Jeder dritte Maturant nicht auf Matura-Niveau

23. Juni 2009, 14:46
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Schuldirektor Tasch: In Mathematik gibt es derzeit vielfach eine "Dressur der Schüler auf bestimmte Beispiele"

Wien  - Die Debatte um die Für und Wider der Zentralmatura geht weiter. So erklärte Gabriele Friedl-Lucyshyn vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) anhand eines Beispiels, weshalb sie die Zentralmatura für erstrebenswert hält: Bei einem diagnostischen Eingangstest, den Anfänger des Anglistik-Studiums an den Unis Wien und Innsbruck absolvieren müssen, kommen 15 Prozent nur auf das Kompetenzniveau A2 (des Europäischen Sprachreferenzrahmens), dem für das Ende der AHS-Unterstufe angestrebten Niveau. 25 bis 30 Prozent liegen unter dem für die Matura erforderlichen Niveau B2. Und bei den Eingangstests der Fachhochschulen erreichen 40 Prozent B2 nicht.

Transparenz und Qualität

"Die neue Reifeprüfung wird jedenfalls das Qualitätsniveau steigern", zeigte sich Lucyshyn bei einem Expertengespräch im Unterrichtsministerium überzeugt. Ob die Matura dadurch schwerer oder leichter werde, könne man nicht sagen, das sei ein individuelles Kriterium. Jedenfalls werde das "träge Wissen", das nur kurz vor der Prüfung angelernt und dann schnell vergessen wird, zurückgedrängt. Stattdessen sollen Kompetenzen erworben und angewendet werden, das "Wissen wird dadurch nachhaltiger sein". Als Ziele der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied geplanten Matura-Reform nannte der Projektleiter im Ministerium, Andreas Schatzl, "Objektivität, Transparenz, Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit".

Fairheit gegenüber dem Steuerzahler

In Mathematik gibt es derzeit nach Ansicht von Klaus Tasch, Direktor des Gymnasiums Klusemannstraße in Graz, vielfach eine "Dressur der Schüler auf bestimmte Beispiele", Aufgaben aus der Parallelklasse könnten oft schon nicht mehr gelöst werden. Von der neuen Reifeprüfung erwartet er sich dagegen mehr Nachhaltigkeit. Ein solcher "Qualitätsnachweis unserer Arbeit ist auch dem Steuerzahler gegenüber fairer", so Tasch. Zudem erwartet er sich davon ein Qualitätsmerkmal für die AHS, weil sich die nachfolgenden Institutionen auf die Kompetenzen der Absolventen verlassen könnten. Die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) sollen laut Schatzl ab 2015 die neue Reifeprüfung umsetzen.

Von Vorschlägen wie jenem der ÖVP, die sich gegen eine vollzentrale Variante der schriftlichen Klausur ausspricht und nur Grundkompetenzen zentral abgefragt wissen will, kann Lucyshyn "nur abraten". Als Beispiel nennt er Englisch: Dabei werde geprüft, ob das Kompetenzniveau B2 erreicht wird. Dafür sind die fünf Stunden Klausurarbeit notwendig, "was soll man da noch abfragen?". Die Abbildung schulautonomer Schwerpunkte ist laut Schatzl bei der "vorwissenschaftlichen Arbeit" und der mündlichen Prüfung möglich. (APA)

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