Die Eliteschule am Wolfgangsee

23. Juni 2009, 11:14
159 Postings

Einst von einer Bürgerinitiative heftig bekämpft, nun doch eitel Wonne - Die "International School" kostet 40.000 Euro pro Kind und Schuljahr

Salzburg - Das Projekt einer internationalen Eliteschule in St. Gilgen am Wolfgangsee (Flachgau) haben Anrainer und eine Bürgerinitiative heftig bekämpft. Nach zweijähriger Verzögerung wurde die "St. Gilgen International School" vergangenen Herbst eröffnet. Am Ende des ersten Schuljahres haben sich die Wogen gelegt. Die Salzkammergut-Gemeinde am Wolfgangsee ist mit der Schule, ihren engagierten Lehrern und Kindern "voll und ganz zufrieden", wie Bürgermeister Otto Kloiber im APA-Gespräch betonte.

Streitpunkt Lärm

Mit der Gründung der Internatsschule im Jahr 2004 durch den Wiener Architekten und Projektbetreiber Alexander Eduard Serda machte sich Widerstand im Ort breit. Ein Anrainer beeinspruchte die Baubewilligung, eine Bürgerinitiative befürchtete "die Lärmemission" und kritisierte den Baurechtsvertrag der Gemeinde mit dem Architekten. St. Gilgen verschenke eine teure Liegenschaft um ein Euro pro Jahr, hieß es. Die Gemeindeaufsicht ortete jedoch keinen Gesetzesverstoß.

Als im Frühsommer 2007 die Baumaschinen zur Errichtung von fünf Häusern in einer Parkanlage im Ortszentrum auffuhren, waren die Vorbehalte gegenüber dem 35-Millionen-Projekt noch nicht verstummt. Vor allem Zweitwohnungsbesitzer beobachteten mit Argusaugen den Verlauf des ersten Schuljahrs. 20 Buben und 13 Mädchen aus elf Nationen im Alter von zehn und bis 15 Jahren drückten die Schulbank, unterrichtet von 21 Lehrern. "Alles liebe Kinder. Sie und die Lehrer machen überall mit", freute sich der Ortschef über die geglückte Integration in die Gemeinde.

Schulgeld 40.000 Euro

Profitieren von der teuersten Privatschule Österreichs - das Schulgeld pro Kind und Jahr beträgt inklusive Internat knapp 40.000 Euro - würden auch die örtlichen Betriebe. "Drei Wirtshäuser verköstigen die Schüler zu Mittag. Ein Gastwirt konnte einen Lehrling aufnehmen, weil er jetzt auch im Winter offen halten kann." Ein Lebensmittelmarkt und eine Wäscherei freuen sich über Aufträge, das alte Dorfkino wurde revitalisiert und kann auch von Außenstehenden gemietet werden. Die Sprösslinge benützen örtliche Sportanlagen. Kommen die Eltern zu Besuch, übernachten sie in Hotels oder Pensionen. "Wir sind sehr froh, dass es die Schule gibt", resümierte der Bürgermeister.

Ins selbe Horn stößt Torismusobmann Franz Mayrhofer: "Die Bilanz übersteigt meine Erwartungen. Alles funktioniert reibungslos." Drei einheimische Kinder, davon ein schwer krankes, hätten eine Subvention für den Schulbesuch erhalten, mehrere Kinder kommen aus den Umlandgemeinden. 20 Prozent der Schüler bekamen ein Begabten-Stipendium.

Extra übersiedelt

Laut der Pressesprecherin der Schule, Anna Maculan, ist eine Familie mit drei Kindern extra wegen der International School nach St. Gilgen übersiedelt. "Unsere Schüler schätzen die Ruhe und Freiheit, sich hier sicher bewegen zu können." Kinder aus den USA und Kolumbien empfänden es als ein tolles Erlebnis, mit dem Fahrrad alleine auf der Straße zu radeln. Vorurteile seitens der Bevölkerung gebe es keine mehr.

Begonnen wurde mit fünf Schulstufen, im nächsten Schuljahr kommen zwei hinzu. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Die Privatschule hat sich dem Rahmenwerk der "International Baccalaureate Organization" (IBO) verpflichtet und ist Mitglied des "European Council of International Schools" (ECIS). Geboten wird ein akademisches Programm mit viel Sport, Kunst, Tanz und Musik. Besondere Schwerpunkte sind Film- und Medienstudien, Friedens- und Konfliktstudien sowie Weltpolitik. Die Schule kann bis zu 350 Kinder aufnehmen. (APA)

  • 20 Buben und 13 Mädchen werden von 21 LehrerInnen an der Privatschule in St. Gilgen unterrichtet.
    foto: markus peherstorfer

    20 Buben und 13 Mädchen werden von 21 LehrerInnen an der Privatschule in St. Gilgen unterrichtet.

Share if you care.