Die letzten 800

27. März 2003, 13:37
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Den Altwienerhof gibt es nicht mehr. Aber ein paar Flaschen sind noch da

Es gab eine Menge Restaurants, in denen man etwas leichter speisen konnte als im "Altwienerhof" von Rudi Kellner, mit etwas weniger Gänseleber und etwas weniger dicken Saucen. Aber genau das war eben die Stärke dieses anachronistischen Elysiums, hier musste man nicht mit Carpaccio und Trüffelöl oder mit Kokosrisotto rechnen, hier wurde man mit der Schule Escoffiers konfrontiert. Mit dem Effekt, dass die Besucherzahl im "Altwienerhof" im gleichen Maße abnahm, wie sie in den szenemäßig gefeierten Restaurants anstieg. Wobei das eine mit dem anderen jetzt natürlich nicht unbedingt etwas zu tun hat, aber doch auf eine gewisse Gleichgültigkeit des Wiener Publikums hinsichtlich klassisch-französischer Küche schließen lässt.

Vor kurzem beschloss Rudi Kellner also, aus gesundheitlichen Gründen den "Altwienerhof" zu schließen. Und seinen Weinkeller zu verkaufen, der vom Wine Spectator immerhin mit dem "Grand Award" ausgezeichnet wurde. Zwei Privatpersonen hätten die Bestände erworben, 15.000 Positionen, 18.000 Flaschen, der Preis sei "zufrieden stellend" gewesen. Etwa 800 Flaschen blieben über, meist solche Exemplare, deren Identität aufgrund zerstörter Etiketten rätselhaft ist. Und diese öffnet Rudi Kellner nun im Rahmen kleiner Diners, um sie mit ihm gemeinsam zu erraten und sich die Geschichten, die er dazu zu erzählen hat, anzuhören.

Es ist eine "sentimental journey", ein Abgesang, und man isst vier Gänge von wunderbar altmodischer Grandezza im mehr oder weniger privaten Rahmen, trinkt dazu ein paar tatsächlich eigenartige Weine, und ein paar ganz großartige sind mit Sicherheit auch dabei. Rudi Kellner verabschiedet sich jedenfalls mit Stil. (DER STANDARD/rondo/Florian Holzer/21/03/2003)

Am 28. 3., 25. 4. und 30. 4. um 19 Uhr
€ 100
Herklotzg. 6
1150 Wien
Tel: 01/892 69 600
Reservierung notwendig.
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