In 24 Ländern Europas gibt es eine schriftliche Zentralmatura

24. Juni 2009, 15:32
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Nur Liechtenstein hat ähnliches System wie Österreich - Standardisiertes schriftliches und individuelles mündliches Examen in fünf Ländern

Wien - In der überwiegenden Mehrheit der Länder Europas werden zumindest bei der schriftlichen Abschlussprüfung an höher bildenden Schulen die Aufgaben extern erstellt. Laut einer Aufstellung des Informationsnetzes zum Bildungswesen in Europa "Eurydice" (2006/07) gibt es unter 30 Ländern nur in vier keine schriftliche Zentralmatura: in Österreich, Belgien, Island und Liechtenstein. In allen anderen - mit Ausnahme von Spanien und Schweden, wo es keine Reifeprüfung, sondern nur ein Abschlusszeugnis gibt - werden die Aufgaben für die schriftliche Reifeprüfung von externen Prüfern vergeben bzw. extern benotet.

Ein System wie derzeit in Österreich - Erstellung von Prüfungsfragen und Benotung der Arbeit durch den jeweiligen Lehrer, Gegenzeichnen durch externen Prüfer - gibt es sonst nur in Liechtenstein. In Belgien und Island findet die schriftliche Abschlussarbeit völlig autonom an der jeweiligen Schule statt, weder Aufgaben, noch Kontrolle kommen von Außen. In Griechenland und Portugal legen die Schüler zwar auch eine interne schriftliche Prüfung ab, zusätzlich gibt es aber auch ein externes Examen. In einigen Ländern ist die externe Reifeprüfung allerdings nicht verpflichtend: Jene Schüler, die keine Universitätsreife erlangen wollen, können die Schule ausschließlich über eine interne Prüfungen am Jahresende abschließen.

 

Das von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ab dem Schuljahr 2013/14 geplante Modell mit zentral vorgegeben schriftlichen, aber von den Lehrern vor Ort erstellten mündlichen Aufgaben gibt es derzeit in fünf Ländern (Dänemark, Estland, Niederlande, Polen, Slowakei). In der Regel kommen in jenen Ländern, in denen das schriftliche Examen extern erstellt wird, auch die Fragen der mündlichen Prüfung von außerhalb des Standorts (Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Luxemburg, Malta, Rumänien, Slowenien, Großbritannien).

Die Matura-Note setzt sich in den meisten Fällen aus schriftlicher und mündlicher Klausurnote zusammen. Allerdings gibt es auch sechs Länder, in denen die Matura ausschließlich schriftlich - und in allen Fällen mit zentral vergebenen Fragen - abgenommen wird (Griechenland, Zypern, Litauen, Portugal, Finnland, Bulgarien).

In 19 der 30 untersuchten Länder fließt die Note des Schuljahres in jene der Reifeprüfung ein (Bulgarien, Belgien, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Luxemburg, Estland, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Niederlande, Polen, Portugal, Großbritannien, Liechtenstein, Norwegen, Griechenland, Island).

Mit dem nun geplanten Matura-Modell wäre Österreich nach Angaben von Gabriele Friedl-Lucyshyn vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) eines der ersten und wenigen Länder in Europa, das die Reifeprüfung in Richtung Kompetenzorientierung umstellt und bei der Ausarbeitung der Fragen wissenschaftliche Maßstäbe und mehrmalige Qualitätsfilter anlegt. Ähnliche Wege würden derzeit Tschechien, Kroatien, Slowenien und die Slowakei gehen. In den meisten anderen Staaten seien die Aufgaben dagegen stark wissensorientiert und würden von Lehrerteams ohne vorhergehende Erprobung ausgearbeitet. (APA)

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