Intel und Nokia: Mit ver­einten Kräften für mobiles Linux

23. Juni 2009, 20:56
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Unternehmen vereinbaren weitreichende Zusammenarbeit - Sowohl Hardware- als auch Softwareplattform voll vorangetrieben werden

Zwei der bisher schon im mobilen Linux-Bereich aktiven Unternehmen wollen künftig ihre Kräfte bündeln: In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Intel und Nokia eine weitreichende Zusammenarbeit sowohl in Hardware- als auch im Softwarefragen vereinbart.

Betonung

Bei der Verlautbarung des Abkommens hat man von Beginn an nicht mit Superlativen gegeizt, so betonte man umgehend, dass es sich bei den folgenden Verkündigungen um die wichtigsten der beiden Unternehmen in den jeweiligen Branchen für das gesamte Jahr handele. Auch wenn das vielleicht etwas hoch gegriffen sein mag, was dann folgte könnte tatsächlich nachhaltige Auswirkungen auf die Welt der mobilen Devices haben.

Software

So sieht ein Teil der Kooperation die Schaffung einer neuen, gemeinsamen Softwareplattform für mobile Endgeräte - vom Smartphone über das Netbook bis zum Notebook vor. Schon jetzt sind beide Unternehmen in diesem Bereich äußerst aktiv, Nokia mit Maemo und Qt, Intel mit dem Netbook-Linux Moblin, das in letzter mit seinen frischen Interface-Ansätzen und seinem flinken Auftreten für einiges Aufsehen gesorgt hatte.

Inhalte

Wie diese Plattform letztendlich aussehen soll, ist eine Frage, die man hingegen nur halb beantwortet. So listet man einige der zentralen Technologien, die man weiter vorantreiben will, lässt aber auch zentrale Punkte aus. Unter den aufgezählten Komponenten befinden sich unter anderem das Multimedia-Framework GStreamer, der Grafikserver X.org, die Desktop-Suche Tracker und das Audio-System PulseAudio. Auch im Linux-Desktop-Bereich bereits recht unisono eingesetzte Technologien wie BlueZ oder D-Bus dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Mozilla

Interessanter hingegen schon, dass man explizit Mozilla erwähnt, hatte doch gerade im mobilen Bereich in letzter Zeit Webkit deutlich die Oberhand bei den Web-Rendering-Engines gewonnen. Eine - relativer - Neuling ist hingegen oFono, eine Open-Source-Telefonie-Lösung die von den beiden Unternehmen gemeinsam entwickelt wird. Von Moblin will man hingegen den Netzwerkmanager ConnMan übernehmen.

Toolkit-Fragen

Vollkommen ausgespart wurden hingegen die im Linux-Bereich gern schon mal etwas über-emotional geführte Diskussion um das verwendete Toolkit. Ob man sich hier noch auf etwas Gemeinsames einigen kann - oder will - bleibt wohl noch abzuwarten, ist eine klare Entscheidung bei dem Hintergrund der beiden Firmen doch wohl nicht so einfach.

Abwägungen

Während Nokia vor einigen Monaten die KDE-Basis Qt übernommen hat, hat Intel gerade für Moblin ein vollständig neues Interface auf einer Gtk+ und Clutter-Grundlage entwickelt. Die letztgenannte 3D-Bibliothek wird nach dem Kauf es ursprünglichen Entwicklers Opened Hand sogar von Intel selbst entwickelt. Aber auch bei Nokia selbst ist die Situation nicht ganz so eindeutig, setzt doch die kommende Maemo-5-Plattform noch maßgeblich auf die Technologien aus dem GNOME-Umfeld. Eine eindeutige Entscheidung ist aber auch nicht unbedingt vonnöten, ist doch auch denkbar, dass man sich in der Zusammenarbeit auf die weiter unten im Stack liegenden Komponenten konzentriert und auf dieser Basis dann unterschiedliche Interfaces implementiert.

Hardware

Jenseits solcher Erwägungen gibt es aber auch noch konkretere Ankündigungen zu berichten: So will Intel von Nokia Lizenzen für HSPA- und UMTS-Modem-Techniken erwerben, die dann in Folge fix in die Chips des Prozessorherstellers integriert werden sollen. Mehrmals betonte man außerdem, dass man gemeinsam speziell optimierte x86-CPUs und Chipsets für den mobilen Bereich entwickeln wolle, zur Bekanntgabe von konkreten Ankündigungen, Roadmaps oder Namen ließ man sich dabei allerdings nicht hinreißen. (Andreas Proschofsky [@suka_hiroaki auf Twitter], derStandard.at, 23.06.2009)

  • Schon seit einigen Jahren betreibt Nokia für seine Internet Tablets die mobile Linux-Plattform Maemo.
    foto: nokia

    Schon seit einigen Jahren betreibt Nokia für seine Internet Tablets die mobile Linux-Plattform Maemo.

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