Thomson Reuters zieht sich von Londoner Börse zurück

23. Juni 2009, 12:29
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New York - Thomson Reuters will sich von der Londoner Börse zurückziehen und kappt damit eine wichtige Verbindung zu den britischen Wurzeln der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktien des Informationsanbieters sollen künftig ausschließlich an der New York Stock Exchange (NYSE) und der Börse in Toronto gehandelt werden, teilte das im Frühjahr 2008 aus der kanadischen Thomson-Gruppe und Reuters entstandene Unternehmen am Montagabend mit.

Auch von der US-Technologiebörse Nasdaq sollen die Titel damit verschwinden. Konzernchef Tom Glocer, der sein Büro bereits in New York hat, will mit einer konzentrierten Börsennotierung neue Investoren anlocken und zudem Kosten in Millionenhöhe einsparen. Thomson hatte Reuters im April vergangenen Jahres für rund 16 Mrd. Dollar (11,55 Mrd. Euro) übernommen. Der Konzern verkauft seine Nachrichten und Finanzprodukte unter anderem an Banken, Fonds-Gesellschaften, Unternehmen und Medien. Thomson Reuters ist noch immer stark in London vertreten, allerdings hat sich der Schwerpunkt seit der Fusion immer mehr auf den US-Markt verlagert. Größter Aktionär ist die kanadische Thomson-Familie mit einem Stimmrechtsanteil von 55 Prozent.

Technische Frage

Glocer erklärte, britische Investoren machten mittlerweile nur noch fünf Prozent der Aktionäre aus. Die Fragmentierung der Börsennotierung habe einige Investoren davon abgehalten, Thomson Reuters-Papiere zu kaufen. Die Entscheidung bedeute keinesfalls, dass sich der Konzern aus der wichtigen Finanzmetropole London zurückziehe, versicherte Glocer. Angesichts des digitalisierten und globalen Börsenhandels sei es jedoch ohnehin nur noch eine technische Frage, an welcher Börse die Aktien notiert seien.

Thomson-Reuters-Aktien reagierten in London auf die Ankündigung mit einem Kursanstieg von knapp sechs Prozent. Zum Leidwesen britischer Investoren wurden die Papiere in London bisher mit einem Abschlag zu den Preisen in New York und Toronto gehandelt. Viele Investoren hatten Kasse gemacht, indem sie die teureren New Yorker Papiere verkauften und sich dann in London zu einem günstigeren Preis eindeckten. Nun machten die Londoner Papiere einen Großteil dieser Differenz wett, da sie im Verhältnis eins zu eins getauscht werden. Die Aktionäre sollen dem Plan am 7. August zustimmen.

Für die traditionsreiche Londoner Börse ist der Rückzug von Thomson Reuters ein schmerzlicher Verlust. Die London Stock Exchange (LSE) leidet unter dem Wettbewerb kleinerer Rivalen und ist auch durch die Schaffung transatlantischer Börsenallianzen unter Druck. Reuters ging 1984 an die Londoner Börse. (APA)

 

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