Geschmacks-"Dialekte" der britischen Inseln kartiert

28. Juni 2009, 13:08

Geburtsregion hat offenbar Einfluss auf Ausprägung des Geschmackssinns

Nottingham - Nicht nur Sprache und Dialekt, sondern auch der Geschmack wird von der geographischen Umgebung, in der man aufwächst, geprägt. Das behaupten zumindest Forscher der Universität Nottingham. Sie erfassten die verschiedenen Geschmacksvorlieben der Briten, wozu sie den objektiven Geschmack einer Nahrung mit der Art verglichen, wie sie in verschiedenen Regionen der Insel wahrgenommen wird.

Als Grundlage dafür dienten neben Interviews auch chemische Analysen, physikalische, psychologische und sensorische Tests sowie Gehirnuntersuchungen. Das Ergebnis ist die erste Geschmackslandkarte der britischen Insel.

Cheddar Cheese und Cream Tea

Das beliebteste Essen der Insel stammt demnach aus dem Südwesten. Jeder dritte Brite steht auf traditionellen Cheddar Cheese und Cream Tea, worunter man ein Süßgebäck mit Tee, Rahm und Erdbeerkonfitüre versteht, das ursprünglich aus der südwestenglischen Grafschaft Devon stammt. Kaffee ist bei den Briten das beliebteste Jugendgetränk.

Schotten bevorzugen statt Folklore Yorkshire Pudding und italienisches Eis, während die rasche Sättigung bei Bewohner aus dem Nordosten im Vordergrund steht. "Das könnte geschichtlich bedingt sein durch die Hungerzeiten der Industrie-Schwerarbeiter", mutmaßen die Studienautoren Andy Taylor und Greg Tucker.

Kulinarischer Schmelztiegel

Im Zentrum des Landes, den sogenannte Midlands rund um Birmingham, führt süßes und asiatisches Essen die Liste der Lieblingsspeisen an. Die Veranlagung dazu habe laut den Forschern schon lange vor dem hohen Zuzug von Asiaten in dieser Region bestanden. Der südliche Teil der Insel ist hingegen ein Schmelztiegel von Menschen aller Regionen Englands und der ganzen Welt. Hier fand man kaum einheitliche Geschmacksvorlieben, da die regionstypischen Speisen, Aalsülze und Austern, immer seltener gegessen werden. Am wenigsten Schmeichelhaftes kann die Hauptstadt London berichten: Jeder vierte Brite hat hier sein "bisher schlechtestes Geschmackserlebnis" verzeichnet.

"Zwar beeinflussen die Gene den Geschmack, doch auch Erziehung und die Erfahrung hat eine wichtige Rolle in dessen Ausprägung", erklärt Taylor. Ähnlich den gesprochenen Dialekten, die Akzent auf verschiedenen Silben und Vokalen ausbilden, hätten Menschen verschiedener Regionen auch Geschmacksdialekte entwickelt und würden bevorzugt die Nahrung wählen, die diese befriedigt. Diese Vorlieben könne man auf jeweils anderen Regionen der Zunge verorten. "Beispielsweise bevorzugen die Schotten ergiebige, cremige Geschmäcker, die auf den hinteren Teilen der Zunge erfasst werden, während Menschen aus dem Nordosten von der Zungenspitze aufgenommene Geschmäcker lieben", schreiben die Forscher. (red/pte)


Link
+ The UK's ‘taste dialects' defined for the first time - University of Nottingham


 

Kommentar posten
17 Postings
Ava Tar
01
29.6.2009, 10:26

Cracker! Gromit, sie haben vergessen nach Crackern zu fragen.

saifalislam
00
28.6.2009, 23:08
Meine Frage:

Im deutschen Sprachraum gibt's doch auch diese eigenartige Grenze: Noerdlich werden Pommes mit Mayo und Popcorn mit Zucker gegessen und suedlich Pommes mit Ketchup und Popocorn mit Salz. Gibt's dazu irgendwelche Forschungsergebnisse ?

Julius Pokorny
01
29.6.2009, 14:55
Kulinarische Differenzen

Die Mayonnaise zu den Pommes Frites ist vermutlich vom benachbarten Belgien übernommen, während weiter im Süden Pommes Frites eher mit amerikanischem als mit nordwesteuropäischem Essen konnotiert sind und daher eher die amerikanische Variante mit Ketchup verbreitet ist.
Generell lässt sich übrigens feststellen, dass im niederdeutschen Raum sehr oft in Situationen zum Zucker gegriffen wird, wo es in Süddeutschland oder bei uns nicht denkbar wäre: Zucker und ein Schuss Essig kommen z.B. in viele Fleischeintöpfe. Vermutlich hängt Norddeutschland einfach gemeinsam mit Großbritannien und Skandinavien an einem kulinarischen Nordsee-Kontinuum, wo die Geschmacksrichtung süß-sauer und eine starke Abneigung gegen Knoblauch prägend sind.

Mucosaprolaps
00
29.6.2009, 12:23

Du könntest ja "Isoglossen" ziehen und schauen, ob sich ein Zuckerpopcornäquator mit dem Weißwurschtäquator vergleichen lässt ...

Im Ruhrpott hatten die meiste Kinos beides (mehrheitlich Salt glaub ich); Pommes sind dort "rotweiß" a.k.a. Pommes Schranke.

h 90
01
29.6.2009, 11:15

Ein Kollege ist aus Bremen.
Der isst: Wiener Schnitzel mit Kartoffelbrei (Pueree) und hat da immer Bratensaft den er ueber das ganze drueberleert (also ueber die Panier).

Mucosaprolaps
00
29.6.2009, 16:31

Klassisch im Ruhrpott auch "Jägerschnitzel" (Wienerschnitzel mit Champignonsauce aus dem 20-Liter-Eimer)

Jürgen Rembremerding
00
30.6.2009, 16:34
Bei mir ist das Jägerschnitzel nicht paniert!

Und ich mach es mir immer mit selbst gesuchten Schwammerln!

Ich find das fein!

h 90
01
29.6.2009, 17:42

Das ist ein Verbrechen und gehoert gnadenlos bestraft. Mindestens mit zwei Portionen Mayo-Ketchup (das hab ich als import von Deutschland in einem Supermarkt fuer Auslaender in Bangkok entdeckt, weiss nicht ob das sehr ueblich ist in Deutschland)

Raubkopierer
20
28.6.2009, 22:42

"Geburtsregion hat offenbar Einfluss auf Ausprägung des Geschmackssinns"

erklärt wie jemand häggis essen kann. *würg*

ChesneyB
00
30.6.2009, 19:35

Haben Sie es denn schon mal probiert?

Mucosaprolaps
00
29.6.2009, 12:24

Auch nicht viel was anderes als Leberkäs oder Extrawurst

ChesneyB
00
30.6.2009, 19:34

Geschmacklich aber eher bei der Blutwurst. Mir schmeckt's.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
01
28.6.2009, 16:27

Und wo gibt's gekochtes Wildschwein in Pfefferminzsauce ?

Der 7. Zwerg von links
00
29.6.2009, 11:37

das arme Wildschwein (schluchtz)

Quintus Beckloeffel
12
28.6.2009, 22:16

Ich weiß nicht, was ihr immer gegen die Pfefferminzsauce habt. Zu Lamm: immer gerne. Das Wildschwein dann doch lieber toskanisch in Schokosauce.

Christoph Neuner
12
28.6.2009, 14:42

wenn schon, dann bitte erdbeer*marmelade*

a grünes stricherl
 
01
28.6.2009, 13:54
Cheddar .. jamm!

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