Schah-Sohn träumt vom Pfauenthron

24. Juni 2009, 13:09
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Reza Pahlavi: "Wenn das Volk mich ruft, bin ich bereit"

Washington - Der Pfauenthron ist der Inbegriff kaiserlicher Prachtentfaltung, über Jahrhunderte symbolisierte das mit Gold und Edelsteinen reich verzierte Sitzmöbel den Herrschaftsanspruch der Schahs von Persien. Der Pfauenthron steht heute in einem Museum in Teheran, und der Mann, der sich als sein rechtmäßiger Erbe versteht, muss mit schlichteren Sitzgelegenheiten vorlieb nehmen. Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs und früherer Kronprinz, lebt im US-Exil.

Mit den Protesten im Iran sieht er seine Chance gekommen, er träumt von einer Rolle bei einem demokratischen Neubeginn. Quellen im Militär und Geheimdienst hätten ihm signalisiert, dass sie bereit seien, die Seiten zu wechseln, sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz in Washington.

Pahlavi bezeichnet Neda als "eine meiner Töchter"

Seinen Anspruch auf den Thron hat der Kaisersohn nie aufgegeben. Pahlavi führt einen sehr persönlichen, emotionalen Kampf gegen die Machthaber im Iran: Als er von den getöteten Demonstranten sprach, schossen ihm Tränen in die Augen. Er bezeichnete die am Rande einer Demonstration getötete Iranerin Neda Agha-Soltan als "eine seine Töchter" und hielt ihr Bild neben Fotos seiner Familie in die Kameras.

Es sei ein "Schrei nach Freiheit und Demokratie", was derzeit auf Teherans Straßen ertöne. Quellen im Militär und Geheimdienst hätten ihm signalisiert, dass sie bereit seien, die Seiten zu wechseln, sagte der Sohn des letzten Schahs am Montag in Washington. "Es ist schon fast ein revolutionäres Klima. Ich kann Ihnen versichern, die (Protestbewegung) wird nicht sterben, weil wir sie nicht sterben lassen werden."

Nur wenige Monarchisten

In dem Volkszorn sehen Pahlavi und eine kleine Gruppe monarchistischer Mitstreiter Parallelen zu jenen Massenkundgebungen, die 1979 zum Sturz seines Vaters führten. "Die fanatischen Tyrannen wissen, dass die Zukunft gegen sie gerichtet ist", sagt Pahlavi. Seine Mission sieht er darin, die Herrschaft der Mullahs durch eine parlamentarische Demokratie abzulösen.

Wäre sein Vater nicht in der Islamischen Revolution vertrieben worden, dann stünde der 48-jährtige Pahlavi wohl an der Spitze eines zweitausendjährigen Reiches. Doch die Monarchie im Iran ist gestürzt, der ehemalige Kampfpilot lebt nun in einem Vorort von Washington. Sein Vater starb im Jahr 1980, seine Mutter Farah Diba lebt in Paris, seine Schwester Leila kam 2001 durch eine Kombination aus Schlaftabletten und Kokain ums Leben.

Pahlavis Mission ist heikel. Er weiß um das schmerzhafte Vermächtnis seines Vaters. Der letzte Schah war ein von den USA alimentierter Gewaltherrscher, seine Flucht wurde im Iran weithin als Tyrannensturz gefeiert. Mit der klaren Forderung nach einer Rückkehr zur Monarchie würde der Schah-Sohn die Erinnerung an den unpopulären Vater aufleben lassen, also verlangt er lediglich, dass das Volk über eine neue Regierungsform abstimmen müsse. Sollte das Volk ihn rufen, daran lässt er keinen Zweifel, stünde er bereit. 

Warnung von "nuklearem Holocuast"

Obwohl er sich nach dem Tod seines Vaters 1980 selbst zum Schahinschah, zum "König der Könige", ausriefen ließ, führt Pahlavi seinen Kampf weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Die Unruhen im Iran verschaffen ihm endlich die gewünschte Aufmerksamkeit. Vor der Hauptstadt-Journalisten in Washington wetterte Pahlavi am Montag gegen die "Tyrannen und ihre Schergen" auf den Straßen von Teheran, er warnte vor einem "nuklearen Holocaust", sollten sich die "fanatischen Tyrannen" durchsetzen.

Pahlavi glaubt, dass die Tage der Islamischen Republik im Iran gezählt sind und viele Iraner seine Ideen für die Zukunft teilen. Wie groß seine Gefolgschaft tatsächlich ist, lässt sich kaum ermitteln. Monarchistische Parteien sind im Iran verboten, der Ruf nach einer Rückkehr der Pahlavi-Dynastie ist bei den Protesten der vergangenen Tage im Iran jedenfalls nicht vernehmbar laut geworden. Viel deutet darauf hin, dass der Pfauenthron weiter im Museum bleiben wird. (red/AFP)

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    Reza Pahlavi bei seiner Pressekonferenz in Wahington.

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