Zwei von drei Köpfen sind ungeschützt

23. Juni 2009, 10:59
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Die Helmtragebereitschaft der jugendlichen und erwachsenen Radfahrer sinkt

Wien - Jeder dritte Radfahrer schützt seinen Kopf mit einem Helm - das geht aus einer aktuellen Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) hervor, bei der im April und Mai 2009 österreichweit 19.300 Radfahrer beobachtet wurden. 2006 trug noch jeder fünfte Radler einen Helm. "Das ist zwar ein Anstieg, bedeutet gleichzeitig aber, dass zwei Drittel aller Radfahrer ohne Helm unterwegs sind. Dabei können schwere Verletzungen durch das Tragen eines Radhelms deutlich reduziert werden - bei Radfahrern, die ohne Helm unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit, eine Gehirnerschütterung zu erleiden, um die Hälfte größer", sagt Anton Dunzendorfer, Leiter des Bereichs Heim, Freizeit & Sport im KfV.

Jährlich ziehen sich 4.300 Radfahrer Kopfverletzungen zu, das ist ein Fünftel aller Verletzungen. 1.800 davon betreffen Kinder unter 14 Jahren. "Bei Kindern beträgt der Anteil an Kopfverletzungen sogar 30 Prozent und ist damit in etwa doppelt so hoch wie bei den über 15-Jährigen. Aufgrund der schwächeren Muskulatur und der kindlichen Körperproportionen ist die Gefahr einer Kopfverletzung größer als bei Erwachsenen. Kinder bis 14 Jahre sollten daher immer mit Helm aufs Rad", betont Dunzendorfer.

Eltern schützen ihre Kinder, sich selbst aber nicht

Die Bereitschaft einen Helm zu tragen nimmt mit dem Alter ab. Während die Radhelmtragequote bei Kindern unter sieben Jahren noch 87 Prozent beträgt, sind es bei den sieben- bis 15-Jährigen 43 Prozent, die mit Helm unterwegs waren. Von den beobachteten 16- bis 30-Jährigen und den 31- bis 60-Jährigen trägt jeweils nur noch ein Drittel Helm, bei den über 60-Jährigen war nur jeder vierte Kopf geschützt. Das KfV empfiehlt eine Helmpflicht für Kinder bis 14 Jahre.

Tragen Kinder und Jugendliche bereits von klein auf immer einen Helm beim Radfahren, sind sie auch später im Erwachsenenalter eher bereit, den Kopfschutz aufzusetzen. "Dass jüngere Kinder überwiegend mit Helm Radfahren zeigt, dass Eltern die Wichtigkeit eines Kopfschutzes bewusst ist - aber nur wenn sie als positives Beispiel vorangehen und auch selbst einen Helm tragen, wird dieses Verhalten von den Kindern übernommen", erklärt Dunzendorfer.

Geringe Helmtragebereitschaft auf kurzen Wegen

Ein Trend, der beobachtet werden konnte, ist, dass je mehr das Radfahren zum Alltag gehört, desto weniger Bereitschaft besteht, einen Helm aufzusetzen. Alltagsradfahrer, die das Fahrrad als Fortbewegungsmittel am Weg zur Arbeit oder Schule nützen, wählen den kürzesten und schnellsten Weg und fahren meist auch im Straßenverkehr. Etwa ein Viertel aller Radunfälle passiert jährlich im Straßenverkehr, wobei Kollisionen mit Kraftfahrzeugen für Radfahrer fatale Folgen haben können, wenn sie nicht geschützt sind. 2008 verunglückten 62 Radfahrer im österreichischen Straßenverkehr tödlich. "Die geringere Bereitschaft für kurze Wege einen Helm aufzusetzen, ist vergleichbar mit der Nachlässigkeit vieler Autofahrer beim Anschnallen auf Kurzstrecken im Stadtgebiet. Der Helm mindert aber das Verletzungsrisiko deutlich", schließt Dunzendorfer. (red)

 

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    Aufgrund der Körperproportionen ist die Gefahr eine Kopfverletzung beim Kind deutlich größer als beim Erwachsenen.

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