Transparenz bei Gehältern nur "erster Schritt"

23. Juni 2009, 16:42
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Präsident Tumpel für Quoten bei Besetzung von Vorständen - ÖBG unterstützt Frauenministerin - BZÖ gegen Sanktionen für Betriebe - Grüne Wien für Offenlegung auch im Magistrat

Wien - Für die Arbeiterkammer (AK) ist die geplante Transparenz bei Gehältern von Männern und Frauen ein "erster wichtiger Schritt" bei der Beseitigung von Lohnunterschieden. "Die Zeit der schönen Worte ist vorbei. Jetzt muss gehandelt werden. Frauen haben ein Recht auf gleiche Bezahlung und das muss auch durchsetzbar sein", meinte AK-Präsident Herbert Tumpel am Dienstag in einer Aussendung. "Wenn die Einkommen nicht offengelegt werden müssen, können Benachteiligungen nicht erkannt und eine Diskriminierung kaum bewiesen werden. Den Arbeitnehmerinnen wird es damit schwer gemacht, zu dem zu kommen, was ihnen rechtmäßig zusteht: ein fairer Lohn", so Tumpel.

Quote in Vorständen, aber keine Strafen

Die Gehälter transparent zu machen, ist für die AK aber nicht genug. Gefordert werden unter anderem Quoten bei der Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten. Auch solle es das Recht auf Elternteilzeit in allen Unternehmen, eine volle Anrechnung der Karenzzeit für die Pension und gleiche Chancen bei Aufstieg und Weiterbildung für Teilzeitbeschäftigte geben, hieß es in der Aussendung. Von eventuellen Strafen war nicht die Rede.

Auch der ÖGB unterstützt die Vorschläge von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauen-Gehältern seien "inakzeptabel", erklärte ÖGB-Präsident Erich Foglar am Dienstag in einer Aussendung. Das Grundsatzprogramm des ÖGB, das nächste Woche beim Bundeskongress beschlossen werden soll, enthalte ebenfalls Vorschläge hierzu. Die Offenlegung der Einkommen sei ein gutes Instrument, um Unterschiede deutlich zu machen, so Foglar. Es gehe dabei auch nicht um die Offenlegung der persönlichen Einkommen, sondern um das anonymisierte Aufzeigen von Lohn- und Gehaltsunterschieden. Die Privatsphäre von Beschäftigten würde durch die anonymisierte Offenlegung nicht angetastet, betonte der ÖGB-Präsident.

Neben der Transparenz fordert der ÖGB unter anderem systematische Arbeitsbewertungen, um Arbeitsplätze vergleichbar zu machen. Auch sollten die Lohn-/Gehaltsrechner laufend aktualisiert werden, um Auskunft über die branchenübliche Entlohnung zu geben. 

Haltung von BZÖ und Grünen

BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk sprach sich erneut gegen Strafen für Unternehmen mit Gehaltsunterschieden aus. Die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner hingegen meinte, die ÖVP, die sich auch gegen derartige Strafen ausgesprochen hatte, "schützt Unternehmen, die sich nicht an Gesetze halten". 

Vana für Offenlegung im Magistrat

Monika Vana, Stadträtin und Frauensprecherin der Grünen Wien, forderte indes die Offenlegung und Transparenz der Entgelte im Wiener Magistrat und kündigte einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat an. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang das Wiener Gehalts- und Zulagensystem, das "extrem undurchsichtig" sei. Auch müsse die strukturelle Ungleichbehandlung in der Bezahlung von traditionell weiblich dominierten Arbeiten wie Pflege und Kinderbetreuung und traditionell männlichen Bereichen aufgebrochen werden, so Vana. Sie forderte die massive Anhebung der unteren Einkommen im Wiener Magistrat. (APA/red)

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