Ex-Mitarbeiter packen aus

Mißtrauen, Alarmleuchten und Fallen bei Apple

riegler, 23. Juni 2009, 11:31
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    foto: archiv

    Steve Jobs gilt als Kontrollfreak, dementsprechend überwacht werden offenbar auch die Mitarbeiter und die Informationen, die nach außen gelangen. (Bild: Szene aus einer Folge von The Simpsons)

Apples und Steve Jobs Geheimniskrämerei schwankt zwischen Kult und Unternehmensschädigung

Der Konzern aus Cupertino gibt sich immer cool und geheimnisvoll. Dabei verschließt er sich allerdings vollkommen dem Trend mit der Öffentlichkeit etwa über Blogs in Kontakt zu treten, wie es andere Unternehmen tun. Liegt darin Apples Erfolgsfaktor oder rächt sich die Geheimniskrämerei irgendwann?

Gerüchteküche

Um kaum ein anderes Unternehmen kursierend laufend derart viele Gerüchte wie um Apple. Presseanfragen zu künftigen Produkten werden grundsätzlich mit "kein Kommentar" abgewiegelt. Gerüchteblogs über Apple gibt es haufenweise, die alle über diverse Insider-Quellen mit den neuesten Informationen aus dem Konzern versorgt sein wollen. Und nicht selten bewahrheiten sich die Gerüchte, die über Seiten wie MacRumors oder AppleInsider verbreitet werden.

Firmenparanoia

Doch wer diesen Blogs Insider-Informationen zuspielt, geht bei Apple ein hohes Risiko ein. In der Vergangenheit wurden Mitarbeiter immer wieder entlassen, die Informationshappen an die Außenwelt dringen ließen. Bei Apple werde jeder extrem paranoid, was die Sicherheit angeht, meint ein ehemaliger Apple-Mitarbeiter gegenüber der New York Times. So etwas habe er in noch keinem anderen Unternehmen gesehen.

Jobs Gesundheitszustand

Die Geheimniskrämerei um den Gesundheitszustand des CEOs Steve Jobs hat aber auch für Apple-Begriffe eine neue Qualität erreicht. Jobs hatte im Jänner bekannt gegeben, sich für sechs Monate von der Unternehmensspitze zurückzuziehen. Aufgrund einer Hormonstörung habe er stark an Gewicht verloren, was im vergangenen Jahr zu heftigen Spekulationen geführt hatte, dass sein eigentlich besiegter Bauchspeicheldrüsenkrebs wieder zurückgekehrt sei. Die Börse reagierte dementsprechend geschockt.

Lebertransplantation? Hormonstörung?

Nun wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass sich Jobs offenbar vor zwei Monaten einer Lebertransplantation unterzogen hatte. Das berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Kreise. Ein offizielles Statement von Apple oder Jobs selbst dazu ist bislang ausgeblieben. Der Apple-Chef soll wie geplant Ende Juni in den Konzern zurückkehren, heißt es nur aus Cupertino. Mittlerweile hat sich Jobs via Presseaussendung zurückgemeldet. Ein Statement zu seinem Gesundheitszustand gab er darin freilich nicht ab, sondern kommentierte die Verkaufszahlen des neuen iPhone 3GS.

Personen, die in Medien gerne über Jobs Wohlbefinden dozieren, gibt es freilich mehrere - unter anderem der Firmenmitgründer Steve Wozniak. Es ist aber stark anzuzweifeln, dass Jobs tatsächlich mit Wozniak über seinen Gesundheitszustand plaudert. Es bleibt unklar, wie es tatsächlich um Jobs Gesundheit bestellt ist.

Rote Alarmleuchten

Apples Vorgehen legt zwar nahe, dass die Geheimnistuerei eine ausgeklügelte Kommunikationsstrategie ist, um sich eine mysteriöse und coole Aura aufrechtzuerhalten, die sich in einem medialen Hype und ausgeprägtem Fankult niederschlägt. Doch offenbar steht dahinter nicht nur eine Informationspolitik nach außen. Laut NYT herrschen auch im Konzern höchste Sicherheitsvorschriften für Mitarbeiter, die an neuen, geheimen Produkten arbeiten. Das reiche von zahlreichen Sicherheitstüren mit Codeeingabe bis zu einer rigorosen Videoüberwachung der Arbeitsplätze. Mitarbeiter, die neue Produkte testen, müssten diese für alle anderen mit schwarzen Decken abschirmen und rote Warnlichter einschalten, sobald die Produkte offen zu sehen seien. Oft seien die Mitarbeiter bei neuen Produktankündigungen ebenso überrascht wie die Öffentlichkeit.

Mitarbeitern Fallen stellen

Apples Paranoia geht offenbar so weit, dass Mitarbeitern absichtlich falsche Informationen über neue Produkte mitgeteilt werden, nur um zu sehen, ob diese Informationen an die Medien weitergegeben werden um die Quelle ausfindig zu machen. Auch gegen Blogger, die über Firmengeheimnisse berichtet hatten, war der Konzern in der Vergangenheit rechtlich vorgegangen.

Überraschungseffekt

Der Ursprung für Apples Paranoia sei auf die Ankündigung des ersten Macintosh zurückzuführen, von dem Rivalen wie Microsoft und Sony schon erfahren hatten, bevor der Rechner vorgestellt worden war, meint ein Marketing-Experte gegenüber der NYT. Apple sei seither sehr darauf bedacht, den Überraschungseffekt bei Produktankündigungen zu bewahren. Die Geheimniskrämerei um neue Produkte scheint aufzugehen.

Unternehmensschädigend?

Ob gleiches für Steve Jobs Gesundheit gilt, ist allerdings anzuzweifeln. Denn während es einerseits natürlich eine sehr persönliche Angelegenheit für Jobs ist, wurde in den vergangenen Monaten immer wieder die Frage aufgeworfen, ob sein Schweigen nicht vielleicht unternehmensschädigend ist. Denn auf den Überraschungseffekt einer neuerlichen, ernsthaften Erkrankung des Unternehmenschefs können die Shareholder vermutlich verzichten. Für ein Unternehmen bedeutsame Informationen müssen veröffentlicht werden. Und da Apples Geschicke als untrennbar mit Steve Jobs verbunden gelten, befürchten viele, dass das Unternehmen ohne Jobs kopflos wäre. Ungeachtet des eingeschworenen Teams zu dem unter anderem auch COO Tim Cook und Marketingchef Phil Schiller zählen.

Gute und schlechte Nachrichten

Eine verbindliche Regelung für börsennotierte Konzerne in den USA, die Börsenaufsicht SEC über ernsthafte Erkrankungen des Unternehmenschefs zu informieren, gebe es laut Business Week allerdings nicht. Unklar bleibt, woher das Wall Street Journal von der Operation erfahren hat. Und bei Apples undurchdringlicher Kommunikationspolitik sei es auch denkbar, dass der Konzern selbst die Informationen der Presse zugespielt habe, um ein offizielles Statement zu umgehen. Und immerhin seien die schlechten Nachrichten durch die Meldung des guten Verkaufserfolgs des iPhone 3GS ausgeglichen: Apple hat nach eigenen Angaben bereits über eine Million neue iPhones verkauft. (Birgit Riegler/ derStandard.at, 23. Juni 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 87
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Fleischsack, größtenteils aus Wasser
00
14.9.2010, 16:01

Das ist keine Paranoia, das ist kalte Marketingstrategie. Umso geheimnisvoller sie tun, desto mehr wird spekuliert und desto mehr Medienaufmerksamkeit bekommen sie.

Peter Resele
00
27.6.2009, 19:21
auch einen NYT Artikel...

sollte man nicht einfach abschreiben. Einige kritische Bemerkungen dazu auf DF: http://daringfireball.net/2009/06/a... es_secrecy

Peter W1
 
22
24.6.2009, 23:03

Die Geheimniskrämerei ist ein nettes Gimmick, aber der Grund warum Apple im Businessbereich nichts zu melden hat. Da musst du ein halbes Jahr vorher wissen, was es zu kaufen geben wird. Andernfalls fällst du aus dem Raster. IT-Budgets werden nicht für eine Kleinstfirma ohne Marktanteil geändert.

Deshalb haben alle anderen Unternehmen Roadmaps. Damit die IT-Budgets der Firmen angepasst werden.

hellfast
31
25.6.2009, 14:45

und du glaubst ernsthaft, dass apple keine internen roadmaps hat?

Franz R.
00
17.12.2009, 09:18

die wird es sicher geben. allerdings werden diese wohl kaum zur planung von it bugets in anderen unternehmen verfügbar sein.

salenoz
 
00
24.6.2009, 18:17
Mein GOTT!

Das zeigt zu 100% das Apple von Gerüchten lebt.

Wer würde sich schon im Vorfeld dermaßen für ihre Produkte interessieren, wenn nicht monatelang Gerüchte kursieren (z. B. Apple Tablet PC).

Andere künden Produkte an und einige Zeit vor dem Erscheinen werden Details veröffentlicht.

Windows 7 z. B. kann jedermann seit langem testen. Damit weiß man, was man bekommt, kann alles im Vorfeld testen und hat ein BS für 1 Jahr gratis!

David L
00
24.6.2009, 18:23

Dass sie davon leben bezweifle ich, aber dass es ihnen hilft, ihre eigene Nische zu haben ist völlig klar. Meine Apple-Produkte habe ich jedenfalls auf Grund meiner positiven Erfahrungen gekauft, nicht wegen der Gerüchte.

salenoz
 
12
24.6.2009, 18:31

Ja, Gott sei Dank gibt es auch Ausnahmen wie sie.

Finde es schade, Apple Produkte sind zum größten Teil nicht schlecht. Das neue iPhone z. B. ist sehr gut.
Aber dann vermurkst Apple wieder alles, so wie z. B. die Bindung des iPhones an Anbieter, die Extrakosten verlangen, wenn man das iPhone als Modem benutzen will.

Und diese Abgehobenheit und die Paranoia...

NotDarkYet
00
24.6.2009, 15:24
Sie wissen aber schon, dass das eine Satireseite ist?

Oder haben Sie das alles für bare Münze genommen?
Das wäre dann doch ein bisschen peinlich!

Tante Herbert
00
25.6.2009, 01:16
Eazy, eazy Rudeboy/girl!

Oder wollens im Allerwertesten aus Kohlen Diamanten machen?

Hehe...nix für ungut!

paramenes
10
24.6.2009, 13:39
ja und?

das ist doch in jeder großen technologiefirma so. in den meisten firmen wird allerdings nicht an so wegweisenden konzepten gearbeitet. hätte die konkurrenz früher von der art wie das i-phone funktioniert erfahren, wäre es gar nicht so ein großer erfolg geworden.

Drew R. Man
01
24.6.2009, 12:33
ich las kurz statt "alarmleuchten"

armleuchter. und es erschien mir passend.

monella laputa
00
24.6.2009, 09:57
geheimniskrämerei hin oder her

ich wette der chinesischen Regierung liegen bereits alle Details über den release für 2010/2011/2012 vor, bzw. es arbeiten regierungsnahe firmen in china längst an einer viel billigeren und besseren variante.
Wozu also noch diese geheimnistuerei? Es lässt sich in dem Markt sowieso auf Dauer nichts lange geheim halten ...

NotDarkYet
10
24.6.2009, 12:08

Billiger?
Ja.

Besser?
Aus China?
Nicht im ernst!

junicks
00
24.6.2009, 11:12
funktioniert in diesen dimensionen nur halt schon seit über 10 jahren ...

mal laut gedacht
011
24.6.2009, 09:32
Journalismus, oder was ist es?

Übrigens: Ich hab gehört, dass jemand gehört hat, dass in ihrer Redaktion jemand was weiß, was sonst niemand wissen darf ...

Eleazar
10
24.6.2009, 08:31

Wenn Apple seine Features verdeckt hält, so ist dies doch DER Wettbewerbsvorteil gegen den Riesen M$, der in am liebsten aufkaufen möchte.

Bei allen anderen sickert permanent etwas durch. Erinnern wir uns an Google Chrome und so weiter und so weiter.

Man kann es so auslegen, oder so.

Peter W1
 
11
24.6.2009, 23:05

Dieses Durchsickern ist unerlässlich. Es nennt sich Planbarkeit und ist die Basis jeder Budgetplanung. Daher auch keine Macs in Firmen. Die können sich von Versteckspielen nicht frotzeln lassen.

systemfehler1
04
24.6.2009, 05:23
Bin kein Apple-Fan,

aber dass sich ein Technologie-Unternehmen gegen Industrie-Spionage wehrt, is´ ja nix Neues.
Das es das nicht unbedingt sympathisch macht, auch nicht.
Aber um Sympathie geht´s in der Branche ja eigentlich nicht.....
Und net bös sein: wenn ein Apple Mitarbeiter meint, dass er das "in noch keinem anderen Unternehmen erlebt" hätte, dann ist das zwar "Huch!", aber wer weiß, ob er überhaupt und wenn ja, in welchen vergleichbaren Firmen gearbeitet hat.
Ansonsten bleib ich bei meiner Meinung: Apple is´net schlecht, aber massic überbe- wertet und -zahlt :-)

Derpeitschenpeter
01
23.6.2009, 22:09

Bei einem gewissen Kontingent von Privatkunden ist so eine Unternehmenspolitik sicher ein taktischer Vorteil. Aber im großen Unternehmensumfeld ist das einfach nicht machbar. Wenn ein Unternehmen mehrere tausend Serverlizenzen zahlt, lassen die sich nicht von einem Tag auf den anderen eine neue Version vor die Füsse werfen ohne jede Mitsprache bei der Entwicklung. Aber macht nichts, ist bekanntlich nicht Apples Absatzmarkt ;)

Peter W1
 
10
24.6.2009, 23:05

Sehr gut. Wenigstens einer denkt hier mit :) .

MacErik
20
23.6.2009, 22:09

Das klingt alles ganz furchtbar, kann aber anhand des iPhone leicht entkräftet werden. Ist es wirklich so schwer nachzuvollziehen, dass Apple erstklassiges Interesse hat seinen – zumindest subjektiven – Vorsprung zu halten.

Wagner, allerdings nicht Ritschi
10
23.6.2009, 19:25

der artikel liefert ausschließlich spekulationen und infos aus zweifelhaften quellen.
seriöse berichterstattung sieht anders aus.

chetan anurag
00
23.6.2009, 21:14
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