Brücken-Lostag für Dresden

23. Juni 2009, 19:12
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Unesco berät über Verlust des Weltkulturerbe-Status

Dresden - Semperoper, Frauenkirche und Elbtal, das sind die berühmtesten Wahrzeichen von Dresden. Seit 2004 trägt das Elbtal den Titel "Unesco-Weltkulturerbe", doch nun droht Dresden der Verlust dieser Auszeichnung - seit Dienstag wird in Sevilla darüber beraten. Grund der Aufregung ist der umstrittene Neubau der Waldschlösschenbrücke, der auf der Tagesordnung des Welterbekomitees der Unesco bei seiner Konferenz in Spanien steht. Laut Medienberichten gilt es als wahrscheinlich, dass die Stadt den Titel verlieren wird. Dresden steht bereits seit drei Jahren auf der roten Liste der gefährdeten Welterbestätten.

Fast 900 Weltkulturerbestätten gibt es derzeit weltweit. Die sächsische Landeshauptstadt wäre damit, nach einem Naturgebiet im Oman, die zweite Stätte, der diese Auszeichnung aberkannt wird.

Trotz massiver Interventionen der Unesco war Ende 2007 mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke begonnen worden. Erst vor einem Jahr forderte das Welterbekomitee einen sofortigen Baustopp der mehrspurigen Autobahnbrücke. Gleichzeitig signalisierte die Kommission, dass sie keine Bedenken gegen einen Tunnel hätte. Diese Alternative war aber vom Verwaltungsgerichtshof abgelehnt worden. Land Sachsen und Stadt Dresden hielten an der Brücke fest.

Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz wollte in Sevilla einen Aufschub der Frist bis zur Fertigstellung der Brücke erbitten. Erst dann werde sich zeigen, dass die Brücke kein Schandfleck in der Landschaft sei, meinte die CDU-Politikerin.

Auch für Österreich ist der Beschluss im Hinblick auf den Semmeringbasistunnel interessant. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe der Semmeringbahn, die seit 1998 unter Unesco-Schutz steht. Eine der bedeutendsten Auseinandersetzungen in Österreich betraf den Neubau des Bahnhofs Wien-Mitte. Damals befürchtete die Unesco eine Beeinträchtigung des Stadtbildes der Inneren Stadt. Bauherrn und Politik lenkten schließlich ein, das Projekt wurde verkleinert. (mteed, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.06.2009)

 

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