"Alle Anderen"

Ein unentwirrbares Gebilde namens Beziehung

23. Juni 2009, 17:19
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    foto: polyfilm

    Erste kleine Blessuren: Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) wollen als Paar nicht sein wie "Alle Anderen" , der gemeinsame Urlaub ist Spielfeld und bald auch Herausforderung.

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    Bärendoppel: Maren Ade (li.) und Birgit Minichmayr.

Der zweite Spielfilm der deutschen Regisseurin Maren Ade war der Überraschungserfolg der Berlinale: Jetzt kommt das Beziehungsdrama ins Kino

Wien - Ein junges Paar auf Sommerurlaub. Chris ist Architekt, Gitti PR-Frau bei einer Plattenfirma. Die beiden albern herum, faulenzen in der Sonne, haben eine gute Zeit. Sie umkreisen einander noch ein wenig unsicher, punktuelle (Selbst-)Zweifel scheinen aber bewältigbar - bis ein alter Freund mit seiner Frau auftaucht. Dieses konkrete Gegenüber forciert eine eigentümliche Dynamik.

Bis dahin hatte das Spiel mit Identitäten etwas Leichtes: Chris gibt den Jungvater. Gitti stellt sich tot. Chris geht geschminkt unter Leute. Gitti wäre manchmal so gern "anders" für ihn. Aber bald bekommen die Verstellungen und Verkleidungen eine größere Tragweite, werden kalkulierter, paradoxerweise auch unbeholfener und schließlich existenziell, zumindest was die Frage des Zusammen-leben-Könnens betrifft.

Man kennt solche Situationen, nicht zuletzt aus dem Kino. Aber ihre große Wirkung in Alle Anderen verdanken sie der Genauigkeit, mit der Maren Ade, die Autorin und Regisseurin, all das, das Sprechen und die Umgangsformen, die labilen Befindlichkeiten und harten Konfrontationen, das Glück und das Unglück nachbildet - und dabei ein ganz feines Flirren zwischen größter Realitätsnähe und der Kenntlichkeit als Fiktion, als famoses Schauspiel beibehält.

"Ich wollte" , sagt Ade im Gespräch mit dem Standard, "diese vielen Kleinigkeiten, die Beziehungen ausmachen, zeigen und erzählen. Und die Schwierigkeiten, eine gute Beziehung zu führen, obwohl man jemanden liebt. Ich habe mir die beiden immer wie ein unentwirrbares Gebilde vorgestellt: Wenn einer an der einen Seite zieht, dann kippt der andere mit und umgekehrt. So empfinde ich Beziehungen. Den Urlaub fand ich dafür gut, weil das genau der Rahmen ist, wo man total aufeinander zurückgeworfen ist. Das kennt jeder. Ich fand es gut, so eine banale Grundsituation zu haben."

Verdichtete Gegenwart

Schon mit ihrem ersten Langspielfilm Der Wald vor lauter Bäumen (2003) gelang Ade mit einer ähnlich gewöhnlichen Ausgangslage ein ungewöhnlich dichtes Gegenwartsdrama:Ein junge Lehrerin verlor darin nach Umzug und Schulwechsel sukzessive den Boden unter den Füßen.

Alle Anderen, der seiner Regisseurin den Großen Preis der Berlinale-Jury bescherte, hat Ade ausgehend von den Figuren entwickelt. In viel Fein- und Fabulierarbeit - etwa mittels frei geschriebener Monologe, "alles, was Gitti so den ganzen Tag quatschen könnte" .

Birgit Minichmayr, die für ihre Verkörperung dieser Gitti bei der Berlinale mit dem Preis der besten Darstellerin gewürdigt und jüngst zur neuen Salzburger Buhlschaft gekürt wurde, kannte Ade aus anderen Filmen: "Abgesehen davon, dass sie toll spielt, hat sie auch selbst so eine Verwegenheit, die die Rolle braucht. Mir bringt es total viel, Schauspieler in echt zu sehen. Ich hatte sie mal auf einer Party beobachtet und fand sie schon da sehr interessant."

Ein halbes Jahr vor Drehbeginn verreisten Regisseurin und Darsteller für eine Woche, mit der damaligen Drehbuchfassung im Gepäck: "Ich habe noch einmal genau geguckt: Wie sind die beiden als Paar? Was erzählt sich leicht, was muss ich vielleicht noch hin- einschreiben? Wie verändert sich die Figur, wenn Birgit sie spielt oder Lars? Und das habe ich den beiden dann noch einmal angepasst."

Auch wenn Alle Anderen primär um das Paar und seine Beziehung kreist, so wird hier noch einiges andere miterzählt, das Bild einer Generation entworfen, die Nutznießer der materiellen Errungenschaften ihrer mittelständischen Eltern ist. Gut ausgebildete Dreißigjährige, die selbst einer nicht annähernd so gesicherten Zukunft entgegensehen. Ein konkretes Element, an dem sich das festmacht, ist der Hauptschauplatz, das Ferienhaus, das Chris' Eltern gehört:

"Wir fanden toll, dass das Haus etwas Labyrinthisches hat und ab einem gewissen Zeitpunkt auch etwas Klaustrophobisches unterstützt. Es ging auch darum, dass man ein Stück Deutschland nach Sardinien verpflanzt, dass der Hintergrund nichts Neutrales hat. Sondern eben dieses Elternhaus ist und auch eine Reibungsfläche für die beiden bietet, sie am Anfang zu Kindern macht. Das kippt dann schleichend - so, als würde das Haus etwas mit ihnen machen, bis sie die Rollen von Vater und Mutter einnehmen."

Ade, selbst Jahrgang 1976, hat in München an der Filmhochschule Produktion und Regie studiert. Janine Jackowski hat sie dort kennengelernt, mit ihr und anderen arbeitet sie seither unter dem schönen Namen "Komplizen Film" zusammen, realisiert eigene und andere Projekte. Eines der letzten war Hotel Very Welcome von Sonja Heiss, eines der nächsten wird Die Schlafkrankheit, der neue Film von Ulrich Köhler (Montag kommen die Fenster) sein:

"Wenn wir drehen, bin ich irgendwann nur noch Regisseurin und führe dann auch Kämpfe mit allem, was dazu gehört. Aber es macht mir Spaß, mich danach wieder mit Stoffen zu beschäftigen. Ich mache gerne Filme und muss das nicht immer in der selben Funktion machen. Für mich ist es eine Bereicherung, mitzubekommen, wie andere Regisseure arbeiten." (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 24. 6. 2009)

Ab Freitag im Kino

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23 Postings
esdchgfhgd
00
23.8.2009, 00:19
nach all der kritik unten muss ich eine lanze für den film brechen

zugegebenermaßen eine spur zu lang, aber keine sekunde langweilig. sehr sehr präzise analysiert und wunderbar in szene gesetzt und unglaublich gut gespielt! (von beiden hauptdarstellern)

falzo1
00
14.8.2009, 23:40

wahnsinnsöde duselei. durchschaubar. hab das nur 30 minuten ausgehalten und dann meine gutaussehnde (mir unbekannte) sitznachbarin auf ein bier eingeladen. Mitgekommen ist sie leider nicht:)
ps. minichmaier auch sehr sexy)

Julia9813
01
fast schon grotesk öde!!!!

Peter Eisendraht
00
20.7.2009, 11:15
toll gespielt, ABER:

doch eher langweilig

ich habe mich nach ca. 35 minuten gefragt warum die lebenslustige, sexy gitti ihren langweiligen, grüblerischen, schwermütigen freund (der sowas von üüüüberhaupt nicht zu ihr passt) einfach einen tritt in den hintern verpasst und nachhause fliegt
nun ja: trotzdem selten so gute schauspieler beim spielen erlebt...grossartige leistung der beiden

fräulein holle
03
grooooße wirkung

ich freue mich hier endlich mal kritische stimmen zu dem film zu lesen, denn bis jetzt bin ich auf nichts als lobeshymnen gestoßen.
meine meinung: ein völlig uninteressantes, banales beziehungsgeplänkel. der schlussstrich unter die beziehung in den ersten 3 minuten hätte mir und so manchem enttäuschten seher 2 öde stunden erspart. von anfang an war klar, dass die beiden überhaupt nicht zusammenpassen, vom ganzen wesen her völlig verschieden sind. leider ist der versuch einen vertrauten umgang der beiden zu spielen total misslungen. ich weiß wirklich nicht was daran so unheimlich intelligent sein soll. große wirkung? große gefühle? realitätsnähe? die reale wirkung auf meine gefühle lässt sich in einem wort zusammenfassen: langeweile

gelegentlich heiter
03
Unglaublich langweilig und platt.

Ein Film für Frauen, die in einer Beziehungskrise stecken und ihren Partner auch immer wieder und immer wieder fragen wollen, was er grad denkt, warum er grad so dreinschaut, was er mit diesem und jenem eigentlich gemeint hat...seufz.
Habe mir eine Art Thriller erwartet, oder zumindest ein intelligentes Beziehungsdrama. Gesehen hab ich leider zwei Stunden ödestes Gequatsche, offenbar ohne Drehbuch improvisiert, echt schad um die Zeit. Da steht also der deutsche Film jetzt: Filmakademie, 1. Semester.
Immerhin war die Szene mit dem Ingwerpenis lustig.

king camilla
23
eine (leider) sehr präzise Studie

der Männer unserer Generation:
Ständig so sehr mit dem eigenen Kampf gegen das Schwächeln befasst, dass nach ewigem um's eigene Ego kreisen für die Beziehung eh nicht viel übrig bleibt außer dem Wunsch nach Anerkennung und Zujubeln, in dem dann auch so manche Frau über lange Zeit ihre Erfüllung zu finden sucht bis ihr die Luft zum Atmen zu dünn wird...
"Alle Anderen" ist so sehr am Punkt, dass es oft weh tut (daher heulen hier auch manche auf, das Spieglein an der Wand sollte eben lieber doch freundlichere Bilder liefern).
Tragischer ist nur noch die Wirklichkeit. Welch ein Glück, dass der Film dabei auch noch sehr witzig ist.

falzo1
00
14.8.2009, 23:42

gähhn....

dieDenker.org/oberdenker
03
Unheimlich langweilig

Die Filmbeschreibung, die ich zum Film gelesen hatte, klang für mich ganz interessant. Da stand etwas von einem Paar, das während seines Urlaubs durch die Begegnung mit einem anderen Paar in eine Beziehungskrise schlittert. Außerdem hatte der Film auf der Berlinale mehrere Preise gewonnen.

Vielleicht lag es an der sommerlichen Hitze im Kino, doch meine Begleiter und ich fanden unsere Erwartungen schließlich nicht erfüllt. ACHTUNG! HIER JENE NICHT MEHR WEITERLESEN, DIE VOR DEM FILM NOCH NICHT ZUVIEL WISSEN MÖCHTEN:

http://www.diedenker.org/inhalte/v... .php?t=355

Nepal
03
30.6.2009, 13:33
gut?!!?

also, ich verstehe die guten kritiken nicht wirklich, okay, dass minichmayr wirklich gut schauspielen kann, wissen wir. aber: der film ist extrem langatmig und ich war sehr enttäuscht, weil ich mir aufgrund der kritiken und preise mehr erwartet habe. langweilig, langatmig, manchmal zum aus dem kino rennen

oxy
25
26.6.2009, 20:02
urfad und langatmig...

uninteressante geschichte über uninteressante leute.

Léonor de Guzman
10
29.6.2009, 11:37
wahrscheinlich.....

gehören Sie zu den Anderen?

oxy
16
29.6.2009, 16:04
möglich,

ich wundere mich nur immer wieder, wenn nach jedem zweiten - zugegeben nett gespielten - fernsehfilmchen aus unserem nachbarland so getan wird als müsste die weltgeschichte des kinos neu geschrieben werden. das euphorische kritikerlob finde ich einfach überzogen, that´s it.

Peter Eisendraht
00
29.6.2009, 11:02
vielleicht der falsche film

falsches genre?

wär "alarm im darm II" gscheiter?


ich will mir den anschauen. also den anderen

oxy
01
29.6.2009, 16:02
"alarm im darm"?

meinen sie etwas von almodovar? der steht ja auf solche sachen ;-))

Chris_SM
00
29.6.2009, 18:20

Also in Almodovars "Sprich mit ihr" zieht der "geschrumpfte Mann" in die Vagina seiner Geliebten(geht sich größenmäßig locker aus).

P.S.
Man muss nicht schwul sein, um Analverkehr etwas positives abzugewinnen.

oxy
00
29.6.2009, 19:58
p.s...

man muss auch kein kenianer sein um gut marathon zu laufen, aber hilfreich ist es schon, nicht?

Kleines Sumpfhuhn
44
27.6.2009, 22:06

Geh, hab ihn eben gesehen und bin begeistert! Schauspielerisch erstklassig, dichte Atmosphäre, man fiebert mit den beiden förmlich mit (und fragt sich so nebenbei, was man selbst besser machen würde^^).

War Ihnen zu wenig Tschinbumm dabei? ; )

oxy
16
28.6.2009, 00:06
nicht zuwenig tschinbumm,

nur einfach ein völlig uninteressantes thema. überdrehte bobos sieht man eh an jeder ecke. dazu braucht man keine 9 euros fürs kinoplatzerl investieren ;-))

ich selbst
 
10
der film ist interessant für jene

die sich selbst für bobos (das überdreht ist unnotwendig) halten - zähle mich auch dazu und finde das übrigens nicht schlimm.
wenn man sich das also selbst eingesteht, erkennt man sich in vielem ziemlich gut wieder - vielleicht sollten sies mal so versuchen... dann kann dieser film recht nützlich sein ;)

falzo1
00
15.8.2009, 00:36

ist voll ok, dass du dich dazu bekennst. lol. nobody is perfect

survival of the fattest
00
27.6.2009, 11:47

Ned madig machen! Ich seh ihn heute abend- mit Freundin. ; )

Feist
01
26.6.2009, 20:51

Vielleicht das falsche Genre für Sie?

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