Pristina erwartet erwartet schnelle Freilassung Cekus

25. Juni 2009, 10:36
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Festnahme in Bulgarien wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen auf Grund eines serbischen Haftbefehls

Pristina -  Die kosovarischen Behörden erwarten, dass der am Dienstagabend in Bulgarien festgenommene frühere Premier Agim Ceku "spätestens" am heutigen Donnerstag wieder freigelassen wird. Dies erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums in Prishtina (Pristina) am Mittwochabend. Vizepremier Hajredin Kuci sagte dem TV-Sender RTK, dass die kosovarische Regierung in ständigem Kontakt mit den bulgarischen Behörden stehe. An der Freilassung Cekus seien auch internationale Akteure beteiligt, meinte Kuci, ohne weitere Details zu enthüllen.

Das serbische Justizministerium hat unterdessen von Bulgarien die Auslieferung von Ceku beantragt. Dem einstigen Befehlshaber der albanischen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) wird in Serbien die Verantwortung für den Mord an 669 Serben und 18 weiteren sonstigen nichtalbanischen Zivilisten während des Krieges in den Jahren 1998/99 angelastet.

Krasniqi hat die vor dem Gericht im südserbischen Nis erhobene Anklage gegen Ceku als eine "politische" bezeichnet.

Bis Samstag in Haft

Ceku soll nach Angaben des bulgarischen Staatsanwaltes Boris Weltschew bis Samstag in Haft bleiben. Die Festnahme Cekus, der nach Sofia zu einem Treffen mit dem einstigen bulgarischen Außenminister Solomon Passy (2001-2005) unterwegs war, erfolgte aufgrund eines von Interpol vermittelten serbischen Haftbefehls.

Das im Fall Cekus zuständige Gericht in Kustendil, unweit der Grenze zu Mazedonien, soll nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft bis Samstag entscheiden, ob Ceku freigelassen oder aber bis zur Überstellung an Serbien in Haft bleiben wird.

Wie im serbischen Justizministerium bestätigt wird, werden Ceku, dem einstigem jugoslawischen Offizier und späteren Befehlshaber der albanischen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK), Verbrechen während des Kosovo-Krieges in den Jahren 1998-99 angelastet. Konkret wird der 48-jährige einstige Premier für den Tod von 669 Serben und 18 sonstigen Nicht-Albanern verantwortlich gemacht.

Eine Sprecherin des bulgarischen Innenministeriums hatte zuvor die Festnahme Cekus mit einem in Serbien in Abwesenheit gefassten Urteil zu 20 Jahren Haft wegen Genozids begründet. Die Existenz eines solchen Urteils wurde im serbischen Justizministerium allerdings nicht bestätigt.

Der serbische Innenminister Ivica Dacic meinte unterdessen, dass das serbische Justizministerium von den bulgarischen Behörden unumgehend die Auslieferung Cekus beantragen müsste. Es sei mit politischem Druck auf Sofia zwecks Freilassung Cekus zu rechnen, meinte Dacic.

Ceku war zwischen 2006 und Anfang 2008 Regierungschef des Kosovo. Aufgrund eines serbischen Haftbefehls war Ceku schon 2003 in Slowenien und ein Jahr später in Ungarn festgenommen worden, jedes Mal aber wieder freigekommen.

Am 7. Mai wurde der Ex-Regierungschef in Kolumbien, wo er an einem Kongress teilgenommen hatte, aufgrund des von Interpol übermittelten Haftbefehls des Landes verwiesen. Bei einem Zwischenstopp einen Tag später verzichtete Frankreich darauf, dem Haftbefehl Folge zu leisten. In Pristina (Prishtina) steht Ceku, der auch kroatische Staatsbürgerschaft besitzt, an der Spitze der kürzlich gebildeten oppositionellen Sozialdemokratischen Partei. (APA)

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