Experten loben Paket, aber Zweifel an Sparziel

24. Juni 2009, 10:53
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Gesundheitsökonom Pichlbauer zeigt sich "erstaunt, dass so viel enthalten ist" - IHS-Expertin Hofmarcher zweifelt an 2,5 Milliarden Euro Einsparung

Wien - "Verhalten optimistisch" ist der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer im Hinblick auf das von Sozialversicherung und Ärztekammer ausverhandelte Paket zur Sanierung der Krankenkassen. "Es sind doch einige Punkte enthalten, wo man nicht gedacht hätte, dass so etwas durchgesetzt werden kann", erklärte Pichlbauer im Gespräch mit der APA. Allerdings bezweifelt Pichlbauer, wie auch IHS-Gesundheitsexpertin Maria Hofmarcher, das genannte Sparziel von 2,5 Mrd. Euro.

Von dem vorgelegten Sanierungspaket "halte ich sehr viel - vorerst", so Pichlbauer. Er sei "erstaunt", dass so viele Punkte Eingang in das Papier gefunden hätten. Obwohl der Beschluss der Maßnahmen noch aussteht, zeigte sich der Experte "verhalten optimistisch", dass einiges umgesetzt wird.

"Früher nie möglich"

So enthalte das Sanierungspaket Vorschläge, die "früher nie möglich gewesen wären". Dass etwa künftig auch externe Qualitätsprüfung zugelassen werde, in dem der Hauptverband der Sozialversicherungsträger und das Bundesinstitut für Gesundheitswesen im Qualitätsinstitut der Ärztekammer, Ökumed, vertreten sein sollen, sei ein "Meilenstein". Die frühere Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) habe die Ärzte noch dazu zwingen müssen, dass ein Patientenvertreter in der Ökumed zugelassen sei, erklärte Pichlbauer.

Auch die geplante Erleichterung bei der Bildung von Gruppenpraxen begrüßt Pichlbauer: "Aus versorgungstheoretischer Sicht würde ich sagen, lieber gestern als morgen." Aber, so der Experte, "ich bin der festen Überzeugung, dass das noch nicht ausdiskutiert ist". Viele Fragen seien bei diesem Thema noch offen, etwa, ob eine Ärzte-GmbH nur Ärzten oder auch anderen Trägern gehören dürfe. "Ich bin aber hoffnungsvoller als sonst", sagte er im Hinblick auf eine mögliche Umsetzung.

Weniger optimistisch ist Pichlbauer, was das Einsparungspotenzial betrifft, das von Hauptverbandschef Hans Jörg Schelling für die Jahre 2010 bis 2013 mit 2,5 Mrd. Euro beziffert worden war. "Ich fürchte, dass auch Einsparungsmaßnahmen vorgeschlagen werden, die nicht umsetzbar sind." Großes Einsparungspotenzial etwa bei Generika oder Medikamentenkosten, wo das Sanierungspaket vor allem ansetzt, "sehe ich nicht". Man müsse allerdings die Detailergebnisse des Papiers abwarten.

Zweifel an Sparziel

Auch IHS-Gesundheitsexpertin Maria Hofmarcher sieht das Gesundheitspaket zwar als richtigen Schritt, bezweifelt aber die genannten Sparziele. "Aus den Maßnahmen, die vorgeschlagen worden sind, sehe ich nicht, dass 2,5 Mrd. eingespart werden können", sagte Hofmarcher am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal. Gelobt werden von ihr etwa die geplanten Sparmaßnahmen bei den Medikamentenkosten, wo auf kleinere Packungsgrößen und mehr Preisbewusstsein bei den Ärzten gedrängt wird.

Kein Sparpotenzial sieht Hofmarcher dagegen bei ärztlichen Gemeinschaftspraxen. Längere Öffnungszeiten würden aus ihrer Sicht eher Mehrkosten verursachen. Dringend gefordert wäre nun eine Strukturreform unter Einbeziehung der Krankenhäuser, sagt Hofmarcher. (APA)

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