"Können Bienensterben nicht akzeptieren"

23. Juni 2009, 18:42
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Bereits 3500 heimische Imker sind heuer vom Bienensterben betroffen, sagt Josef Ulz, Präsident des Imkerbundes im Interview mit Tanja Krämer

STANDARD: Varroamilbe, Viren, Pestizide: Wie ist die Situation der Bienen in Österreich?

Ulz: Bislang sind wir mit einem blauen Auge davongekommen: In Österreich war das Bienensterben zum Glück nicht so intensiv wie etwa in den USA oder Frankreich. Die Gefahr für die Bienen ist aber auch abhängig davon, wie gut der Imker geschult ist. Der Bienenkollaps in den USA etwa wäre nicht so schlimm gewesen, wenn die Imker dort bei der Varroa-Bekämpfung weniger nachlässig gewesen wären.

STANDARD: Die Mehrzahl der Imker ist über sechzig, Nachwuchs ist knapp. Sterben die Imker aus?

Ulz: Derzeit gibt es 22.000 Imker. Etwa 80 Prozent sind Hobbyimker, die nicht mehr als zehn Bienenstöcke bewirtschaften. Weitere 17 Prozent sind Zuerwerbsimker, und nur ein kleiner Teil zählt zu den Erwerbsimkern. Aber in Zukunft werden wir uns wohl auf 16.000 Imker einpendeln.

STANDARD: Letztes Jahr starben in Deutschland zahlreiche Bienen an Vergiftungen durch Maisbeizmittel. Was sind Ihre Erfahrungen?

Ulz: Wir schätzen, dass in diesem Jahr etwa 3500 Imker betroffen sind, vor allem in der Steiermark, Niederösterreich, im Burgenland und in Oberösterreich. Wir haben darum gefordert, auch in Österreich die Verwendung der Beizmittel zu verbieten, so wie man das in Deutschland gemacht hat. Das wurde abgelehnt, mit der Begründung, es lägen zu wenig Daten vor. Deshalb ist das Forschungsprogramm für uns sehr wichtig.

STANDARD: Was wollen Sie tun, wenn sich der Zusammenhang von Bienensterben und Maisbeizmittel erhärtet?

Ulz: Wir fordern, die Verwendung der Mittel auszusetzen. Wir können nicht akzeptieren, dass uns jedes Jahr die Flugbienen wegsterben. Das bedeutet eine Schwächung des Bienenvolkes und eine Minderung des Ertrages. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.06.2009)

Zur Person
Josef Ulz, Präsident des Österreichischen Imkerbundes, leitet eine Imkerei in Pöllau bei Gleisdorf in zweiter Generation. Er bewirtschaftet rund 200 Bienenvölker und gehört damit zu den drei Prozent der Erwerbsimker.

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