UNESCO fordert mehr Einsatz für Welterbe

23. Juni 2009, 17:42
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Komitee berät in Sevilla: Insgesamt 27 Neubewerbungen, 30 Stätten auf Roter Liste

Sevilla - Die UNESCO hat größere Anstrengungen für den Ausbau des Weltkulturerbes gefordert. Bisher seien das südliche Südafrika, die Pazifikregion und die Karibik kaum auf der Welterbeliste vertreten, sagte der Generalsekretär der UN-Kulturorganisation, Koichiro Matsuura, anlässlich der Jahrestagung des Welterbekomitees im spanischen Sevilla. Das Komitee entscheidet derzeit auf seiner neuntägigen Sitzung über die Aufnahme weiterer Stätten in die Welterbeliste. Für Österreich wird es diesmal keinen Zugewinn geben, Deutschland bangt indes um die Aberkennung des Titels für das Dresdner Elbtal.

Vor zehn Jahren seien 114 Staaten mit insgesamt 582 Kulturstätten auf der Welterbeliste vertreten gewesen, heute seien es 145 Staaten mit 878 Stätten. Dies sei schon eine große Verbesserung, sagte Matsuura. Ziel müsse es aber sein, dass jeder der mehr als 180 Mitgliedstaaten der Welterbekonvention mit mindestens einer Stätte auf der Liste des Weltkulturerbes vertreten sei. Insgesamt liegen Bewerbungen für 27 Stätten vor, darunter das deutsch-holländische Wattenmeer. Das Elbtal, eine Flusslandschaft in Dresden, könnte den Titel unterdessen aufgrund des Baus der Waldschlößchenbrücke verlieren. Insgesamt stehen 30 Stätten auf der Roten Liste, das Elbtal gilt als größter Wackelkandidat. Dresden wäre nach einem Naturerbegebiet im Oman weltweit erst die zweite Stätte, der der Titel aberkannt wird.

Acht Weltkulturerbe-Stätten in Österreich

In Österreich befinden sich acht Weltkulturerbe-Stätten, darunter Schloss Schönbrunn und sein Garten, die Semmeringbahn sowie die Altstädte von Salzburg, Graz und Wien. Seit dem Jahr 2007 bemüht sich die Stadt Graz um eine Erweiterung des bisherigen Welterbegebietes mit dem Schloss Eggenberg im Westen der Stadt. Für die "Historic City Graz-Extension" gibt es zurzeit aber eine Empfehlung des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS), das Aufnahmeverfahren vorläufig zurückzustellen, schilderte die Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission Gabriele Eschig am Dienstag auf Anfrage der APA.

Das Schloss Eggenberg hätte eigentlich schon 1999 mit dabei sein sollen, befand sich jedoch damals gerade in Restaurierung. Eine neue Einreichung bei der UNESCO nahm die Stadt 2007 gemeinsam mit dem Land vor. Im September 2008 waren ICOMOS-Mitarbeiter in Graz, um sich ein Bild zu machen und danach eine Empfehlung bezüglich Schloss Eggenberg abzugeben - die nun in einer vorläufigen Zurückstellung mündete. "Die Stadt hat nun die Möglichkeit, Verbesserungen in Angriff zu nehmen", so Eschig. Für ein weiteres steirisches Welterbe-Vorhaben, der Aufnahme der oststeirischen Riegersburg, hat der Bund schon im Vorfeld seine Unterstützung versagt.

Kritikpunkte

"Was bis Februar 2010 von österreichischer Seite eingereicht wird, ist noch nicht entschieden", so die österreichische Generalsekretärin. In Sevilla werde aber nicht nur diskutiert, wer oder was neu aufgenommen wird, sondern auch, wie die bestehenden Welterbestätten ihrer Aufgabe nachkommen. Hier seien hinsichtlich Wien mit der Frage der Türme des neuen Zentralbahnhofes, der Kulturlandschaft Neusiedlersee und der neuen Baurichtlinie für dieses Gebiet sowie für Salzburg aufgrund umstrittener Bauprojekte Kritikpunkte zu erwarten, hieß es.

Die UNESCO schreibt jährlich maximal 30 neue Stätten in die Liste des Weltkulturerbes ein. Die Initiative begann 1972 durch das UNESCO-Abkommen zum Schutz des Welterbes, das bisher von 141 Ländern unterzeichnet wurde. An die 1.000 Stätten wurden bisher schon in die Liste aufgenommen. (APA/dpa/AP)

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    Eine der acht österreichischen Weltkulturerbe-Stätten: Die Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein Salzkammergut.

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