Verlassene Siedlungen werden zum Garten Eden

28. Juni 2009, 16:20
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35-jährige Abwesenheit von Menschen verhalf der Natur wieder zu ihrem Recht

London - Verlassen Menschen ihre Behausungen, dann bedeutet das noch lange nicht das Ende jeglichen Lebens; ganz im Gegenteil: Wie sich am Beispiel eines zypriotischen Dorfes zeigt, das vor 35 Jahren von den Einwohnern innerhalb eines Tages verlassen werden musste, entwickeln sich solche öden Gefilde schnell zu einem Garten Eden für Tiere und Pflanzen, wie das BBC berichtet.

Als die türkischen Truppen 1974 auf der Insel Zypern landeten, mussten die Bewohner des Dorfes Variseia, die griechischer Abstammung waren, innerhalb eines Tages ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen und gehen. Das Dorf lag in der Barrierenzone zwischen dem griechischen und türkischen Teil. Variseia, das im bergigen Norden der Insel liegt, wurde damit zum Niemandsland.

"Diese Region wurde ursprünglich grüne Zone genannt, weil Soldaten die Grenze auf der Karte mit grünen Stiften gezogen haben. Wir wollen aber zeigen, dass das tatsächlich eine grüne Zone ist, weil es zu einem grünen Korridor geworden ist", meint Nicolas Jarraud, Umweltbeamter der lokalen UN-Entwicklungsprogramms. Wo einst Menschen lebten, hausen heute Tauben, Füchse und Ratten. Aber auch seltenere Arten wie etwa 300 Mufflons sind in der Pufferzone heimisch, die im Norden wie auch im Süden von schwer bewaffneten Soldaten bewacht wird.

Von Menschen praktisch unangetastet

"Die Mufflons mit ihren beeindruckenden Hörnern haben von dieser Pufferzone profitiert, weil sie hier nicht gejagt werden und zudem einen Lebensraum gefunden haben, der ihnen in anderen Teilen der Insel einfach fehlt", so Jarraud. Für herkömmliche Besucher ist das Niemandsland nicht erreichbar. Zum Betreten der Zone ist eine UN-Eskorte erforderlich, die durch die militärischen Checkpoints und durch die verminten verschlungen Staubstraßen führt. Genau dieser Umstand macht das Gebiet zu einem Dorado für Tiere, wie auch die Wissenschaftlerin und Ornithologin Iris Charalambidou betont, die die Region mehrmals besucht hat.

"Da es keine einfachen Möglichkeiten gibt, hierher zu kommen und seit Jahrzehnten keine menschliche Eingriffe erfolgten, konnte sich die Natur ausbreiten." Es gebe keine Habitat-Fragmentierung, die in bediedelten Regionen Lebensräume für Tiere und Pflanzen immer kleiner macht. Solche Fragmentierungen sind auch in den Regenwäldern wie etwa in Amazonien der Grund für die massive Abnahme der Artenvielfalt. (red/pte)

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    Als die türkischen Truppen 1974 auf Zypern landeten, mussten die Bewohner ihr Dorf Variseia fluchtartig verlassen.

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    Heute hat die Natur das Areal wieder völlig in Besitz genommen.

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