Deutsche Regierung lässt Quelle zappeln

25. Juni 2009, 12:31
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Über eine Nothilfe für den insol­venten Versandhändler gibt es weiter Unsicherheit - ein Kredit muss noch weiter geprüft werden

München - Verwirrung um einen dringend benötigten Kredit für den Versandhändler Quelle: Die deutsche Regierung hat am Donnerstag der Darstellung Bayerns widersprochen, der Massekredit über 50 Mio. Euro sei bereits bewilligt. Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon versicherte allerdings, es könne nichts mehr schiefgehen. Quelle sei informiert worden, dass das Unternehmen ab Dienstag über das Geld verfügen könne.

Ohne den Kredit müsste das Traditionsunternehmen, das Anfang Juni zusammen mit dem Mutterkonzern Arcandor Insolvenz angemeldet hat, praktisch den Betrieb einstellen.

Es gebe noch keine Entscheidung der deutschen Regierung, weil es an den notwendigen Sicherheiten fehle, sagten Regierungskreise am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP in Berlin. Erst wenn die Sicherheiten erbracht würden, könne entschieden werden.

Dagegen erklärte Fahrenschon im Bayerischen Rundfunk, der Massekredit werde ins Werk gesetzt. Die Verhandlungen am Mittwoch hätten einen positiven Abschluss genommen, es könne nichts mehr schiefgehen. Der Insolvenzverwalter habe darlegen können, dass die Masse bei Quelle für den Kredit ausreiche. Der 25 Millionen-Anteil von Bayern und Sachsen sei bereits zugesagt, sagte Fahrenschon. Der deutsche Bund müsse seinen Anteil in gleicher Höhe noch organisieren.

In Finanzkreisen hieß es, es gebe eine prinzipielle Einigung. Es müssten allerdings noch Details der Bedingungen geklärt werden, zu denen die Banken Quelle finanzierten. Die Gespräche darüber verliefen gut.

Verägerung über Hängepartie

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil äußerte sich verärgert über die Hängepartie. "Ich kann nur sagen, ich bedauere diese Irritationen sehr, die ständig kommen: dass die positive Grundsatzentscheidung - ganz entgegen dem, was wir wissen - hier offensichtlich noch mal infrage gestellt worden ist", sagte der FDP-Politiker ebenfalls im Bayerischen Rundfunk.

Die Informationslage habe sich der bayerischen Staatsregierung am Mittwoch noch ganz klar dargestellt, versicherte Zeil. Er hatte am Mittwochabend nach einer Sitzung des Bürgschaftsausschusses des Bundes, an der auch Vertreter der bayerischen Landesregierung teilgenommen hatten, erklärt, die Gewährung des rettenden Massekredits sei beschlossene Sache.

Der Gesamtbetriebsratschef des Quelle-Konzerns, Ernst Sindel, rechnet fest mit der Gewährung des Massekredits. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Sindel: "Der wird mit Sicherheit kommen." Die Hängepartie im Berliner Bürgschaftsausschuss wollte Sindel nicht negativ interpretieren: "Ich glaube schlichtweg, dass es eher ein noch technisches Thema ist, dass in Berlin noch einige Abstimmungen stattfinden müssen."

Zugleich warnte der Quelle-Betriebsratschef davor, die Gewährung des Kredits zu verweigern: "Wenn da mehr dahinter wäre, dann würde ich sagen, jetzt wird's langsam ein Fiasko." (APA/AP)

 

 

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