Warnung vor Pensionskrise

23. Juni 2009, 18:35
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OECD: Österreich mit hohen Ausgaben stark betroffen

Paris/Wien - Die österreichischen Pensionisten können ihren Vertretern Karl Blecha und Andreas Kohl und deren Vorgängern ein Denkmal errichten. Die Republik leistet sich nicht nur die höchsten Pensionen gemessen an Bezügen gegenüber dem aktiven Einkommen in Form einer sogenannten Ersatzrate von 80 Prozent; Österreich ist laut einer neuen Studie der OECD das einzige Industrieland der Welt, in dem der Altersgruppe zwischen 66 bis 75 Jahren mehr in der Geldbörse bleibt als dem heimischen Durchschnittsverdiener.

Diese Position verdanken die Älteren den starken Zuwächsen der letzten 20 Jahren. Die Pensionen stiegen in dieser Periode in Österreich, Deutschland und Norwegen um elf Prozent stärker als das Durchschnittseinkommen. Zum Vergleich: In elf Ländern verschlechterte sich das relative Einkommen der Ruheständler, in weiteren elf Staaten verbesserte es sich um sechs bis neun Prozentpunkte, heißt es in dem Bericht. Nicht ganz so gut ist die Position der über 75-Jährigen, sie liegt aber immer noch deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Berücksichtigt man beide Altersklassen, verdienen nur mexikanische Ältere mehr als ihre österreichischen Jahrgänger.

Eindeutig ist auch, woher das Geld stammt: Von der gesetzlichen Pensionsversicherung, die hierzulande ebenso wie in Frankreich, Ungarn, der Slowakei, Belgien mehr als drei Viertel zum Einkommen beisteuert. In Japan, den USA, Australien oder den Niederlanden macht der öffentliche Anteil des Einkommens weniger als die Hälfte aus. Ganz unten rangiert Österreich folglich bei den privaten Pensionseinkünften (1,9 Prozent), die nur in Polen, Tschechien und der Slowakei niedriger sind.

Apropos private Vorsorge: Die von der Gewerkschaft und anderen Interessengruppen behaupteten außergewöhnlichen Verluste der österreichischen Pensionskassen werden in der Studie nicht bestätigt - im Gegenteil: Mit 15 Prozent waren die Einbußen deutlich unter dem gewichteten OECD-Durchschnitt von minus 23 Prozent. Das sind in absoluten Zahlen 5,4 Billionen Dollar, um die Rentner in den 30 Industriestaaten im Vorjahr umfielen.

Kein Geld für andere Ziele

Nicht überraschend kommt der Schluss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dass die Finanzkrise jene Staaten stärker trifft, in denen Kapitaleinkommen eine große Rolle spielen. Allerdings wird auch auf die Belastung des Umlagesystems verwiesen, dem durch rückläufige Beschäftigung die Beitragsgrundlage wegbricht. Bei diesen Ländern sind laut Studie vor allem jene betroffen, die schon vor der Krise einen großen Teil des Volkseinkommens auf Renten aufgewendet haben. In Österreich belaufen sich die Pensionsausgaben auf 12,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beziehungsweise ein Viertel der Staatsausgaben. Hier drohten die hohen Kosten Ausgaben in anderen wichtigen Bereichen wie Bildung oder Kinderbetreuung zu verdrängen, heißt es in dem Bericht.

Trotz der schmerzlichen Erfahrungen vieler Bezieher ist die Industriestaaten-Vereinigung auch nicht grundsätzlich gegen eine Kapitaldeckung. "Die demografische Herausforderung bleibt, und die Zukunft lässt sich nur mit diversifizierten Systemen meistern" , hält OECD-Studienautorin Monika Queisser fest. (as, DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2009)

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    Ruhe vor dem Sturm: Die österreichischen Pensionen liegen im Spitzenfeld, deren Leistbarkeit ist fraglich.

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    quelle: der standard
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