Öl zwischen Hoffnung und Panik

21. März 2003, 11:13
1 Posting

Meldungen über brennende Ölfelder lassen Preis leicht steigen - Experten erwarten hohe Schwankungen - Bandbreite reicht von 25 bis 40 Dollar pro Barrel

London/Kuwait - Mit Befürchtungen eines längeren Krieges und Berichten über brennende Öl-Quellen in Irak ist der Öl-Preis am Freitag wieder gestiegen. In London wurden im elektronischen Handel gegen 9.00 Uhr für die Nordsee-Referenzsorte Brent für Mai-Lieferungen 25,98 Dollar (24,47 Euro) gezahlt. Dies waren 48 Cent mehr pro Fass (159 Liter) als zum Handelsschluss am Donnerstag. Experten sprachen von einem nervösen Handel.

"Die Offensive dauert unter vielen Gesichtspunkten länger als viele erwartet haben", sagte Robert Laughlin vom Handelshaus GNI in der britischen Hauptstadt. "Am Donnerstag gingen die Kurse stark zurück, weil man mit einem starken Bombardement durch die US-Truppen gerechnet hat." Da sich dies nicht erfüllt habe, zweifelten die Marktteilnehmer nun an einem schnellen Krieg.

Ölquellen in Brand

Der Leiter der kuwaitischen Umweltbehörde, Mohamed el Sarawi, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur KUNA, in Irak seien mehrere Öl-Quellen in Brand gesteckt worden. Angaben über die Zahl der betroffenen Förderstätten gab es zunächst nicht. Er führte dunklen Dunst über Kuwait-City auf die Brände zurück. Die Führung in Bagdad hatte im Vorfeld des Krieges betont, sie werde keinesfalls Öl-Quellen in Brand stecken, wie sie dies während des Golfkriegs von 1991 getan hatte. Damals wurden rund 700 Förderstätten angezündet, um den Vormarsch der Alliierten zu behindern.

OPEC sagt Überbrückung von Engpässen zu

Die Sorgen über mögliche Versorgungsengpässe aus der Golfregion versuchten verschiedenen Seiten zu beschwichtigen. Der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Abdullah el Attijah, bekräftigte nach dem Beginn des US-Angriffs die frühere Zusage, das Kartell werde jeden Versorgungsengpass überbrücken. Einen Anlass für eine Erhöhung der Ölfördermengen sehe die Opec derzeit nicht.

Auch Saudi-Arabiens Öl-Ministers Ali al-Naimi wiederholte seine Zusicherung, das Königreich sei darauf vorbereitet, den Weltmarkt bei Bedarf mit zusätzlichem Öl zu stabilisieren.

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht keinen Anlass für die Freigabe von Ölreserven. Die Ölförderländer seien auch nach dem Angriff auf Irak zuversichtlich, dass der Markt ausreichend versorgt werden könne.

Öltransport im Golf läuft bisher reibungslos

Der Öltransport im Persischen Golf wurde bisher nach Angaben von Reedern nicht durch den Krieg beeinträchtigt. "Es läuft wie immer. Wir erwarten derzeit wirklich keine Störungen für die Verschiffung", sagte Ola Lorentzon von der weltgrößten Öltankerfirma Frontline. Er habe noch keine Meldungen über Unterbrechungen bei Ladevorgängen im nördlichen Golf erhalten.

Seit dem Abzug der Inspektoren der Vereinten Nationen (UNO) zum Anfang der Woche ist die Ölförderung in Irak praktisch zum Stillstand gekommen. Irak lieferte zuvor rund vier Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Saudi-Arabien, wo die größten Ölvorkommen der Welt vermutet werden, hat eine gemeinsame Grenze mit Irak. (APA/Reuters)

Link

Opec

  • Artikelbild
    foto: der standard
Share if you care.