Tories attackieren Speaker

23. Juni 2009, 17:40
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Kritik aus eigenen Reihen nach Wahl John Bercows

London - Welch ein Gegenwind einem britischen Parlamentspräsidenten ins Gesicht wehen kann, hat John Bercow sofort am eigenen Leib erfahren. Nur wenige Stunden nach seiner Wahl zum neuen Speaker bliesen einige Abgeordnete zur ersten Attacke auf den Konservativen. Die Angriffe kamen aus den eigenen Reihen - von Seiten Labours gab es dagegen Applaus für die Wahl des 46-Jährigen.

Die Hinterbänklerin Nadine Dorries zum Beispiel, Tory-Abgeordnete aus Mid-Bedfordshire, vermutete in der BBC ein böses Spiel der Labour-Partei hinter der Ernennung des als Reformer geltenden Bercows. Sie sprach von einem "rachsüchtigen Akt" der Labour-Abgeordneten und erklärte, ihrer Ansicht nach hätten nicht mehr als drei konservative Parlamentarier für Bercow gestimmt.

Auch der Fraktionschef der Konservativen im Unterhaus, Alan Duncan, sagte, dass "viele Konservative der Meinung sind, dass John (Bercow) sich so positioniert hat, um Labour zu umwerben" - jetzt seien viele verärgert, dass es funktioniert habe. Aber, mahnte der Tory-Chef im House of Commons ein, trotzdem verdiene der neue Speaker Respekt. Es sei "flegelhaft" , ihn jetzt anzugreifen.

Bercow hatte sich bei der Wahl am späten Montagabend gegen neun weitere Kandidaten durchgesetzt und am Schluss auch seinen Parteikollegen George Young ausgestochen. Er ist der erste Speaker der Tories seit 17 Jahren.

Gleich nach seiner Wahl kündigte Bercow einen "Neuanfang" an und versprach einen Wandel, damit "Wut und Enttäuschung" über den Spesenskandal vergehen. Allerdings war Bercow in der Affäre um falsch abgerechnete Spesen unter Beschuss geraten, weil er zunächst keine Kapitalsteuern auf einen Hausverkauf bezahlt hatte.

Premier Gordon Brown gratulierte Bercow und sagte, die Wahl sei "ein wichtiger Schritt" auf dem "Weg der Erneuerung". (red/DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2009)

 

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