Schaeffler hält an Fusion mit Conti fest

23. Juni 2009, 19:02
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Sprecher: Arbeiten weiter an der Zusammenführung beider Unternehmen

Hannover - Der Autozulieferer Schaeffler hat einen Magazinbericht über die Verschiebung der Fusion mit dem Rivalen Continental dementiert. "Schaeffler und Conti arbeiten weiter an der Zusammenführung beider Unternehmen", sagte ein Schaeffler-Sprecher am Dienstag. "Nach wie vor gibt es das Ziel, bis zum 31. Juli eine Lösung zu finden." Das "manager magazin Online" hatte zuvor unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, der fränkische Wälzlagerhersteller habe bei einem Treffen der Unternehmensspitzen am vergangenen Mittwoch vorgeschlagen, die Fusion um ein Jahr aufzuschieben. Grund sei, dass beide Konzerne dadurch mehr Zeit bekämen, sich auf die Lösung ihrer eigenen Probleme zu konzentrieren. Conti lehnte eine Stellungnahme ab.

"Da ist nichts auf Halten gesetzt", hieß es aus Branchenkreisen. Die Einschätzung, die Firmen machten ihre Hausaufgaben nicht, sei nicht zutreffend. Schaeffler werde dank seiner Kostensenkungsprogramme im ersten Halbjahr operativ schwarze Zahlen schreiben, sagte eine mit den Vorgängen bei der Firma vertraute Person. Auch Conti hat Sparmaßnahmen eingeleitet, die für erhebliche Entlastungen sorgen. "Es macht keinen Sinn, das auf die lange Bank zu schieben", hieß es auch aus Finanzkreisen. "Das ist mal wieder unnötiges Störfeuer." Weiterhin gebe es Gespräche der beiden Unternehmen und der beteiligten Banken.

Der Conti-Aufsichtsrat hatte sich erst Anfang des Monats für die Zusammenführung der beiden Unternehmen ausgesprochen und den Vorstand beauftragt, die finanzielle Tragfähigkeit eines solchen Vorhabens zu prüfen. Bis Ende Juli soll über ein Konzept entschieden werden, hatte es geheißen. "Die industrielle Logik dieser Verbindung liegt jedenfalls auf der Hand", hatte der von Schaeffler an der Spitze des Conti-Aufsichtsrats installierte Rolf Koerfer gesagt.

Schaeffler war vor fast einem Jahr bei Conti eingestiegen, um sich den deutliche größeren Konzern aus Hannover einzuverleiben. Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die daraus entstandenen Verzerrungen an den Kredit- und Aktienmärkten machten Schaeffler jedoch einen Strich durch die Rechnung und zwangen ihn zum Umdenken. Seither wird nach Alternativen gesucht. Zentraler Bestandteil der bisher bekanntgewordenen Planungen für einen Zusammenschluss war die Übertragung des gesamten operativen Geschäfts von Schaeffler - sowohl der Automobilzulieferer-Sparte als auch des Industriewälzlager-Geschäfts - auf die Continental AG. Damit hätte der übernommene hannoversche Konzern die operative Führung. Dabei dürften die Gläubigerbanken Haupteigner des gemeinsamen Konzerns werden. Schaeffler und Conti stehen mit jeweils elf Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide. Conti sollen Kreisen zufolge so viele Schulden aufgebürdet werden, wie Schaeffler wert ist. Auf Staatshilfe wollen die Firmen Kreisen zufolge verzichten. (APA/Reuters)

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