Ein Modedodel ohne Schamgefühl

23. Juni 2009, 17:10
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Ein (falscher) Österreicher liegt im Trend: "Brüno" erobert demnächst die Kinos

Wien - "In oder Aus?" So lautet eines der Elemente von Brünos TV-Mode-Show, bei der er mit einem Insider letzte Trends überprüft. Das deutsche "Aus" kommt daher, dass Model Brüno österreichischer Herkunft ist (Geburtsort: Klagenfurt). Seine Sendung moderiert er in einem Kauderwelsch, das ein wenig an jenes von Chaplin in Der große Dikator erinnert. Brüno möchte zumindest so berühmt wie Hitler sein. Dumm, drastisch, größenwahnsinnig ist er allemal: Statt "In oder Aus?" fragt er manchmal auch "Ghetto oder Auschwitz?"

In! - das gilt definitiv für Brüno selbst. Am 10. Juli startet der gleichnamige Film im Kino, und der britische Comedian Sacha Baron Cohen, Erfinder von Ali G, Borat und eben auch des homosexuellen Modedodels, arbeitet hart daran, dass man das auch nicht vergisst. Vergangenes Wochenende hüpften und tanzten vor dem Berliner Brandenburger Tor mehrere Darsteller in rosa Angora-Overalls, an denen üppige Genitalien anmontiert waren. "Schwanzenstück!" , so lautet ja auch eines der Lieblingsworte Brünos, mit denen er Interviewpartner gerne aus der Fassung bringt.

Der Film wird ein wenig in die Realität hinein verlängert - ein Marketingkonzept, das Cohen ganz hinter seiner Figur verschwinden lässt. Bei den MTV-Movie-Awards sicherte er sich den ersten Schub an Aufmerksamkeit, als er an einem Seil hängend auf dem Schoß von Rapper Eminem landete - mit nacktem Hinterteil. Nachträglich wurde die Sache als abgekartetes Spiel entlarvt. Egal, der Effekt ist der gleiche. In Madrid warb er im Stierkostüm, in Amsterdam im Rotlichtviertel.

Über den Film selbst wird ein eiserner Mantel der Schweigens gelegt: Journalisten werden mit Embargos belegt, damit ja nichts zu früh an die Öffentlichkeit dringt. Auch das ist Teil des Spiels, denn wer Brüno aus Da Ali G Show kennt, den wird der Film wohl nur in Maßen überraschen. Dass ihm der Republikaner Ron Paul in die Falle ging, konnte man lesen, auch La Toya Jackson und Paula Abdul sind unter den Opfern.

Wo Borat mit Antisemitismus und Misogynie Anstoß erregte (oder auf Verständnis stieß), eckt Brüno mit offener Homosexualität an: Im prüden Amerika, wohin Brünos Reise führt, ein Minenfeld. Dabei liegt der Trumpf woanders: Brüno führt vor, dass Menschen vor laufenden Kameras zu allem bereit sind. So treibt er die Regeln des Showbusiness auf die Spitze: Egal, wie dämlich der Host ist - wer mitmacht, ist der größere Idiot. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Printausgabe, 24. 6. 2009)

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    Brüno in Berlin: Phallische Werbung im Angora-Kostüm.

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