Hypo Real Estate erwartet hohe Millionen-Verluste

23. Juni 2009, 14:11
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München - Der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) drohen erneut hohe Millionen-Verluste durch faule Wertpapiere. Für das zweite Quartal von April bis Juni erwarte die HRE "signifikante Ergebnisbelastungen zumindest im hohen dreistelligen Millionenbereich", wie der Baufinanzierer am Montagabend in München mitteilte. Daneben kündigte die HRE an, eine eigene Bad Bank gründen zu wollen, um sich von ganzen Geschäftsfeldern zu trennen.

Ursache für die erneuten Millionen-Verluste seien weitere Belastungen aus der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, teilte die HRE mit. Es seien neue Abschreibungen auf Wertpapiere und offene Kreditforderungen nötig. Deswegen müsse die HRE mehr Geld für die Risikovorsorge zurücklegen. In mehreren Märkten hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtert. Betroffen seien Nordamerika, Südeuropa, Großbritannien, aber auch Deutschland. Die HRE wies darauf hin, dass sie bereits im Jahresabschluss 2008 angekündigt habe, zumindest in diesem und im kommendem Jahr noch rote Zahlen zu schreiben.

Um ihr Geschäft neu auszurichten, will die HRE faule Kredite und Bestände von Wertpapieren, die keine strategische Bedeutung haben, in eine eigenständige Gesellschaft zur Abwicklung auslagern, wie das Unternehmen mitteilte. Dafür wolle die HRE das Modell zur Einrichtung einer sogenannten Bad Bank nutzen, das eigentlich den angeschlagenen Landesbanken helfen soll, ihre Bilanzen von Wertpapierschrott zu säubern und ihr Geschäft zu verschlanken. Bisher gibt es dafür allerdings nur einen Gesetzentwurf, das Gesetz muss noch den Deutschen Bundestag passieren. Neben dem Landesbank-Modell für Bad Banks gibt es auch ein Konzept für Wertpapier-Sammelstellen, das für Banken allgemein geschaffen wurde.

Die Anwendung des Landesbank-Modells "könnte die Bilanzstruktur der Hypo Real Estate verbessern" und voraussichtlich dabei helfen, das Geschäft der Bank wesentlich einzudampfen, teilte die HRE mit. Der "gesunde strategische Teil der Bank würde somit konsequent und schneller freigelegt".

Insgesamt komme die HRE bei ihrer Neuausrichtung "gut voran", teilte das Institut mit. Die Sozialpläne für den Abbau der Hälfte der knapp 2.000 Arbeitsplätze im Unternehmen seien bereits abgeschlossen. Das Institut will sich von den weltweit 1.000 betroffenen Mitarbeitern bis 2013 trennen.

Die HRE war durch die Verschärfung der weltweiten Finanzkrise im Herbst 2008 in massive finanzielle Bedrängnis geraten und stand kurz vor dem Zusammenbruch. Nur durch Hilfen des Bundes und der Bankenbranche von 102 Mrd. Euro kann das Institut derzeit überleben. Seit kurzem ist die HRE zu 90 Prozent in staatlicher Hand. Der Bund will den Baufinanzierer mit dem Ziel einer grundlegenden Sanierung komplett übernehmen und dazu die restlichen Aktionäre per Zwangsabfindung für ihre Papiere herausdrängen. Die Verstaatlichung der HRE ist auch deswegen hoch umstritten. (APA/AFP)

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