Masken-Ausstellung im Völkerkundemuseum

23. Juni 2009, 14:59
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Streifzug durch die Kulturen zwischen Theaterspektakel und Totenkult

Wien - Mussolinis marmornes Angesicht und der dunkle Kopf Darth Vaders, Picassos "Eule" und ozeanischer Todeskult: Zu einem Streifzug durch Kulturen und Zeiten, durch Tiere und Gaukler, Tod und Mythos lädt die Ausstellung "Wir sind Maske" ein, die ab Mittwoch bis zum 28. September im Völkerkundemuseum zu sehen ist. In einer Mischung von kunst- und kulturhistorischer Sichtweise wird vor allem deutlich: Das "andere Gesicht", ob als Schutz, Schrecken oder Scherz, ist so alt und so vielseitig wie die Menschen selbst.

Als "ungewöhnlich, assoziativ, fantasievoll", pries die Direktorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), Sabine Haag am Dienstag bei einem Pressegespräch die Ausstellung, die neben prominenten Leihgaben aus den Beständen aller drei im Verband des KHM befindlichen Häuser gespeist wurde. Die Kunstgeschichte, die sich etwa in Renaissance und Barock mit dem Phänomen der Maske - vor allem in ihrer Symbolik als Unwahrheit und Betrug - beschäftigte, die Völkerkunde, die auf reiche Schätze und Kultobjekte aus aller Welt verweisen kann und das Theater, zu dessen ältesten und mächtigsten Requisiten die Maske gehört, liegen hier nahe zusammen.

Erste Masken

"Dem Tod verdanken wir die ersten Masken", erklärte Kuratorin Sylvia Ferino. Aber auch jüngere Exemplare - etwa die Totenmasken von Egon Schiele oder Gustav Mahler, sowie Arnulf Rainers "Totenmaske Josef Kainz" - sind zum Thema versammelt und umspannen bereits im ersten Saal zum Erinnerungskult zwischen Stammesriten und noch zu Lebzeiten angefertigten Abbildern einen Zeitraum von 9.000 Jahren. Die Maske als Schutzutensil zwischen Feuerwehr- und Fechthelmen, Ritterausrüstungen und kugelsicherer Gesichtshülle wird hier in Gemälden und Skulpturen zurückgeführt auf den Mythos um den Kopf der Medusa.

Höfische Feste, der venezianische Karneval, das Feiern von Jahreszeiten und Lebensereignissen in Ozeanien, Südostasien und West-Amerika führen entlang von bunten Tiergesichtern, Bühnenkostümen und erschreckend-komischen Fratzen in die Malerei der frühen Neuzeit, als die Maske von der christlichen Welt jenen negativen, verlogenen Beigeschmack verpasst bekam, der ihr auch in den Begrifflichkeiten unserer Sprache bis heute anhaftet. Picasso aber liebte sie, schuf zahlreiche Werke, die sie thematisieren. Mit seinem Selbstporträt als "Große Schnee-Eule", die Picassos Augen trägt, wird der Weg der Maske ins Heute fortgesetzt, das jüngste Exponat ist das von Daniel Spoerri eigens für die Ausstellung angefertigte "Maskenjoch".

Es ist eine Ausstellung, in der die Einheit von Theater- und Völkerkunde sowie Kunsthistorik nicht nur als Sammlungen, sondern auch als wissenschaftliche Disziplinen Sinn macht. "Der administrative Zusammenschluss der drei Häuser lieferte die grundlegende Voraussetzung dafür", betonte Haag, die auch die Erhöhung der KHM-Mittel um 1,7 Millionen als "Wertschätzung für den Forschungsstandort" der drei Museen betrachtet.

Zusammenschluss

Ob der geplante Zusammenschluss von Völker- und Volkskundemuseum in einem neuen Museum aber künftig überhaupt weiter im Verbund mit dem KHM bestehen wird, sei derzeit noch in Diskussion, so Haag im Gespräch. "Es gibt jetzt ein inhaltliches Konzept, was die strukturelle Seite betrifft wird in alle Richtungen gedacht." Letztlich handle es sich natürlich auch um eine Kostenfrage, "ein unabhängiges Museum würde um einiges teurer kommen". (APA)

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+ KHM: Wir sind Maske

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