Der Niedergang des Vorarlberger Textilriesen F.M. Hämmerle

23. Juni 2009, 14:16
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Vom größten Textilunternehmen Österreichs ist nach Arbeitsplatzabbau und Konkurs nicht viel geblieben - Insolvenz 2008, Übernahme durch indischen Partner, neuerlicher Konkurs

Bregenz - F.M. Hämmerle wurde im Jahr 1836 gegründet und zählt zu den traditionsreichsten Textilunternehmen Vorarlbergs. In den 1980er-Jahre war F.M. Hämmerle mit bis zu 2.200 Mitarbeitern das größte Textilunternehmen Österreichs. Nach einem Konkurs im Juli 2008 und einer nachfolgenden Übernahme durch einen indischen Garnproduzenten brachte die Nachfolgegesellschaft "F.M. Hämmerle Nfg GmbH" am 22. Juni 2009 wegen Umsatzrückgängen von bis zu 50 Prozent erneut einen Konkursantrag ein. Mit der Eröffnung des Verfahrens wird laut KSV in Kürze gerechnet.

Noch 1986, im 150. Jahr des Bestehens, beschäftigte F.M. Hämmerle 2.100 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 1,5 Mrd. Schilling (rund 109 Mio. Euro). Damals war F.M. Hämmerle einer der größten Arbeitgeber Vorarlbergs. Der Niedergang begann Ende der 1980er-Jahre zur Zeit des großen Textilsterbens in Vorarlberg. Im Zuge des Strukturwandels schrieb auch F.M. Hämmerle rote Zahlen und musste vor allem in den 1990er-Jahren mehrmals Mitarbeiter abbauen. 1991 ging der Betrieb wegen Auftragslöchern in Kurzarbeit, das Personal in der Chefetage wechselte mehrfach.

Nach einem harten Sanierungskurs samt Ausgliederung von Tochtergesellschaften ging die Zahl der Mitarbeiter von 1.600 (1991) auf rund 600 (1995) zurück. Sah es zunächst so aus, als trügen die Maßnahmen Früchte, konnte das Unternehmen 1998 nur nach Auflösung stiller Reserven positiv bilanzieren. Der operative Verlust damals betrug 7,27 Mio. Euro. Die F.M. Hämmerle-Aktionäre stimmten im Juni 2000 für eine Übernahme durch den Sanierer Josef Hahnl. 2007 erwirtschaftete das Unternehmen rund 27 Mio. Euro Umsatz. Erste Gerüchte über eine Insolvenz kamen im Juli 2008 auf, als Mitarbeiter beklagten, dass Löhne und Gehälter ausblieben.

Konkurverfahren im Juli 2008

Das Konkursverfahren gegen F.M. Hämmerle wurde am 31. Juli 2008 eröffnet, als Grund wurden massive Auftragseinbrüche genannt. Die Verbindlichkeiten betrugen rund 6 Mio. Euro, betroffen waren 312 Mitarbeiter und 300 Gläubiger. Die Beschäftigten machten 1,23 Mo. Euro an Forderungen geltend, sie waren der bei weitem größte Gläubiger in dem Konkursverfahren. Bei dem mit der Masseverwaltung beauftragten Rechtsanwalt Wilhelm Klagian meldeten sich zwei Interessenten, die das insolvente Unternehmen übernehmen wollten.

Den Zuschlag für die "F.M. Hämmerle-Nachfolge GmbH" erhielt schließlich am 27. August 2008 die indische Oswal-Group, mit der F.M. Hämmerle seit einigen Jahren über ein Joint Venture verbunden war. Laut Klagian wurde das in Punjab sitzende Unternehmen erstgereiht, weil die Verantwortlichen zusagten, 100 bis 120 Mitarbeiter mehr weiterbeschäftigen zu wollen als der Mitbewerber. Für die Mitarbeiter, die nicht übernommen werden konnten, wurde eine Arbeitsstiftung eingerichtet.

Der neue Eigentümer von F.M. Hämmerle, der zur Oswal-Group gehörende Garnhersteller "Vardhman Polytex Limited", trat unterdessen in zähe Verhandlungen mit Josef Hahnl ein. Hahnl gehört weiter die von der Insolvenz nicht betroffene Liegenschaft F.M. Hämmerles in Dornbirn. Ein Mietvertrag über 15 Jahre wurde Anfang Dezember 2008 abgeschlossen. Damals war Geschäftsführer Ashok Oswal noch optimistisch: Von einer Aufstockung der Mitarbeiterzahl auf 200 war die Rede und von einem erstrebten Umsatz für 2009 von 20 Mio. Euro.

Dann kam die Wirtschaftskrise, und F.M. Hämmerle meldete Anfang Mai 2009 für 150 der 181 Beschäftigten Kurzarbeit für vier Monate an. Offenbar trugen die Bemühungen der indischen Eigentümer dennoch keine Früchte: Laut den Angaben des KSV in der Aussendung zum neuerlichen Konkurs ließen sich für die nahe Zukunft wenig positive Prognosen stellen. (APA)

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