Bankenverband wünscht sich einheitliche Einlagensicherung

23. Juni 2009, 14:36
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Koren: Vorschlag trifft auf wenig Gegenliebe in anderen Sektoren - Sektorinstitute mit 2,2 Mrd. Euro Wertberichtigungen - Ab Juli neuer Kollektivvertrag in Kraft

Wien - Der Verband österreichischer Banken und Bankiers, er vertritt 64 in Österreich tätige Aktienbanken und alle anderen Finanzinstitute, die keinem der anderen vier Sektoren angehören, spricht sich erneut für einen einzigen Einlagensicherungskreis für alle in Österreich tätigen Kreditinstitute aus. Da dies Idee bei den anderen Sektoren - Sparkassen, Raiffeisen, Volksbanken und Hypos - aber auf "begrenzte Gegenliebe" stößt, hofft Verbandspräsident Stephan Koren auf eine EU-weite Regelung, wie er am Dienstag bei einem Pressegespräch anlässlich der Generalversammlung des Bankenverbandes in Wien sagte.

Auch in den Jahresabschlüssen der im Bankenverband zusammengefassten Institute hat die Finanzkrise deutliche Spuren hinterlassen. "2008 war ein Jahr, über das man nicht euphorisch berichten kann", so Koren. Eine Vorschau auf die Geschäftsentwicklung der Banken im Gesamtjahr sei derzeit auf Grund der sehr volatilen Märkte sehr schwierig. Bezüglich einer Erholung der Konjunktur schon im zweiten Halbjahr ist Koren aber sehr skeptisch: "Ein massives Durchstarten wird es nicht geben".

Die Sektorinstitute mussten zusammen 2,2 Mrd. Euro wertberichtigen, 1,3 Mrd. Euro davon entfielen auf Kreditrisiken und 0,9 Mrd. Euro auf Wertpapiere und Beteiligungen. Über alle heimischen Kreditsektoren hinweg - also inklusive Sparkassen, Raiffeisen-, Volksbanken sowie Hypos - beliefen sich die Wertberichtigungen auf 6,7 Mrd. Euro, davon entfielen 4,1 Mrd. Euro auf Kreditrisiken.

Herausforderungen "managebar"

Die Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung zur Bekämpfung der Krise hätten sich gut in die globalen Aktionen eingefügt und seien immer breit angelegt und vernünftig gewesen. "Noch ist aber nicht alles geschafft, noch liegt ein hartes Stück Arbeit vor den Banken, um das Vertrauen wieder zurückzugewinnen", warnt Koren. Die großen Herausforderungen in Osteuropa seien aber "managebar".

In den Banken gebe es Verständnis für "bessere, schärfere und adäquatere" Regulierungen, so Koren. Bei der geplanten europäischen Finanzmarktaufsicht sei wichtig, dass zwischen den Ländern "Waffengleichheit" herrsche. Beim Bankgeheimnis sei ein "vernünftiger Kompromiss" gelungen, um einerseits nicht auf die Schwarze Liste der OECD zu gelangen und andererseits die lange österreichische Tradition für ein gewisses Maß an Diskretion bei Bankgeschäften beizubehalten.

Der Bankensektor konnte im Geschäftsjahr 2008 die kumulierte Bilanzsumme um 19 Prozent auf 418,2 Mrd. Euro steigern. Das entspricht einem Anteil von 39,1 Prozent an der Bilanzsumme aller in Österreich aktiven Finanzinstitute in Höhe von 1.069 Mrd. Euro. Größtes ordentliches Mitglied im Bankenverband ist die UniCredit Austria mit einer Bilanzsumme von 147,8 Mrd. Euro.

Die Zahl der Ganztagsbeschäftigten in den Mitgliedsinstituten ging leicht um 442 oder 2,6 Prozent auf 16.385 zurück. Ab 1. Juli tritt ein neuer Kollektivvertrag in Kraft, der statt 30 nur mehr 9 Gehaltsstufen vorsieht und bei höheren Einstiegsgehältern eine Verflachung der Einkommenskurve aber keine Einbußen beim Lebensgehalt bringen soll.

Die Kreditnachfrage des Bankensektors stieg um 10,2 Prozent auf 162,3 Mrd. Euro, im Einlagengeschäft gab es einen Zuwachs um 6,8 Prozent auf 275,7 Mrd. Euro. Die Zinserträge stiegen um 11,7 Prozent, das Provisionsergebnis ging dagegen um 10,4 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro zurück. (APA)

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