Zwei Wiener Physiker erhalten "Starting Grants"

24. Juni 2009, 13:24
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Gesamte Kandidatenliste wird im Juli präsentiert - Frank Verstraete und Markus Aspelmeyer sind mit dabei

Wien - Hoch dotierte EU-Forschungsförderung in Form von "Starting Grants" wird auch in der zweiten Ausschreibungsrunde in Österreich tätigen Physikern zuteil: Frank Verstraete von der Universität Wien und Markus Aspelmeyer vom Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien haben sich nach ersten Informationen erfolgreich um die vom Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) vergebene Förderung für grundlagenorientierte Pionierforschung im Bereich Physik und Ingenieurswissenschaft beworben. Die gesamte Liste der erfolgreichen Kandidaten aus den 1.112 Antragstellern will der ERC im Juli präsentieren.

Die 2007 erstmals ausgeschriebenen "Starting Independent Researcher Grants" des ERC sind für hervorragende Nachwuchs-Wissenschafter gedacht und mit bis zu zwei Millionen Euro in bis zu fünf Jahren dotiert. Eine zweite Ausschreibung umfasste wieder - zeitlich versetzt - die drei Bereiche "Physikalische und Ingenieur-Wissenschaften", "Geistes- und Sozialwissenschaften" (insgesamt 464 Antragsteller) sowie "Life Sciences" (927) - die zwei Letzteren wurden allerdings zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht, ihre Ergebnisse kommen entsprechend später.

Die Kandidaten

Der Quantenphysiker Frank Verstraete von der Gruppe Quantenoptik, Quantennanophysik und Quanteninformation der Fakultät für Physik der Uni Wien will sich im Zuge seines Projekts laut der Uni "im weitesten Sinn" mit Quantenverschränkung ("Quantum Entanglement") beschäftigen. Dabei bleiben zwei Teilchen über theoretisch beliebige Distanzen wie mit einem unsichtbaren Faden verbunden. Manipulationen an einem der Partner wirken sich augenblicklich auf den anderen aus. Der gebürtige Belgier sei einer der ersten, die den Begriff der Quantenverschränkung zur Beschreibung von "stark korrelierten Vielteilchen-Systemen", die man in Hochtemperatur-Supraleitern findet, anwenden.

Der START-Preisträger (2008) Markus Aspelmeyer vom IQOQI am Wiener Standort zielt mit seinem Forschungsprojekt auf die Kontrolle von mechanischen Quantenzuständen ab. Dazu sollen Verfahren der Quantenoptik mit mikro- und nanomechanischen Systemen kombiniert werden. Im Detail gelingt es Aspelmeyer und seinem Team, die seltsamen Quanteneigenschaften - wie etwa die Verschränkung - auf immer größere Objekte zu übertragen.

In jüngsten Arbeiten gelang es Aspelmeyer etwa, winzige, industriell hergestellte Hebel soweit abzukühlen, dass sie für Quantenexperimente eingesetzt werden können. In der Folge sollen solche Hebel mit einer Größe von bis zu einem halben Millimeter mit Lichtteilchen (Photonen) verschränkt werden. Für die Übertragung von Quanteneffekten in die Makrowelt ist ein weltweiter Wettlauf von Physiker-Gruppen entbrannt. Etwa die Verschränkung von Photonen mit Spiegeln ist bereits geglückt.

Die IQOQI-Direktoren Rainer Blatt (Uni Innsbruck) und Anton Zeilinger (Uni Wien) hatten bereits in der ersten Ausschreibung einen der hoch dotierten "ERC Advanced Grants" erhalten, im Rahmen dessen werden anspruchsvolle und risikoreiche fünfjährige Forschungsprojekte gefördert. (APA)

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