind aber nicht die Krankheiten der Großmütter, wir müssen weg vom alte-Leute-Image", appellierte Erlacher. Betroffen seien oftmals junge Frauen zwischen 30 und 50 Jahren. Werde die Krankheit frühzeitig behandelt, könne man ihr durch Medikamente einen ganz anderen Verlauf geben, erläuterte der Mediziner. Einmal zerstörte Gelenke könnten aber nicht wieder geheilt werden. Neben der körperlichen Beeinträchtigung belasten viele Betroffene auch noch psychische Schwierigkeiten. 30 Prozent der Beschäftigten mit Erkrankungen wie z.B. der rheumatoiden Arthritis versuchen diese vor Kollegen und Vorgesetzten geheim zu halten, aus Angst vor einem drohenden Arbeitsplatzverlust.

Hilfe für Beschäftigte

Mit der Webinitiative "Rheuma-Job-Coach", gegründet von der Österreichischen Rheumaliga und dem Gesundheitsunternehmen Abbott, soll nun Hilfe für berufstätige Betroffene geschaffen werden. Experten aus den Bereichen Medizin, Recht, Ergo- und Physiotherapie sowie Coaching sollen dort bei den Themen Arbeitsplatzsicherung, Umgang am Arbeitsplatz, beim Bewerbungsprozess und der Berufswahl wertvolle Hilfe leisten. (APA/red)

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    grafik: public health/quellen: statistik austria. handbuch der österreichischen sozialversicherung 2008.
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