Wirtschaft gegen "Gehaltsstrip"

24. Juni 2009, 13:41
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WK-Wien-Präsidentin Jank: Statt Strafen und Gehaltstransparenz bessere Vorbereitung junger Frauen - IV: Freiwillige Maßnahmen effizienter und nachhaltiger

Wien - "Entschieden abzulehnen" sind aus Sicht von Wirtschaftskammer Wien-Präsidentin Brigitte Jank die Vorstellungen von Frauenministerin Heinisch-Hosek zur Bestrafung privater Betriebe wegen der Bezahlung ihrer Mitarbeiterinnen. "Jeder, der in der Privatwirtschaft arbeitet, kann bei einer solchen Idee nur den Kopf schütteln", so Jank. Der Vorstoß sei weltfremd und trage nichts dazu bei, dass die Karrierechancen der Frauen verbessert werden und der Frauenanteil in der Wirtschaft steigt. "Wer Symptome behandelt und nicht die Ursachen löst, wird sich nie richtig fit fühlen", meinte Jank.

Bessere Vorbereitung und stärkere Anreize für Technik

Laut Jank müsse es zum Selbstverständnis werden, dass Qualifikation keine Frage des Geschlechts ist und bei Aufstiegschancen die Qualifikation im Mittelpunkt steht. "Unsere Gesellschaft ist sicher noch nicht an dem Punkt angekommen, wo wir Frauen zufrieden sein können. Gerade in Führungspositionen sind Frauen bei weitem unterrepräsentiert", so Jank, die zugleich auf den großen Handlungsbedarf innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Frauenministerin - der öffentlichen Verwaltung - und in Aufsichtsräten staatsnaher Betriebe hinwies. Anders ist dies in der Unternehmerschaft: In Wien sind mittlerweile 35 Prozent aller Unternehmen in der Hand von Frauen, bei den Neugründungen halten Frauen bereits einen Anteil von fast 40 Prozent. "Unternehmerinnen sind im Vormarsch und können in der Selbstständigkeit ihr Können beweisen", so Jank, selbst seit Jahrzehnten Unternehmerin.

Statt Strafen und die Offenlegung von Gehältern unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fordert Jank eine bessere Vorbereitung junger Frauen und Mädchen auf das Arbeitsleben und stärkere Anreize für Frauen, technische Berufswege einzuschlagen.

IV: Freiwiligkeit effizienter

Auch die Industriellenvereinigung (IV) sieht in den vorgeschlagenen Regulierungsmaßnahmen den falschen Weg: "Wie soll bei diesem Vorschlag garantiert werden, dass nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden?", fragt sich der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung Peter Koren. Grundsätzlich seien gezielte freiwillige Maßnahmen effizienter und nachhaltiger als Regulierungen und Zwang. "Was es wirklich benötigt, statt oberflächliche Scheindiskussionen zu führen, ist eine nachhaltige und langfristige Strategie, um die ökonomische Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen. Übrigens darf darauf hingewiesen werden, dass viele Unternehmen in Österreich diese Gleichstellung längst leben."

Die IV sieht vor allem folgende Schlüsselbereiche als Chance für mehr Gleichstellung, die sie auch in den Nationalen Aktionsplan, der derzeit in Erarbeitung ist, eingebracht hat: Die Förderung von atypischer Berufswahl von Mädchen und Burschen, besserer Karriereverlauf für Frauen z.B. durch Karenzmanagement und aktive Planung der Berufsrückkehr von WiedereinsteigerInnen und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Gegen Quoten

"Ebenso wie wir Regulierungsmaßnahmen für den falschen Weg halten, um mehr Gleichstellung zu erreichen, sind wir auch gegen willkürliche Maßnahme wie Quotenregelungen für die Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten", ergänzte der IV-Vize-Generalsekretär. Bei verpflichtenden Quoten bestehe die Gefahr, dass Frauen nicht aufgrund ihrer Qualifikation, sondern aufgrund ihres Geschlechts für eine Position ausgewählt werden.  (red)

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