Nikolaus Harnoncourt mit Ausstellung gewürdigt

23. Juni 2009, 13:12
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Grazer Stadtmuseum will Einblicke in das Innenleben des Stardirigenten geben

Graz - Dem steirischen Musiker und Stardirigenten Nikolaus Harnoncourt, ist eine Ausstellung im Grazer Stadtmuseum gewidmet, die am Dienstag mit einem "klangvollen Eröffnungsprogramm" startet. Unter dem Titel "Being Nikolaus Harnoncourt" versucht man in Zusammenarbeit mit der "styriarte" eine ungewöhnliche Annäherung an den Ururenkel von Erzherzog Johann. Gezeigt werden kleine Einblicke in das Innenleben des Künstlers, die über handschriftlich kommentierte Partituren, Familienfotos, Schallplatten und handgeschnitzte Marionetten ermöglicht werden.

"Wir wollten eine Ausstellung, die die räumlichen Möglichkeiten des Museums nutzt", erläuterte Stadtmuseum-Direktor Otto Hochreiter am Vormittag. Der Titel der Schau lehnt sich an den Film "Being John Malkovich" an, in dem es verschiedenen Menschen gelingt, in den Kopf des Schauspielers zu gelangen. Dazu wurden fünf Räume zu unterschiedlichen Themen gestaltet, die den Künstler sowohl in seinem Arbeitsumfeld als auch privat zeigen. "Es gibt keine Chronologie. Man betritt die Ausstellung als 'Die Welt als Bühne'", so die Gestalterin der Schau, Margareth Otti.

"Werkstatt" und  "Weitergeben"

Vergrößerte Partituren mit Harnoncourts - gut lesbaren - Anmerkungen, Szenenfotos, Programmhefte und Videoausschnitte zeigen seine rund dreißigjährige Auseinandersetzung mit Mozarts "Idomeneo", begonnen mit der Züricher Aufführung von 1980 über die Wiener Produktion bis zum "styriarte"-Projekt im Vorjahr. Zwei weitere Räume beschäftigen sich mit der Arbeit des Dirigenten, wobei einerseits das Gewicht auf "Werkstatt" und andererseits auf "Weitergeben" gelegt wird. Dabei geht es um sein Bestreben, sich stets so weit wie möglich dem Originalklang, der ursprünglichen Intention des Komponisten, anzunähern. Seine Bücher und zahlreiche Schallplattenaufnahmen zeugen vom Bestreben, das erworbene Wissen auch weiterzuvermitteln. Alte Instrumente verweisen auf seine Arbeit mit dem "Concentus musicus", wo er zusammen mit seiner Frau Alice immer noch tätig ist.

Ein Raum ist der Familie gewidmet und zeigt anhand eines kunstvollen alten Stammbaums auch die Verflechtung bis hin zu den Habsburgern. Mütterlicherseits ist Harnoncourt ein Ururenkel von Erzherog Johann und Anna Plochel, väterlicherseits stammt er von der lothringischen Familie de la Fontaine d'Harnoncourt-Unverzagt ab. Im letzten Raum wird das Bild des Privatmannes vertieft: Holzgeschnitzte Puppen für die Kinder sind da ebenso zu sehen wie ein Rucksack, der für seine Begeisterung fürs Bergwandern steht, während Schmetterlinge und gepresste Blumen von Hobbys aus der Kindheit erzählen.

Auch das zur Ausstellung erschienene Buch "Being Nikolaus Harnoncourt" von Otto Hochreiter und "styriarte"-Chef Mathis Huber gibt einen Einblick in Harnoncourts Leben außerhalb der Musik. "Wir haben verschiedene Menschen eingeladen, sich dem Phänomen Nikolaus Harnoncourt zu nähern", beschrieb es Huber. Neben kurzen Texten von 25 Autoren wie Thomas Hampson, Claus Helmut Drese, Roland Geyer, Paul Esswood oder Milan Turkovic finden sich auch hier zahlreiche Privatfotos, die Harnoncourt auf ungewohnte und oft auch humorvolle Weise zeigen. (APA)

"Being Nikolaus Harnoncourt". Ausstellung im Grazer Stadtmuseum von 24. Juni 2009 bis 28. Februar 2010. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr. Zur Ausstellung ist das Buch "Being Nikolaus Harnoncourt von Otto Hochreiter und Mathis Huber erschienen. Styria Verlag, 200 Seiten, 19,95 Euro. ISBN 978-3-222-13280-3

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